06.03.2019

Ein gastfreundlicher Ort

Wie kommt Kirche in Beziehung mit Menschen in der Welt?  Diese Frage stellt sich das Erzbistum Hamburg. Diese Frage stellt sich auch die Caritas im Bistum. Schwester Maria Magdalena aus Kiel hat eine Antwort gefunden.

Schwester Maria Magdalena im „Café unterm Kirchturm“ in Kiel
 Schwester Maria Magdalena Jardin nutzt das „Café unterm Kirchturm“, um Menschen in Kontakt zu bringen.  Archivfoto: Hüser

Die meisten Besucher unseres Gästeklosters „Haus Damiano“ in Kiel haben keine oder eine amüsante Vorstellung von unseren Gebeten, den unterschiedlichen Gesängen und Traditionen. Ein Gast lernt unseren Klosterrhythmus mit festen Meditations- und Mahlzeiten, mit Zeit für sich persönlich und Zeit für Gespräch kennen. Das ist vielen fremd. Schon vor sechzehn Jahren war unser Gründungsauftrag: seid ein gastfreundschaftlicher Ort für alle Menschen guten Willens und seid ein missionarischer Ort! Das leben wir gerne in der katholischen Diaspora unseres Erzbistums. Christen waren immer dialogfähig, denn Jesus Christus ist zutiefst Beziehung und Gemeinschaft. Gott selbst will nicht ohne uns sein. Diese Basis verbindet uns mit vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern  der Caritas im ganzen Erzbistum. Täglich geschieht es an vielen Orten und in kleinen Zeichen: „Wir leben und handeln im Dialog mit den Christinnen und Christen anderer Konfessionen, mit Gläubigen anderer Religionen und mit allen Menschen guten Willens.“

Und mit der Zeit habe ich eine wichtige Inspirationsquelle für mich persönlich in diesem Dienst gefunden: die Urkirche. Der Ursprung unserer Kirche rund um die neue Jesusbewegung war in einer ähnlichen Situation. Die Christen des Anfangs wurden von ihrer Mitwelt geschätzt (Apg 2, 47) und taten Gutes (Apg 9,37).

„In diesen Spuren stehen wir alle heute, besonders die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Caritas, die täglich ihr Bestes geben in ihrem Bemühen um Zuwendung, Gespräch, Verstehen und hilfreiche Organisation. Wie die ersten Christen sind auch wir heute angewiesen, uns nicht zu verschließen, sondern uns zu öffnen, für unsere Stadtteile und unsere Nachbarn. 

Lese ich über die ersten Christen und über Pfingsten, dann erkenne ich, wie vielfältig Menschen, Religionen und Kulturen immer schon waren. Für mich ist das eine lebendige Erinnerung, dass unser Glaube immer schon international und vielstimmig war. Und schauen wir noch weiter zurück in die Bibel, dann lesen wir beim Propheten Jeremia weise, lebensnahe Tipps für die Juden, die ihren Glauben vereinzelt in der Ferne leben mussten. Bei Jeremia 29 lesen wir, dass die frommen Frauen und Männer in der Diaspora für ihre Stadt das Beste suchen sollen, ja für ihre Mitwelt beten und auf allen Ebenen den Dialog mit den ihnen zunächst fremden Menschen suchen sollen. Für mich ist es eine lebendige Erinnerung, dass wir zu einer großen Gemeinschaft gehören. Durch die Dienstgemeinschaft der Caritas wird unsere Kirche konkret sichtbar. Kirche wird immer konkret durch Menschen. Menschen, die nicht perfekt sind, aber dynamisch und verlässlich. Und so sind im „Café unterm Kirchturm“ in Liebfrauen in Kiel die Mitarbeiter der Caritas für ein kurzes Durchatmen immer willkommen. Das „Café unterm Kirchturm“ ist unser Ort in der Gemeinde Liebfrauen, an dem wir mit den Menschen aus unserem Stadtteil die Begegnung suchen und mit ihnen im Gespräch sind.

Lasse ich die Worte Jesu Christi selbst auf mich wirken, dann werde ich im Neuen Testament bei Matthäus 25, 31–46 aufmerksam und finde unsere Überschrift darin wieder. Hier erklärt Jesus, dass er in jedem Armen, Kranken und Gefangenen lebt und von vielen seiner Jünger nicht erkannt worden ist. Jesus Christus macht uns deutlich, es geht nicht um die „richtige“ Formel des Glaubensbekenntnisses, sondern darum, ob wir unseren Glauben gelebt haben, mit Hand und Herz, mit Caritas.

Text: Schwester Maria Magdalena Jardin, Leiterin des Gästehauses „Haus Damiano“ in Kiel