20.03.2019

Platz für 150 Azubis

In Eimsbüttel entsteht ein neues Haus, das Kolping Jugendwohnen mieten wird. Dort sollen im nächsten Jahr junge Erwachsene einziehen, die eine Ausbildung machen und Hilfen des Jugend- oder des Arbeitsamtes erhalten.

Bauarbeiten am Haus für Auszubildende in Eimsbüttel
Die ersten Betonwände stehen: In Eimsbüttel entsteht ein Haus für Auszubildende.  Foto: Norbert Wiaterek

Unterkünfte für Auszubildende, gemeinsam genutzte Aufenthalts- und Fitnessräume und eine zentrale Lage in der Stadt: Im Bezirk Eimsbüttel, am Pa­ciusweg/Kieler Straße 204, errichtet die steg Hamburg mbH (Stadterneuerungs- und Stadtentwicklungsgesellschaft) bis voraussichtlich Ende Juni 2020 ein Gebäude mit Appartements und mehreren Gemeinschaftsräumen. Mieter und Betreiber des Neubaus wird die Kolping Jugendwohnen Hamburg-Eimsbüttel gGmbH sein. Nach der Grundsteinlegung am 14. Dezember 2018 wächst das Haus nun in die Höhe.

Junge Leute müssen sich bewerben

Wie Anette Bolz vom Kolping Jugendwohnen Hamburg-St. Georg berichtet, sind die Zimmer – ganz im Sinne des 1991 selig gesprochenen Gesellenvaters und Sozialreformers Adolph Kolping – für Auszubildende vorgesehen – unabhängig von Religion oder Nationalität. Voraussetzungen: Die jungen Erwachsenen machen eine schulische oder betriebliche Ausbildung und sind zwischen 18 und 27 Jahre alt. „Sie werden meist nicht durch ihre Eltern unterstützt, sondern durch das Jugendamt betreut oder bekommen eine Berufsausbildungsbeihilfe durch die Agentur für Arbeit“, nennt die Diplom-Pädagogin Kriterien. Die jungen Leute müssen einen Antrag stellen und sich für eines der etwa 20 Quadratmeter großen Wohnungen bewerben. „Vielleicht nehmen wir in Eimsbüttel auch Azubis auf, die nicht aus Hamburg kommen. Vielleicht auch Minderjährige. Es ist aber noch unklar, ob dies gewollt ist. Die Bedarfslage ist entscheidend. Unter 18-Jährige haben einen größeren Betreuungsbedarf“, sagt die pädagogische Leiterin. Anette Bolz hofft, dass die ersten Einzüge in das neue Gebäude im Herbst 2020 erfolgen können. „Dann wird das Haus auch gesegnet.“

Geplant sind ein Gartengeschoss mit einem Gemeinschafts- und Spieleraum, Büros und Platz für die Technik. In den fünf weiteren Etagen, verbunden durch ein innenliegendes Treppenhaus, wird es die Zimmer – ohne eigene Küchen, aber mit Bädern – für 150 Azubis, zumeist Einzelappartements, sowie Aufenthaltsräume und pro Etage zwei Gemeinschaftsküchen geben. Im Erdgeschoss befinden sich außerdem der große Eingangsbereich und ein „Raum der Begegnung“.

Für jeden Bereich ist eine Sozialpädagogin oder ein Sozialpädagoge zuständig. Sie helfen auch beim Erreichen der Ausbildungsziele. Laut steg Hamburg mbH wird das Haus einen KfW 55-Energiestandard haben. Gegenüber einem „normalen“ Neubau werden also 45 Prozent der Wärmeenergie eingespart, was wiederum bedeutet, dass dieses Haus extrem gut wärmegedämmt sein muss.

Die Warteliste ist sehr lang

Kolping Jugendwohnen hat aktuell zehn Jugendwohnheime in neun deutschen Städten. Im Haus Kirchenweg 20 in Hamburg-St. Georg stehen seit August 2017 insgesamt 48 Plätze in 42 Einzel- und drei Doppel­appartements, alle barrierefrei, für junge Menschen ab 18 Jahre zur Verfügung. Auch diese Azubis werden durch das Jugendamt betreut oder erhalten eine Berufsausbildungsbeihilfe des Arbeitsamtes. „Der Bedarf ist groß. Wir haben für Sankt Georg sehr viele Anmeldungen“, berichtet Anette Bolz. „Die Nachfrage übersteigt das Angebot.“ 95 Namen stehen derzeit auf der Warteliste. „Anmeldungen für Eimsbüttel sind derzeit zwar noch nicht möglich. Aber wir setzen auch Interessenten für den Paciusweg auf die Warteliste.“

Im Kirchenweg 20 wohnen laut Bolz derzeit junge Erwachsene aus elf Nationen. „Deutsche sind in der Minderheit.“ Sie lernen 18 verschiedene Ausbildungsberufe. „Wir erzählen hier natürlich auch über den christlichen Glauben, feiern die christlichen Feste und erklären sie. Und wir laden zu gemeinsamen Gottesdienstbesuchen ein.“ Ein Angebot, das aber nur wenige Bewohner annehmen. Möglicher Grund: „Etwa siebzig Prozent der hier Wohnenden sind Muslime“, so Anette Bolz.

Text u. Foto: Norbert Wiaterek