04.01.2017

Erzbischof segnet ein Haus in Bergedorf für Flüchtlinge in besonderen Lebenssituationen

Wo Handlanger Gottes wirken

Ein Rückzugsort für Flüchtlinge soll es sein: Erzbischof Stefan Heße hat kurz vor dem Jahreswechsel die Räume eines Hauses in Hamburg-Bergedorf gesegnet, in dem bis zu acht Asylbewerber eine zeitlang zur Ruhe kommen können.

Erzbischof Heße (rechts) brachte ein Marienrelief für das Haus mit und übergab es an Peter Beckwermert
und Ekaterina Sorokina. Im Hintergrund steht Britta Gerlach-Bogumil.  Foto: Marco Heinen

Eigentlich sollte die Segnung schon vor Weihnachten stattfinden, doch der Erzbischof musste den Termin seinerzeit aus gesundheitlichen Gründen absagen. Nun wurde das Treffen nachgeholt und zwar am 30. Dezember, dem Tag, an dem diesmal das Fest der Heiligen Familie gefeiert wurde. Und dieser Termin passe ja eigentlich auch viel besser, sagte der Erzbischof. Schließlich sei auch die Heilige Familie eine Familie auf der Flucht gewesen, die in einem anderen Land Obdach gefunden habe. „Deswegen, finde ich, ist es eine sehr schöne Fügung, dass die Einweihung heute stattfindet“, sagte er auch an die Adresse der beiden ersten Bewohner, eines Eritreers und eines Ägypters.

Das Haus, dessen vier Zimmer jeweils doppelt belegt werden können, ist für Flüchtlinge gedacht, die dringend eine andere Unterkunft als die in einer Erstaufnahmeeinrichtung oder in einer Folgeunterkunft benötigen. Gründe dafür können gesundheitliche oder psychische Pro-bleme sein. Aber auch religiöse Einstellungen können Ursache scharfer Konflikte in regulären Einrichtungen sein, so dass es im Einzelfall sinnvoll ist, Betroffene vorübergehend in Bergedorf unterzubringen.

Flüchtlingspastor Norbert Bezikofer sagte, ein solcher Rückzugsort sei wichtig, um Menschen „eine Pause schenken zu können“, um Ruhe zu finden, Traumata zu verarbeiten oder rechtliche Dinge zu regeln. Wenn er damit in seiner Arbeit in dem einen oder anderen Fall helfen könne, sei das für ihn „eine große Erleichterung“, so Bezikofer.

Zur Einweihung gekommen waren Vertreter der Gemeinde St. Marien, die sich um den Betrieb des Hauses kümmert, sowie der Beirat, der die Belegung des Hauses organisiert. Wie Diakon Andreas Petrausch, einer der Ini-tiatoren des Projekts, erläutert, kommt dem Beirat eine große Bedeutung zu. Dem Gremium gehören die Pfarrgemeinderatsvorsitzende Britta Gerlach-Bogumil und Franziska Schoenfeld als Beauftragte des Kirchenvorstands sowie Flüchtlingspastor Bezikofer an. Das Erzbistum ist durch Dr. Thomas Willmann vertreten. Außerdem gehört Peter Beckwermert dazu, der im künftigen Pastoralen Raum Bille-Elbe-Sachsenwald für Flüchtlingsfragen zuständig ist. Und auch Ekaterina Sorokina, die mit halber Stelle in der Flüchtlingsarbeit tätig ist und deren Arbeit durch das Erzbistum finanziert wird, gehört dem Beirat an.

Erzbischof Heße sagte in seiner Ansprache, Gott handele stets durch den Menschen. Wenn diese sich für die Flüchtlinge engagierten, seien sie gewissermaßen als verlängerter Arm Gottes tätig. „Wir mit unseren Händen langen Gott in die Hände“, so
Heße. Der negativ besetzte Begriff des Handlangers bekomme so einen ganz anderen Zungenschlag und es lohne sich darüber nachzudenken, „ob wir nicht so etwas wie die Handlanger Gottes sein können“.

Text u. Foto: Marco Heinen