30.05.2018

Neuer Treffpunkt der Caritas für Frauen aus vielen Ländern in Schwerin

Hier Pfingsten, dort Ramadan

Ein Treffpunkt der Caritas, an dem sich Frauen aus vielen Ländern treffen, die meisten sind aus Kriegs- und Krisengebieten nach Deutschland geflüchtet. Das klingt zuerst nicht sehr lustig. Wer einmal dabei war, weiß es besser.

Frauen aus vielen Nationen kochen zusammen
Hier redet niemand von Integrationsproblemen. Wo Frauen aus zehn Nationen zusammenkochen, geht es hoch her.  Foto: Antonia Schindler

Zehn Frauen aus sechs Nationen kommen regelmäßig im Café zusammen. Die meisten bringen ihre Kinder mit. Sie kommen aus Tunesien, Syrien, Somalia, Vietnam, aus dem Irak und aus Deutschland. Nicht alle sind muslimisch. Träger der Einrichtung ist die Caritas.

Gunhild Nienkerk sitzt mit fünf Frauen in gemütlicher Runde in der Sitz-Ecke des Cafés. Vor einigen Tagen hat der Fastenmonat Ramadan angefangen und die Leiterin der Einrichtung möchte wissen, wie es den beiden muslimischen Frauen geht. „Seit ein paar Tagen fastet ihr jetzt. Das bedeutet ja nicht nur kein Essen zwischen Sonnenaufgang und Untergang, sondern auch kein Trinken. Wie kommt ihr damit klar?“, fragt Nienkerk. 

Gunhild Nienkerk vom Caritas-Treff in Schwerin mit einer Besucherin
Gunhild Nienkerk mit einer Teilnehmerin beim
internationalen Caritas-Treff in Schwerin.
Foto: Antonia Schindler

Die Deutsch-Kenntnisse der beiden Syrerinnen sind noch nicht perfekt, aber man weiß sich zu verständigen. „Es ist nicht so schlimm, wir sind daran gewöhnt. Außerdem es gehört zu unserer Religion. Wir haben also einen guten Grund, um zu fas-ten und machen es nicht einfach so“, erklären sie. Wann Ramadan stattfindet, richtet sich nach dem Mond. Alle 12 Monde wird er gefeiert. In einem Jahr gibt es aber fast 13 mal Vollmond. Deshalb rückt der Fastenmonat immer etwas vor. „Im Winter ist es einfacher,. Dann kann man von 17 bis 7 Uhr essen und trinken. Jetzt im Sommer ist das nur von 21.30 bis 4 Uhr möglich Aber auch das bekommen wir hin.“ Es gibt auch Ausnahmen: alte und kranke Menschen müssen nicht fasten, das gleiche gilt für Kinder und Schwangere und Frauen, die stillen. Um den Frauen dann auch etwas vom christlichen Glauben zu vermitteln, erklärt Gunhild Nienkerk, was an Pfingsten gefeiert wurde.

Was wollen wir an welchem Tag machen? 

Während sie sich unterhält, ist Thing aus Vietnam mit anderen Frauen in der Küche und bereitet das Essen vor. Es soll Teigtaschen mit Käse und Hackfleisch geben. Ein traditionelles arabisches Gericht. Thing arbeitet mit im Café. Sie macht aus dem Teig kleine flache Kreise, die Frau neben ihr tut etwas von der Füllung in die Mitte und die Frau daneben formt daraus die Taschen. 

Es wird viel gescherzt und gelacht. Sie tauschen sich über Rezepte aus, sprechen über ihre Kinder oder über das Leben in Deutschland. Neben Leiterin Gunhild Nienkerk und Thing arbeitet auch Safaa Awward aus dem Irak hier im Café. Sie spricht sehr gut Deutsch und übersetzt oft.

Safaa ist etwas später gekommen und geht in die Küche, um dort mitzuhelfen. Währenddessen sind die Frauen und Gunhild Nienkerk dazu übergegangen, einen Plan für den Juni aufzustellen: was können wir an welchem Tag machen? Zu was haben die Frauen Lust und ist die Idee auch bezahlbar? Das Café hat immer dienstags bis donnerstags von 9 bis 14 Uhr geöffnet. Sie müssen nicht immer nur hier bleiben. Auch Ausflüge sind möglich. Vor ein paar Tagen haben sie mit den Kindern einen Ausflug ins Schweriner Schloss gemacht. Außerdem stand auf dem Plan für Mai, ein ähnliches internationales Café in einem anderen Stadtteil zu besuchen. Auch für den Juni gibt es zahlreiche Ideen. 

Eine sticht besonders hervor: die Frauen wollen gerne nähen. Sie würden auch die Stoffe mitbringen. Braucht es nur noch eine Nähmaschine. Gunhild Nienkerk klemmt sich ans Handy, ruft eine Bekannte an, um eine Nähmaschine zu organisieren. Die anderen Frauen sitzen jetzt zusammen und überlegen sich, was sie noch gemeinsam unternehmen können – um Deutsch zu lernen, um die Kultur kennen zu lernen oder um einfach etwas mit ihren Freundinnen zu unternehmen.