28.03.2018

Massive Probleme der St. Joseph-Gemeinde auf der Großen Freiheit

Kirchhof soll kein Abort sein

Die St. Joseph-Gemeinde auf der Großen Freiheit leidet darunter, dass Kiezgänger das Kirchengelände verschmutzen. Auch deshalb solidarisierte sich die Gemeinde mit der Protestaktion „Der ganze Kiez ein Kiosk“. 

Pfarrer Karl Schultz mit Protestplakat vor der St. Joseph-Kirche auf dem Kiez

Pfarrer Karl Schultz mit einem Protestplakat vor der St. Joseph-Kirche    Foto: Sendker 

Im grauen Tageslicht wirkt die Große Freiheit ziemlich trostlos. Die Lichtreklamen sind aus, die Klubs noch geschlossen. Am Ende liegt die Kirche St. Joseph, Große Freiheit 43. Gleich nebenan im Kaiserkeller an der Großen Freiheit 36 hatten 1962 die Beatles ihre ersten Auftritte. Nach einer wilden Nacht soll einer der legendären Pilzköpfe, so wird erzählt, von der Empore der Kirche gepinkelt haben und wurden dabei erwischt. „Das Thema hat hier Tradition“, sagt der heutige Pfarrer Karl Schultz. 

Lachen kann er darüber nicht. St. Joseph liegt am dunklen Ende der Straße, am Rand der Partymeile. Der Pfarrer zeigt bei einem Gang um das Kirchengrundstück auf die Hinterlassenschaften der Kiezgänger der vergangenen Nacht, auf Spuren von Erbrochenem und Müll: „Eine riesige Unkultur hat sich hier breitgemacht. Vor allem die Bewohner im Pfarrhaus und der Polnischen Mission leiden sehr darunter, dass der Kirchhof, die Haustüren und Kirchenmauern als öffentliche Toilette genutzt werden. Im Pfarrhaus kann man im Sommer die Fenster nicht öffnen, weil der strenge Geruch unerträglich ist.“ 

Das ist auch der Grund, warum sich die Gemeinde an der Aktion „Der ganze Kiez ist ein Kiosk“ beteiligte: Als am Freitag der vergangenen Woche viele Bars und Clubs geschlossen blieben und Getränke zu niedrigen Preisen durchs Fenster verkauften, hatten auch Pfarrer Schultz und Gemeindereferentin Evelyn Krepele vor St. Joseph Plakate aufgehängt. Der Protest der Kiez-Gastronomen richtete sich gegen die Konkurrenz der vielen kleinen Kioske, die mittlerweile auf der Amüsiermeile und drumherum Anlaufstelle für Partygäste sind. In den Kiosken werden alkoholische Getränke zu Billigpreisen verkauft. „Cornern“ heißt inzwischen das Phänomen, wenn die Straßenecken von Kiezgängern belagert werden. Da die Kioske keine sanitären Anlagen haben, erleichtern sich die Feiernden in den anliegenden Grundstücken. Viele Anwohner sehen deshalb die Kiezkultur bedroht und fordern zum Beispiel ein Ausschankverbot für Alkohol an den Kiosken ab 22 Uhr.

Die St. Joseph-Gemeinde steht in gutem Kontakt mit den Nachbarn an der Großen Freiheit. Zum Beispiel mit der Drag Queen Olivia Jones, die an der Großen Freiheit 27 ihren Show Club hat. „Wir sind hier der älteste Club“, sagt Pfarrer Schultz. „Unsere Pfarrei hat 6 000 Mitglieder, die hier auf St. Pauli wohnen. Da ist es doch klar, dass wir uns solidarisch an der Protestaktion beteiligen.“

Text u. Foto: Monika Sendker