28.02.2018

Kirchenführungen zum 125-jährigen Jubiläum in St. Maria-St. Vicelin Neumünster

Offen für Perspektivwechsel

Vor 125 Jahren wurde in Neumünster die Pfarrkirche St. Maria – St. Vicelin gebaut. Gemeindemitglieder bieten deshalb bis Juni fast jeden Freitag eine Führung durch die Kirche an – und zwar in sieben Varianten.

Sandra und David Dudyka und Wolfgang Fricke gehören zu den Kirchenführern in St. Maria-St. Vicelin Neumünster.
(v. li.) Sandra und David Dudyka und Wolfgang Fricke gehören zu den Kirchenführern in Neumünster.  Foto: Marco Heinen

Für 111 000 Mark (nicht ganz 57 000 Euro) bekäme man heute einen nagelneuen Porsche für Einsteiger. Und für gut 12 000 mal so viel Geld könnte man sich schon einen schönen neuen Flughafen kaufen; einen unfertigen zwar, aber immerhin in Berlin. In Neumünster gab es für eben jene 111 000 Mark vor 125 Jahren eine ganze Kirche. Die war nicht nur sehr schön im Design, sondern wurde auch sehr rasant fertig gestellt. Zehn Monate nach Baubeginn, konnte sie bereits zum Weihnachtsfest 1893 geweiht werden.

Im Jubiläumsjahr will die Pfarrei St. Maria – St. Vicelin diesen Schatz besonders herzeigen und hat deshalb bis zum Sommer 16  Kirchenführungen geplant, die – bis auf eine Ausnahme – immer freitags zwischen 17 und 19 Uhr angeboten werden. Geplant sind 45-minütige Rundgänge, so dass man auch mittendrin einsteigen kann. Die Führungen, für die sich eine ganze Reihe an Gemeindemitgliedern engagiert, haben jeweils einen besonderen Schwerpunkt. Maria und Vicelin, so viel sei schon verraten, spielen dabei auch eine Rolle.

Führungen gibt es in der Kirche schon seit rund zwei Jahren. Aber: „Bislang haben wir sie nur auf Bestellung gemacht“, erzählt Wolfgang Fricke (73), einer der Beteiligten. Ob für den Heimatverein oder für die Schulklasse, Wolfgang Fricke ist immer gerne bereit, mit Gästen durch die Kirche zu gehen. „Ich mache das furchtbar gerne“, sagt er. Die Neugierde und das Interesse der Besucher, beides spornt ihn an. „Ich glaube, dass das ein Stückchen Mission ist“, so Fricke.

Im Jubiläumsjahr sind je vier Führungen mit einem jeweils historischen, künstlerischen und liturgischen Schwerpunkt geplant. Fricke hat schon oft liturgische Führungen für Schulklassen gemacht, weil morgens ja sonst kaum jemand Zeit hat. Bei ihm stehen dann nicht nur Kelch und Hostienschale auf dem Altar, sondern auch eine Rose hat er dabei, um die Wandlung zu erklären, die besonders für Kinder nicht ganz leicht zu begreifen ist. Fricke erzählt dann davon, dass eine Rose einen völlig anderen Charakter bekommt, wenn man sie einem geliebten Menschen schenkt. „Dann ist das keine Rose mehr, sondern vielmehr ein Zeichen meiner Liebe, meiner Treue, meiner Zuneigung. Das können die Kinder dann verstehen. Die Rose ist immer noch eine Rose, sie ist aber zusätzlich noch etwas ganz anderes“, so Fricke. Und so ähnlich sei das auch bei der Eucharistie.

Da der frühere überzeugte Atheist selbst erst im zarten Alter von 66 Jahren getauft wurde, will er auch die Führung für „Atheisten, Agnostiker und andere Heiden“ übernehmen, wie sie im Flyer zu den Führungen genannt werden. Er wisse ganz gut, „wie die denken und fühlen“, sagt der Senior. Und wie bekommt man einen Atheisten in die Kirche? Fricke lacht. „Das wissen wir noch nicht. Es ist ja das erste Mal, dass wir das probieren.“  

Mit zum Team gehören auch David (31) und Sandra (28) Dudyka. Die beiden bereiten ebenfalls jeweils eine ganz besondere Führung vor. David Dudyka, der beim Erzbistum in der Kinder- und Jugendarbeit tätig ist, setzt dabei auf die Perspektive der „Jünger des Smartphones“. Damit sollen Menschen angesprochen werden, „die gerne mit dem Smartphone unterwegs sind und die Welt mit dem Smartphone entdecken“, erläutert er. Wie das im Detail aussehen wird, das steht noch nicht fest. Doch ähnlich wie bei dem Spiel Pokémon Go soll die Technik eingesetzt werden, die bei der sogenannten „augmented reality“ (erweiterte Realität) verwendet wird: mittels des Smartphones wird die Realität abgebildet und um zusätzliche Texte, kleine Videos und in diesem speziellen Fall wohl um ein Rätsel ergänzt. Ein paar Wochen bleiben Dudyka noch, um seine Ideen in die Tat umzusetzen.

Ähnlich ist es auch bei seiner Frau, Sandra Dudyka. Die Museologin, die vormals im Kindermuseum Berlin im Bereich Museumspädagogik und Ausstellungsdesign tätig war, erarbeitet mit einem kleinen Team eine Führung für Familien und kleine Besucher. An sieben Orten in der Kirche – darunter Altar, Taufbecken und Tabernakel – soll es Hörstationen geben, an denen den jungen Besuchern in kurzen Texten Sinn und Zweck dieser Dinge erklärt werden. Maria und Vicelin sind dann als gezeichnete Figuren auch mit dabei. Die Teilnahme an allen Führungen ist natürlich kostenlos.

Termine der Führungen jeweils freitags 17–19 Uhr: historisch: 2. März, 6. April, 4. Mai, 8. Juni; künstlerisch; 9. März, 13. April, 25. Mai, 15. Juni; liturgisch: 16. März, 20. April, 18. Mai, 22. Juni; für Atheisten: 23. März; musikalisch: 27. April; für Smartphone-Fans: 1. Juni; für Familien und Kinder: Samstag ,- 2. Juni, 14–16 Uhr.

Text u. Foto: Marco Heinen