29.11.2017

Der syrisch-katholische Erzbischof von Mossul, Boutros Moshe, ist zu Gast im Erzbistum

Wenig Hoffnung für Christen

Die nordirakische Millionenstadt Mossul liegt in Trümmern, die Christen wurden vertrieben. Der syrisch-katholische Erzbischof von Mossul, Boutros Moshe, übt bei einem Besuch in Hamburg Kritik an der Weltgemeinschaft. 

Der syrisch-katholische Erzbischof von Mossul, Boutros Moshe, in Hamburg
Erzbischof Boutros Moshe in Hamburg  Foto: Althaus / kna

Drei Jahre lang war Mossul das Zentrum der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS), die Angehörige religiöser Minderheiten vertrieb und ermordete. Nach der Befreiung der Stadt im Juli liegt auch das christliche Erbe, das die Region rund 2 000 Jahre lang geprägt hat, in Trümmern. Zu Saddam Husseins Zeiten lebten etwa 10 000 Christen in Mossul, beim Einmarsch des IS 2014 waren es noch um die 2 000, heute gibt es so gut wie keine Christen mehr in der Stadt.

Von der Weltgemeinschaft fühlten sich die Christen im Nordirak im Stich gelassen, so der Erzbischof im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur: „Wir erwarten, dass die Weltgemeinschaft politischen Druck auf unsere Regierung ausübt.“ Er wolle nicht länger schöne Worte hören, sondern Taten sehen.

In einem Gespräch mit dem Journalisten Jan Jessen hatte Boutros Moshe (74) sich zuvor in der Katholischen Akademie besorgt geäußert angesichts der Lage der Christen im Irak. Er habe kein Hoffnung, dass christliches Leben zurückkehren könnte, sagte er. Mossul sei einst eine multiethnische und multireligiöse Stadt gewesen, in der die Christen zwar als Minderheit, aber in Einklang mit anderen Religionen zusammengelebt hätten, sagte Moshe. Die Geschichte der Christen in der Stadt und der sie umgebenden Ninive-Ebene reiche bis ins erste Jahrhundert zurück. „Wir sind stolz auf unsere Kultur und Geschichte und wollen, dass sie weiterhin im Irak existiert“, so der Geistliche.
Moshe ist seit 2011 Erzbischof von Mossul; die syrisch-katholische Kirche ist eine mit Rom unierte Glaubensgemeinschaft.

Zunächst brauche es nun Frieden und Sicherheit und dann neue Wohnhäuser und Infrastruktur wie Krankenhäuser, Schulen und Arbeitsplätze, um die Region wieder lebensfähig zu machen, so der Iraker. 

Im Anschluss an das Gespräch wurde im Foyer der Katholischen Akademie eine Foto-Ausstellung mit dem Titel „Mossul – Christliches Erbe“ eröffnet. Sie ist bis zum 13. Dezember zu sehen und zeigt Bilder aus den Archiven der Dominikaner in Mossul, die sowohl Alltagsszenen aus dem christlichen Leben im Nordirak wie auch Eindrücke aus dem Predigerseminar des Ordens in Mossul zeigen. Die ältesten Aufnahmen datieren aus dem Jahr 1880.

Text und Foto: Michael Althaus/kna