04.04.2018

Xavière-Schwester baut in Harburg Katholische Hochschulgemeinde auf.

Neue Gemeinde für Studenten

Jugendpastoral ist ein Lebensthema für Schwester Claire Cécile (53). In Harburg ist die Xavière-Schwester derzeit damit beschäftigt, eine neue Gruppe der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG) südlich der Elbe aufzubauen. 

 

Xavière-Schwester Claire Cécile vor der Kirche St. Maria in Harburg.
Sie mag die ruhige Gelassenheit der Norddeutschen, sagt Schwester Claire Cécile. Das Foto zeigt sie vor der Kirche St. Maria.  Foto: Sendker

Es sind vor allem die Studenten der Technischen Universität (TU) Hamburg-Harburg, die Schwester Claire Cécile ansprechen will. Aber auch Studenten der Uni Hamburg, die südlich der Elbe wohnen, möchte sie einladen. Dass es kein leichtes Unternehmen sein wird, junge Menschen neben dem Studium noch für soziale Kontakte zu gewinnen, war ihr von Anfang an klar. 

Wie schwer es tatsächlich ist, hätte sie jedoch nicht gedacht. Zunächst eher vergeblich lud sie zu Treffen oder zum Gottesdienst für Erstsemester ein. Werbung in der TU Harburg ist nicht erlaubt. „Das ist die Universität, an der die Attentäter der Terroranschläge vom 11. September 2001 in New-York studierten. Seither ist dort Religion tabu, es gibt auch keinen Raum der Stille“, bedauert die Xavière-Schwester. Ähnliches kennt sie aus ihrer Heimat: Im laizistischen Frankreich sind Staat und Kirche absolut voneinander getrennt. „Aber das tut nicht gut, da staut sich viel auf“, diese Erfahrung hat sie an Schulen in den Pariser Vororten gemacht. 

Sie trägt kein Habit, ihr Kloster ist die Welt

Schon immer hat sich Schwester Claire Cécile vor allem um Jugendliche und junge Erwachsene gekümmert. Seit 27 Jahren gehört sie dem Orden „La Xavière“ an. Sie trägt kein Habit, sondern will so, wie sie ist, missionarisch tätig sein. Ihr Kloster ist die Welt. 

Nach dem Studium der Theologie und Philosophie an Jesuitenfakultäten in Frankreich hat Schwester Claire Cécile als Lehrerin in verschiedenen staatlichen Gymnasien in den Pariser Vororten unterrichtet, später auch ein katholisches Gymnasium geleitet und als Schulseelsorgerin gearbeitet. Sie war 50 Jahren alt, als der Orden sie ins Erzbistum Hamburg schickte. Mit zwei Mitschwestern lebt sie in Billstedt – in der einzigen Gemeinschaft des französischen Ordens in Deutschland. Ein halbes Jahr war sie als Studentenseelsorgerin in Flensburg. Seit einem Jahr ist sie Mitarbeiterin im pastoralen Dienst der Pfarrei in Harburg und hat ihr Büro im Pfarrhaus von St. Maria. 

Dort hat sie die Studentenarbeit ins Visier genommen. Im vergangenen Sommer ging die Ordensfrau in die Offensive, 2 500 Briefe hat sie an alle 18- bis 25-Jährigen auf dem Gebiet der Harburger Pfarrei St. Maria-St. Joseph und Wilhelmsburg verschickt. Einige nette Mails bekam sie zurück, auch einige Zusagen. Letztendlich war es eher Mundpropaganda, die Erfolg zeigte: 15, manchmal auch 20 Teilnehmer kommen inzwischen zu den KHG-Treffen am Montag. 

Jedes Treffen beginnt mit einem Friedensgebet in St. Maria, zu dem die ganze Gemeinde eingeladen ist. Danach sind die Teilnehmer zu einem kleinen Abendbrot ins Gemeindehaus eingeladen, bevor sie sich einem aktuellen Thema widmen. „Die Themen richten sich nach den Wünschen der Teilnehmer“, erzählt Claire Cécile. Mit der Entwicklung der Gruppe ist sie ganz zufrieden, sie weiß aber auch, dass Studenten oft die Uni wechseln und im nächs-
ten Semester schon wieder alles ganz anders aussehen kann. 

Um die Arbeit an der Uni auf eine festere Basis zu stellen, sucht sie zugleich die Zusammenarbeit mit den evangelischen Pastoren der Nachbargemeinden. So ist ein Flyer entstanden, in dem jede Gemeinde ihre Angebote für junge Studenten vorstellt. 

Aber auch die Gemeinde hat die Ordensfrau im Blick: Seit November lädt sie am ersten Sonntag im Monat um 18 Uhr zu einem Jugendgottesdienst für junge Erwachsene, Studenten und Jugendliche, namentlich auch für die Firmlinge in St. Maria, ein. Damit auch internationale Gäste sich mitgenommen fühlen, sind die Lieder und Texte überwiegend in Englisch. 

Text u. Foto: Monika Sendker