06.06.2018

Historischer Baldachin in St. Peter-Ording

Ein Geschenk für die Diaspora

 

 

Fronleichnamsprozession mit historischem Baldachin in St. Peter-Ording
Aufstieg auf den Deich von St. Peter Ording, zum ersten Mal mit historischem Baldachin.   Foto: Ewald Rips

„Katholiken erinnern an dem Tag an die letzte Mahlzeit, die Jesus mit seinen Jüngern einnahm“, hieß es in einer Hamburger Zeitung. Ganz falsch war die Beschreibung nicht. Tatsächlich erinnert das Fest Fronleichnam an das Mahl, in dem Jesus „vor seinem Leiden“ das Brot gebrochen hat und gesagt hat: „Dies ist mein Leib.“ Ohne diese Einsetzung der Eucharistie wäre in der Monstranz nichts zu zeigen. Das Bild in der Zeitung zeigte die Bootsprozession am Staffelsee in Oberbayern. Aber auch im Norden gibt es Fronleichnamsprozessionen, sogar am Wasser. 

In St. Peter-Ording war die Prozession in diesem Jahr etwas Besonderes. Pfarrer Oliver Maik trug die Monstranz unter einem historischen goldenen Baldachin. Das wertvolle Stück ist ein Geschenk der St. Liborius-Gemeinde in Bochum-Grumme. Wie kam es an die Nordsee? Der Husumer Ewald Rips hat vor vier Jahren in seiner Bochumer Heimatgemeinde einen Vortrag über das Leben in der Diaspora gehalten. 

Danach beschlossen die Ruhrgebiets-Katholiken, ihren 100 Jahre alten Baldachin für die Diaspora zu spenden. Nach einer Gemeindefusion hatten sie zwei Baldachine und konnten einen davon abgeben. Die Kolpingsfamilie Husum nahm sich des Baldachins an und sorgte für eine fachgerechte Restaurierung. Eine Schneiderin der Gemeinde opferte ihre Freizeit, um die umfangreichen Näharbeiten (kein Maschineneinsatz) noch rechtzeitig für die anstehende Prozession fertig zu stellen. Am Vor-abend von Fronleichnam wurde er fertig. Fast, denn es stellte sich heraus: Noch in Bochum waren die „Tunnel“ für die Tragstangen zugenäht worden. Es kostete der Husumer Schneiderin das Frühstück, um die Nähte wieder aufzutrennen, rechtzeitig vor Prozessionsbeginn. 

Tatsächlich hatte es einen solchen Baldachin an der Nordsee noch nicht gegeben. Ein Chemnitzer Urlauber, der mit in der Prozession ging, fragte hinterher beim Abbau: „Wo habt ihr den tollen Baldachin her? Habt ihr den schon immer?“ (ahü)