25.05.2016

Wie Kirchenzeitungsleser die Zukunft der Kirche sehen

Wie früher - nur freier

In der Pfingstausgabe hat die Kirchenzeitung Überlegungen zur Zukunft unserer Kirche angestellt. Und die Leser dazu aufgerufen, uns ihre Vorstellungen zu schicken. Offenbar bewegt das Thema, denn viele haben sich beteiligt.

 

Nur schemenhaft erkennbar, eine Kirche im Gegenlicht.
Wie aber bringt sie ihre Botschaft wieder zum Strahlen?
Foto: imago

Die Hoffnung stirbt zuletzt. So könnte man das Anliegen der meisten Briefe zusammenfassen. Unsere Kirche, der Glaube an Gott, das christliche Leben – das alles ist so wichtig, dass es einfach nicht untergehen darf. Oder noch richtiger: dass es wieder wachsen muss.

Nur wenige Leser sehen die Kirche der Zukunft als „kleinen Club“. Sie suchen eher nach Wegen, ihn wieder groß zu machen. Menschenfreundlicher müsse sie sein, die Sprache von heute sprechen, schön gestaltete Gottesdienste feiern, weniger hierarchisch denken, verheiratete Priester zulassen, viel mehr Ökumene wagen, für Arme und Schwache da sein, Frauen mehr Verantwortung geben.

Bei Jesus und den Aposteln habe das doch auch funktioniert, sie konnten das Evangelium so begeisternd verkünden, dass die Menschen es angenommen haben. Wenn die Kirche also eine bessere, glaubwürdigere, jesusähnlichere, Glaubensfreude ausstrahlende Kirche wird, so die Hoffnung, dann werden wieder mehr Menschen überzeugt, dann werden die Kirchen wieder voller.

Diese  Idee macht  Hoffnung, weil „wir“ es scheinbar in der Hand haben – mit Gottes Hilfe, versteht sich. Allerdings verschweigt diese Idee, dass sich die Bedingungen für die Verkündigung in den letzten Jahrzehnten grundlegend verändert haben.

Zum einen ist die Kirche keine Institution mehr, die man einfach „braucht“, so wie sie es jahrhundertelang war, als Orden, Pfarreien und andere kirchliche Einrichtungen als Standesämter, Schulen, Krankenhäuser, Hospize und Gerichte fungierten und viele staatliche Aufgaben übernahmen.

 

Viele brauchen Gott nicht für ihr Leben

Zum anderen – und das ist noch entscheidender: jahrhundertelang lebten die Menschen in einer „religiösen Grundstimmung“, den Naturgewalten, Krankheiten, Hunger, Krieg hilflos ausgeliefert. Der Glaube an (einen) Gott war schlicht selbstverständlich; unterschiedlich war nur die Form, den Glauben, die Religion zu leben. 

Heute kommen viele Menschen gut ohne Gott aus. Noch nie war der Satz „Ich glaub nix, mir fehlt nix“ so mehrheitsfähig wie heute. Rund 80 Prozent der jungen Leute brauchen keinen Gott für ihr Leben, hat gerade eine Studie ergeben. Die „Grundstimmung“ ist technisch-naturwissenschaftlich – nicht religiös. Daran ändert auch die perfekte Verkündigung wenig.

Ist das nun frustrierend, hoffnungslos? Nein, denn es nimmt die Botschaft Jesu ernst: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind ...“. Und es entspricht dem Auftrag Jesu, „Sauerteig“ und „Salz der Erde“ zu sein – was nichts anderes heißt, als mit einer kleinen Menge das große Ganze genießbar zu machen.

Teil dieser „kleinen Menge“ zu sein, hat Sinn und macht Freude – und wenn es nur auf einen oder zwei andere ausstrahlt, dann mag es genug sein.

Von Susanne Haverkamp