15.05.2017

Anfrage

In welcher Sprache fielen die letzten Worte Jesu?

In welcher Sprache hat Jesus die letzten Worte am Kreuz „Eli, eli, lema sabachtani“ gesprochen? B. P., 24211 Preetz


Diese letzten Worte Jesu sind sowohl im Markus- als auch im Matthäusevangelium überliefert. Beide Evangelisten bringen sie einmal auf Aramäisch, einmal auf Griechisch, was dann in der deutschen Übersetzung auch in deutscher Sprache dargestellt wird. 

Die erste, aramäische Form, die mit dem eher sogar aus dem Hebräischen  stammenden Ruf „Eli, eli“ („mein Gott, mein Gott“) beginnt, soll die Reaktion der Leute erklären, die am Kreuz vorbeigehen und glauben, dass Jesus nach Elija rufe. Offensichtlich missverstehen sie ihn oder aber sie verstehen kein oder wenig Aramäisch/Hebräisch.

Eine heute übliche Deutung ist es, dass Jesus am Kreuz doch noch verzweifelt, dass er Gottes Nähe und Zuneigung infrage stellt. Dabei ist jedoch wichtig zu bemerken, dass es sich bei „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ um ein Zitat handelt, genauer: um den Beginn von Psalm 22. 

Und das kann die Deutung der Worte Jesu erheblich verändern. Denn Psalm 22 ist ein Ringen mit Gott, dem der Beter eigentlich vertraut, was ihm aber wegen seines Leidens mittlerweile schwerfällt. Dabei fällt auf, dass der Psalm 22 so etwas wie die innere Dimension der Passionsgeschichte ist, das innere Leiden Jesu. Doch in der Mitte des Psalms folgt plötzlich eine Wendung. Dort heißt es in Vers 22 nämlich an Gott gerichtet: „Du hast geantwortet!“ 

An diesem Punkt des Psalms hat der Beter erneut die Gewissheit erlangt, dass Gott ihm weiterhin nahe ist. Was nun im Psalm folgt, ist somit Lobpreis Gottes und Dank für die erwiesene Nähe, wie in Psalm 22,25: „Denn er hat die Nöte des Armen nicht verschmäht oder verachtet. Er hat sein Antlitz nicht verborgen. Als er schrie, hörte er auf ihn.“

Der Ruf Jesu am Kreuz ist auf diesem Hintergrund wohl kein Ruf der Gottverlassenheit, sondern Ausdruck des inneren Kampfes Jesu am Kreuz, der letztendlich in der Gewissheit endet, dass ihm Gott auch im tiefsten Leiden und selbst im Tod nahe ist.

Von Christoph Buysch