20.09.2017

Neues Buch zum Gottesbezug in der Schleswig-Holsteinischen Landesverfassung

Wie viel Glauben braucht der Staat?

Zwei Jahre lang hatte Schleswig-Holstein über die Aufnahme des Gottesbezugs in die Landesverfassung gestritten. Im Juli 2016 wurde das Vorhaben abgelehnt. Ein Buch will zeigen, was von der Diskussion geblieben ist.

Beate Bäumer, Landtagsdirektor Uta Schlicks, Ministerpräsident a.D. Peter Harry Carstensen und Frank Zabel mit dem Buch: Wie viel Glaube braucht das Land?

(v. li.) Beate Bäumer, Landtagsdirektor Utz Schliesky, Ministerpräsident a.D. Peter Harry Carstensen und Frank Zabel.  Foto: Marco Chwalek

Es war eine der knappsten Abstimmungen im Kieler Landeshaus. Als die Abgeordneten im Juli 2016 über den Gottesbezug in die Landesverfassung von Schleswig-Holstein abstimmten, fehlte eine Stimme. Damit war klar: Gott bleibt in der Verfassung außen vor.

Dass die Debatten dennoch eine Wirkung erzielt haben, zeigt jetzt ein neuer Sammelband unter dem Titel „Wie viel Glaube braucht das Land?“, herausgegeben von Beate Bäumer und Frank Zabel. Die Leiterin des katholischen Büros in Kiel und der Sprecher der evangelischen Nordkirche waren seinerzeit Mitarbeiter der kirchlichen Aktionsgruppe für den Gottesbezug. Sie geben zum einen einen Überblick über den Verlauf der Diskussion. Zum anderen kommen Politiker, Verfassungsrichter, Kirchenführer und Journalisten zu Wort. Tenor: Die Auseinandersetzung hat Schleswig-Holstein „wertvolle Impulse“ gebracht, indem sie das Bewusstsein für die Bedeutung von Religion und Glaube geschärft und die interreligiösen Beziehungen gestärkt hat.

Zwei Landtagsabgeordnete begründen in ihren Beiträgen erneut ihren Einsatz für einen Gottesbezug. „Die Werte des christlichen Glaubens dienen mir in meiner politischen Arbeit als Richtschnur“, schreibt etwa SPD-Fraktionschef Ralf Stegner. Und weiter: „Der Gottesbezug zeigt uns aber auch Grenzen des menschlich Machbaren auf.“ Ein ehemaliger und ein aktiver Bundestagsabgeordneter legen dar, warum Religion „Kitt für unsere Gesellschaft“ (Ruprecht Polenz, CDU) ist und zum „Zusammenhalt“ (Jens Spahn, CDU) beiträgt. Die beiden ehemaligen Verfassungsrichter Udo di Fabio und Hans-Jürgen Papier reflektieren das Verhältnis von Staat und Kirche. Schließlich erklärt Khola Maryam Hübsch, warum auch Muslimen ein Gottesbezug in einer deutschen Landesverfassung wichtig ist.

Kritiker eines Gottesbezugs kommen nicht mit eigenen Beiträgen zu Wort. So ist die Antwort auf die Frage „Wie viel Glaube braucht das Land?“ am Ende eindeutig: Eine ganze Menge! Oder, um es mit den Worten von Jens Spahn zu sagen: „Der Glaube gibt vielen Menschen Gelassenheit, Ruhe, Perspektive und Optimismus. Es ist wichtig zu wissen, dass es da noch etwas jenseits unserer Welt und unseres Alltags gibt.“

Beate Bäumer, Frank Zabel (Hg.): Wie viel Glaube braucht das Land? Antworten aus Politik, Kirche und Gesellschaft, Verlag Herder. Freiburg 2017, 20 Euro.

Text: Michael Althaus/kna