14.03.2018

Ein wegweisendes Projekt der Schweriner Caritas

Kleine Fische im großen Meer

Nicht nur die Lieder sind neu, wenn man neu im Kindergarten ist und neu in Deutschland. Die Schweriner Caritas ist bei einem Projekt beteiligt, das den Einstieg in die Kita erleichtert. Das hilft den Kindern, aber auch deren Eltern.  

Syrischer Vater mit zwei Kindern in einer Schweriner Kita
Katharina Ehlers tischt auf: Für ihre Kinder ist alles neu in Deutschland.  Foto: Antonia Schindler

Das Projekt „Kita-Einstieg, Brücken bauen in frühe Bildung“ der Caritas betreut derzeit elf Kinder aus neun Familien. Die Mütter und Väter kommen dienstags bis donnerstags von 9 bis 12 Uhr in den Stadtteiltreff Krebsförden. Heute sind fünf Kinder da, außerdem drei Väter und eine Mutter. Es ist Erkältungszeit, die anderen sind krank. Dafür machen die, die da sind, umso mehr Stimmung. Gemeinsam wird lautstark gesungen: „Fünf kleine Fische, die schwammen im Meer. Blubb, blubb, blubb, blubb.“ Die Wörter korrekt mitsingen können weder Eltern noch Kinder, Spaß macht es ihnen trotzdem. Mit am Tisch sitzen und singen Katharina Ehlers und Ali Debili. Katharina Ehlers ist Pädagogin, Ali Debili Dolmetscher. Die Kinder können spielen und die Eltern sich unterhalten – und sich vor allem Rat holen. Diese Kinder haben noch keinen Kita-Platz. Ehlers und Debili helfen dabei, das zu ändern. „Wir erklären den Eltern, was eine Kita überhaupt ist und wie man sich für einen Platz bewirbt. Die Familien hier kommen aus Syrien und sind erst seit wenigen Monaten hier. Dort gibt es nur in Großstädten Kindergärten und auch nur für die obere Gesellschaftsschicht. Für die meisten Kinder geht es erst mit der Schule los“, erklärt Katharina Ehlers. Wenn Eltern und Kinder sich dann hier in einer Kita vorstellen, gehen die beiden Betreuer manchmal mit – helfen bei Sprach- und Verständnisproblemen. Sie helfen auch bei alltäglichen Fragen. 

Manchmal würden die Eltern Briefe mitbringen, erzählt Ali Debili. „Sie fragen, was darin steht und was sie antworten sollen. Wir helfen dann, so gut wir können. Oder wir geben ihnen Tipps für gute Nachbarschaft. Dass man zum Beispiel einfach mal nebenan klingelt und sich vorstellt.“ Beim Projekt wird aber nicht nur gesessen und geredet. Jeden Mittwoch kommt Unterhaltungsmusiker Steffen Wroost vorbei – eine halbe Stunde singt und spielt er auf der Gitarre deutsche Kinderlieder. Immer mal macht die Gruppe auch Ausflüge, zum Beispiel zum Pfaffenteich. 

Neben dem Stadtteiltreff ist die „Märchen-Kita“. Demnächst wollen sie gemeinsam Pausen auf dem Hof machen, damit die syrischen Kinder auch mit deutschen Kindern spielen können – und erste deutsche Wörter lernen. „Bei den Kindern geht es mit der Sprache sehr schnell. Vor allem, wenn sie im Kindergarten sind. Das brauchen sie auch später für die Schule. Probleme gibt es da eher bei den Eltern. Es müssten noch mehr Sprachkurse angeboten werden“, so Katharina Ehlers. Deswegen sind sie gerade dabei, eine Deutschlehrerin zu organisieren, die einmal in der Woche mit den Eltern übt. „Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann außerdem noch mehr Integrations-Angebote, bei denen Flüchtlinge mit Einheimischen zusammen kommen. Das wäre wirklich hilfreich.“ Maximal ein Jahr sollten die Familien an dem Projekt teilnehmen. Katharina Ehlers hofft, dass bei allen die Zeit reicht, um einen Kita-Platz zu finden und sich etwas in Deutschland einzuleben.

Text u. Foto: Antonia Schindler