23.04.2018

Anfrage

Das Versprechen an Noah und heutige Fluten

Am Ende der Noah-Geschichte verspricht Gott: „Nie wieder soll eine Flut kommen und die Erde verderben“ (Gen 9,11). Wie passt das zu den heutigen Meldungen über Flutkatastrophen, wo Tausende Existenzen vernichtet werden?  G. W., 65597 Hünfelden

In der biblischen Urgeschichte, zu der die Schöpfung genauso gehört wie die Noah-Erzählung, geht es weniger um Naturphänomene als um die Beziehung zwischen Gott und Mensch. Gott ist von Anfang an dabei und hat ein Herz für seine Schöpfung, sagt das Buch Genesis. Und: Alles war sehr gut. Aber auch: Der Mensch missbraucht seine Freiheit und tut Böses.

Wie reagiert nun Gott auf die Untaten der Menschen? Im Anfang der Bibel ist das klar: Gott straft. Das ist bei Adam und Eva und der Schlange so, auch bei Kain, der den Abel erschlagen hat. Und irgendwann ist Gott so enttäuscht davon, dass „alles Sinnen und Trachten immer nur böse war“, dass es ihn reut, den Menschen geschaffen zu haben, und er beschließt, alles zu vernichten. Gott ist ein zorniger, ein strafender, ja, brutaler Gott.

Und dann kommt die Geschichte von der großen Flut. Der Kern dieser Geschichte ist nicht, dass der Mensch besonders viel daraus lernt. Es ist Gott, der lernt. Gott lernt, dass der Mensch nun mal böse ist (Gen 8,21); dass daran keiner etwas ändern kann, noch nicht einmal er selbst. Aber Gott ändert seine Einstellung dazu: Er liebt den Menschen trotzdem; er verabschiedet sich von der Idee, ihn und alles Lebendige zu vernichten, ihn durch Natur- oder andere Katastrophen zu bestrafen.

Und damit sind wir bei Ihrer Frage nach den heutigen Fluten. In der Bibel steht nicht, dass es keine Fluten oder Vulkanausbrüche mehr gibt; wir dürfen sie nur nicht mehr als Strafe Gottes verstehen. Er schickt sie nicht, sie geschehen. Sie geschahen in der gesamten Erdgeschichte – auf natürlichem Weg und heute wohl auch durch menschliches Verhalten. Aber nicht als Gottes Strafe für unsere Schlechtigkeit.

Die Sintflutgeschichte markiert eine große Veränderung im Denken des Menschen über Gott: Unglück und Katastrophen sind keine Strafe Gottes – lautet diese Veränderung. Bei manchen Menschen ist diese These allerdings bis heute nicht angekommen.

Von Susanne Haverkamp