24.10.2018

Die mit dem guten Riecher

Sie werden gerufen, wenn ältere Menschen nicht mehr den Weg nach Hause finden oder Pilzsammler sich im Wald verirrt haben: die Malteser Hundestaffel aus Neustrelitz. Aber vor dem Einsatz steht das Training – bei Wind und Wetter. 

Rettungshund der Malteser findet Opfer
Lotte hat Staffelleiterin Cathleen Gründer auf der Wiese gefunden und zeigt das lautstark an.  Foto: Sophie Ludewig

Ende Oktober wird es ernst für Balu, Emma und Lotte. Dann müssen der Deutsch-Drahthaar-Rüde, die Border-Collie-Dame und die Labrador-Hündin ihre nächste Prüfung ablegen. Denn die begehrte Plakette, die sie als Rettungshund ausweist, müssen sie sich alle zwei Jahre neu erarbeiten. Alle drei sind schon einige Jahre „im Geschäft“ und kennen sich aus mit dem Auffinden von vermissten Personen. Doch eine gewisse Nervosität bleibt vor jeder Prüfung, sagt Staffelleiter Hagen Ulbrich, der mit Lotte antritt: „Es ist ziemlich leicht, durchzufallen. Schon wenn man als Hundeführer etwas aufgeregt ist, denn die Körpersprache des Menschen überträgt sich auf das Tier. Wenn die Konzentration nachlässt, kann es schon nach der ersten Übung heißen: Und tschüß!“ 

Vor dem großen Tag werden deshalb neben dem allwöchentlichen Training mittwochs und sonntags in der Gruppe ein paar Extra-Übungsstunden zu Hause eingelegt. Cathleen Gründer sieht dem Praxistest ihrer Emma gelassen entgegen: „Emma gehört mit ihren neun Jahren hier zu den besonders Erfahrenen. Weil sie alle Übungen super beherrscht, ist es beim Training manchmal fast ein bisschen langweilig mit ihr“, meint die zweite Staffelleiterin lachend. 

Die Malteser Hundestaffel aus Neustrelitz
Die Malteserhunde von Neustrelitz. In ganz Mecklenburg-Vorpommern können sie bei Suchen eingesetzt werden. 

Zwei Mitglieder, die absolut keine Langeweile verbreiten, sind Hope und Ivy. Die beiden Border Collies sind erst ein Jahr alt und haben in der Gruppe den Spitznamen „Terrorkrümel“ weg. „Sie bellen eben noch ziemlich viel und legen sich auch gerne mal ein bisschen mit den anderen Hunden an“, erklärt Besitzerin Monique Kandler. Ihr Mann Marcel: „Sie trainieren halt ihre Stimme, wie ein guter Sänger.“ 

Das Gegenteil sind Betty und Nale. Die Border-Collie-Damen reden nur, wenn sie gefragt werden. Betty ist sieben und trainiert bereits seit sechs Jahren als Rettungshund. „Bevor wir zur Malteser-Gruppe gekommen sind, waren wir bei einer Staffel des DRK. Nach einem Probetraining war ich überzeugt, dass das genau das Richtige für Betty ist. Es macht ihr einfach riesig Spaß“, erzählt Madlen Spann. 

Zu den wichtigsten Trainingseinheiten gehört das „Anzeigen“. Dafür versteckt sich einer der Zweibeiner aus der Staffel und einer der Vierbeiner sucht ihn. Wenn der Hund den „Vermissten“ gefunden hat, muss er sich neben ihn legen und durch unablässiges Bellen „anzeigen“, dass die Suche erfolgreich war. „Wichtig ist, dass der Hund wirklich die ganze Zeit bellt und sich nicht vom Opfer entfernt – auch nicht, wenn sein Besitzer auf ihn zukommt“, erklärt Hagen Ulbrich. Verstößt der angehende Rettungshund in der Prüfung gegen ein Kriterium, ist er durchgefallen. 

Bei einer Such-Übung im Wald, die in einem drei Hektar großen Gebiet absolviert wird, sind die Bedingungen schwieriger. Im Wald kann der Hund durch andere Tiere abgelenkt werden, es gibt mehr fremde Gerüche. Hagen Ulbrich: „Wenn dann noch Windstille herrscht oder sich der Wind dauernd dreht, haben die Hunde Probleme, Witterung aufzunehmen.“ Nicht nur deshalb bleibt die Suche manchmal erfolglos. Doch die Gruppe lässt sich davon nicht entmutigen, sagt Cathleen Gründer. „Unsere Arbeit ist eine sinnvolle Sache, weil ohne uns die Chancen für die Vermissten, gefunden zu werden, noch viel geringer wären.“

Die Neustrelitzer Hunde sind nicht die Einzigen ihrer Art, die im Zeichen der Malteser in Mecklenburg Gutes tun. Auch in Schwerin und Rostock hat die katholische Hilfsorganisation Hunde im Einsatz. Dort besuchen sie alte und behinderte Menschen. 

Text u. Fotos: Sophie Ludewig