25.07.2018

Was die betriebsame Schwester uns heute sagen könnte

Jetzt spricht Marta!

Maria tut das Richtige, Marta das Falsche. Und der Papst nennt eine Krankheit der Kirche „Marta-ismus“. Kann die Frau aus Betanien das auf sich sitzen lassen? Wir lassen sie hier einmal selbst reden. Sie ist ganz schön geladen: 

Frau beim Kochen

 Sie kümmert sich um das Essen. So wie Marta in der Bibel.  Foto: picture alliance

Es reicht. Ich will es nicht mehr. Ich will nicht mehr Marta sein. Marta, die Geschäftige. Marta, die Umtriebige. Marta, der Workoholic. Denn so seht ihr mich. So zieht ihr über mich her in euren Predigten und Traktätchen, die kein Mensch liest. Ihr macht mich schlecht vor euren Kindern, die ihr in euren Glaubensstündchen quält. Und abends in euren Besinnungskreisen, da werde ich abgewatscht – von Leuten, die noch nicht einmal am Sabbat Ruhe halten können. 

Maria ist die Tolle, Marta die Blöde. Marta hat falsch gewählt, Maria richtig. Was habe ich denn gewählt? Wenn jemand in mein Haus kommt, kriegt er zu essen. Erst recht, wenn es Jesus ist. Ist das die falsche Wahl? Oder kommt hier Manna vom Himmel geflogen? Jemand muss es machen. Und das bin zufällig nun mal ich. 

Und dann kommt auch noch euer Papst und erfindet ein Wort: „Marta-ismus“! Eine Krankheit der übergeschäftigen Kirche! Ja, was bildet der Mann sich ein? Mich zu vergleichen mit eurer Selbstbeschäftigung, euren ewigen Strukturdebatten, euren Finanzskandalen, Steuerkreisen und Lenkungsgruppen, euren Neurosen und Eitelkeiten. Ich habe mir nicht den Hintern plattgedrückt in Sitzungen, in denen Jesus gar nicht mehr vorkommt. Ich habe dem Herrn gedient! 

Bei mir gibt es Suppe, keine „Impulse“

Ich habe ihm meine guten Linsen gegeben. Dazu Brot, mit extra viel Olivenöl. Er hat sich das Öl von den Lippen geleckt. Es hat ihm geschmeckt. Er hat die Augen geschlossen, den Kopf zurückgelegt, so gut hat es ihm geschmeckt. So wie allen anderen. Auch den Armen, die nachher gekommen sind und die Reste haben wollten. 

Denn ich habe mich nicht in teuren Palästen verschanzt, während die Armen und Einsamen draußen blieben. Ich habe mich nicht in menschenleeren Pfarrzentren eingeschlossen. Zu mir sind die Leute gekommen. Weil es bei mir Hirse oder Linsen gibt, keine „geistlichen Impulse“. Auch mein Brot ist „Brot des Lebens“. Der Herr hat es uns gegeben, und ich habe es gebacken, zum Lob seines Namens und seiner Güte. 

Jemand muss es tun. Und ich tu es gern. Besonders wenn Jesus da ist. Und Maria, das gute Kind, sie hätte ja nur etwas mithelfen müssen. Mehr wollte ich gar nicht. Ich hätte auch gern gehört, was Jesus sagt. Ich hätte die Hände im Geschirrtuch abgetrocknet und mich neben die Tür gesetzt. Nur zwei Minuten. 

Es war nicht fair, dass er mich zurechtgewiesen hat. „Maria hat das Bessere erwählt.“ Ich weiß auch, was „das Bessere“ ist. Ich wusste, wer dieser Mann ist, als ihr Männer noch eure Köpfen gewiegt habt, und Bibelstellen verglichen und ihn für Elija oder Jeremia oder für Johannes den Täufer gehalten habt. Ich hab’ es klar gesagt: „Ja, Herr, ich glaube, dass du der Messias bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.“ Ihr könnt bei Johannes nachlesen, dass ich es gesagt habe. 

Ich habe gewusst, wer Jesus ist. Und ich habe auf ihn gesetzt, als es keiner getan hat. Lazarus war ja schon vier Tage tot. Der Fall war erledigt. Nur für mich nicht. Ich hatte Vertrauen. Jesus kann alles tun. Er ist der Sohn. Und der Vater wird ihm geben, worum er bittet. Alles. Wer von euch glaubt das heute? Wer traut ihm? Darum hört auf! Hört auf, meinen Namen schlecht zu reden!

So, das musste mal ’raus. Jetzt brennt meine Suppe an. Und an der Tür klopft es schon wieder. Ich muss aufmachen.

Andreas Hüser