08.08.2018

Die Mitte ist Jesus

Wie können Christen in einer nichtchristlichen Umgebung leben? Jesuitenpater Peter Kegebein hatte eine Antwort: Er sammelte die Katholiken in Hauskreisen. Jetzt ist dieser prägende Seelsorger im Alter von 93 Jahren gestorben.

Pater Kegebein bei einer Predigt in Mecklenburg

Pater Peter Kegebein im Jahr 2000 bei einem Besuch in Mecklenburg.  Foto: privat

Als hätte er sich diesen Tag ausgesucht: Am Festtag seines Ordensgründers beendete Peter Kegebein seinen irdischen Weg und legte sein Leben in die Hand des Herrn zurück, dem er – dem Ruf des heiligen Ignatius folgend – gedient hatte. Geboren am 17. Dezember 1924 in Güstrow, konvertierte er 1946 und wurde 1953 zum Priester geweiht. Nach Kaplansjahren in Ludwigslust und Neustrelitz trat er 1962 in die Gesellschaft Jesu ein. 

Zum 1. Januar 1969 stellte ihn der Jesuitenorden auf Wunsch von Bischof Heinrich Theissing frei für die Familienseelsorge in Mecklenburg. Seine wichtigste Aufgabe war die Bildung kirchlicher Hauskreise, Kreise meist jüngerer Familien, die durch regelmäßige Treffen christliche Gemeinschaft pflegten, ihre Sorgen und Ängste im Leben in einem sozialistischen Staat austauschten, im betrachtenden Gespräch über Worte der Heiligen Schrift Antworten auf ihre Fragen suchten und gemeinsam beteten. 

Friedensgebet statt Atomkriegsübung

Als Ende der 70er-Jahre die DDR-Führung Atomkriegsübungen in den Wohngebieten der Städte organisierte, fand Peter Kegebein in Bad Doberan und Rostock die gewaltlose Antwort mit ökumenischen Friedensgebeten am Vorabend der Übungen. In den Siebzigerjahren nahmen Pilger aus der DDR an der Marien-Wallfahrt von Warschau nach Tschenstochau teil, auch Pater Kegebein. Als das wegen des Kriegsrechts in Polen mit der Unterdrückung der Solidarnocz nicht mehr möglich war, gehörte Pater Kegebein zu den Initiatoren einer Wallfahrt zur gleichen Zeit von Magdeburg zum Klüschen Hagis im Eichsfeld, die dann seit 1982 vom 4. bis 15. August stattfand, gestützt und gefördert von Bischof Theissing, der die Wallfahrer aufforderte: „Macht euch auf den Weg! Ihr seid pilgerndes Volk Gottes!“

Wenn wir heute nach der Mitte seines Lebens fragen, so scheint die Antwort klar zu sein: Jesus. Aber das war für Pater Kegebein nicht eine leere Formel. Jesus war die Mitte seines Lebens. Ich glaube, dass Peter Kegebein immer im Gespräch, im Austausch war mit Ihm. Wann immer wir mit Ihm sprachen oder er mit uns. Jesus war der unsichtbar Dritte im Gespräch. 

Ob auf Pilgerwegen oder auf Reisen, ob beim ihm so wichtigen Rosenkranz oder bei der Feier der Eucharistie oder beim persönlichen Gespräch: Jesus war da. Und nie hätte Peter Kegebein uns entlassen bei unseren Besuchen bei ihm, ohne dass er uns gesegnet hätte. Peter Kegebeins Lebensmitte war Jesus. Was sein Leben unterscheidet – er war ein Betender. Nun hat er das Ziel seines Lebens erreicht und wir dürfen darauf vertrauen, dass wir mit ihm einen Freund mehr bei Gott haben.

Text: Diakon Siegfried Prey

Die Beerdigung ist am 9. August auf dem St. Hedwigs-Friedhof in Berlin.