27.06.2018

Selbst Zeuge werden

Rund 3 500 Pilger nahmen an der Bistumswallfahrt zum Gedenken an die Lübecker Märtyrer teil. Erzbischof Heße ermunterte die Gläubigen beim großen Festgottesdienst auf der Freilichtbühne, ebenso wie die Geistlichen Zeugnis von Gott und vom Glauben abzulegen. 

Einzug der Priester in die Lübecker Waldbühne zum Gottesdienst
„Ihr werdet meine Zeugen sein“, so lautete das Motto bei der Bistumswallfahrt nach Lübeck, deren Höhepunkt der Gottesdienst unter freiem Himmel war.  Foto: Marco Heinen

Mit Bus und Bahn, per Fahrrad und zu Fuß, so machten sich am Samstag (23. Juni) rund 3 500 Pilger aus dem ganzen Erzbistum Hamburg auf den Weg, um am 75. Jahrestag ihrer Verurteilung der Lübecker Märtyrer zu gedenken. Die Kapläne Eduard Müller, Hermann Lange, Johannes Prassek und Pastor Karl Friedrich Stellbrink hatten sich gegen die menschenverachtende Politik der Nationalsozialisten gestellt, die sie als unvereinbar mit ihrem christlichen Glauben ablehnten und waren dafür zum Tode verurteilt worden.

Erzbischof Stefan Heße erinnerte in seiner Predigt auf der Freilichtbühne der Hansestadt an dieses Glaubenszeugnis der vier Geistlichen. Er leitete daraus einen Auftrag für jeden Christen heute ab: „Wir sollen Zeugen sein mit unserem ganzen Menschsein“, so der Erzbischof. Lippenbekenntnisse seien nicht ausreichend. Vielmehr müsse sich jeder selbst fragen ,wie er oder sie im täglichen Leben Zeugnis von Gott und vom Glauben ablegen könne. Die Kapläne hätten sich vor allem um die Jugend und um polnische Zwangsarbeiter gekümmert; „Heute sind wir dran“, so Heße. „Um welche Menschen kümmere ich mich?“

Schleswig-Holsteins Landtagspräsident Klaus Schlie (CDU), der am Ende des Gottesdienstes sprach, nannte die Geistlichen einen „Lichtblick in dunkler Zeit“. „Es war ein Flackern des christlich-humanistischen Geistes in der tiefschwarzen Nacht der Diktatur“, so Schlie. Die Lübecker Märtyrer seien „Zeugen des Glaubens, der Würde und der Freiheit“ gewesen, sagte er.

Während der heiligen Messe, die auch in die Propsteikirche Herz Jesu übertragen wurde, fing es immer wieder leicht an zu regnen. Doch die Besucher ließen das einfach an sich und ihren Schirmen und Capes abperlen. Den ganzen Tag über war es wechselhaft und eher kühl gewesen. Dennoch war die Stimmung an den geschmückten Tischen auf der Parade vor der Props­teikirche Herz Jesu hervorragend. Hier wurden die Pilger von ehrenamtlichen Tischgastgebern bewirtet. „Das Essen schmeckt gut, die Leute sind nett und unsere Tischgastgeberin ist super“, meinte ein Radler aus Schwerin, der mit fünf Mitstreitern 80 Kilometer per Fahrrad zurückgelegt hatte. 1 800 Liter Kartoffelsuppe schenkten die Malteser aus, die mit 80 Helfern im Einsatz waren. Die Pilgerwege in der Stadt, die Workshops und anderen Angebote fanden viel Zuspruch – und überall waren Menschen mit dem Pilgerbeutel auf dem Rücken zu sehen. 

Der Erzbischof dankte allen, die zum Gelingen des Tages beigetragen hatten. Eine Flensburger Pilgerin meinte kurz vor der Rückfahrt: „Das sollte man häufiger machen.“ Mal sehen. Jedenfalls war diese  dritte Bistumswallfahrt ein voller Erfolg.

Weitere Bilder und Texte in der Ausgabe 26 der Neuen KirchenZeitung Hamburg.

Text u. Foto: Marco Heinen