06.12.2017

Künftig jedes Jahr arbeitsfrei am Reformationstag?

Welcher Feiertag soll es sein?

Künftig jedes Jahr arbeitsfrei am Reformationstag? Nach dem einmaligen Feiertag zur 500-Jahrfeier der Reformation waren viele dafür. Aber jetzt mehren sich kritische Stimmen, bei den Katholiken und auch den Juden. 

Reformator Martin Luther
Verbindet Luther die Menschen im Norden oder trennt er sie?  
Foto: Gabi Schoenemann/pixelio

In Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Bremen wird derzeit über einen neuen Feiertag diskutiert. Die Chancen stehen nicht schlecht. Umstritten ist nur, welcher Feiertag es sein soll. Naturgemäß plädierte die evangelische Kirche für den 31. Oktober. So der Hannoveraner Landesbischof Ralf Meister. Die übervollen Gottesdienste zum Reformationsjubiläum hätten gezeigt, dass der Tag als Feiertag breit in der Gesellschaft verankert sein könne, sagte er. 

Im niedersächsischen Wahlkampf hatte sich Ministerpräsident Weil (SPD) für den Reformationstag stark gemacht. Im Koalitionsvertrag ist nur noch von „einem Feiertag“ die Rede. Man will mit den Kirchen sprechen. Aber es ist schon klar: Für die katholische Kirche sprechen gewichtige Gründe gegen den Reformationstag – vor allem, ob dieser Tag wirklich geeignet sei, Gesellschaft und Religionen zusammenzuführen.

Erzbischof Heße: „Dieses Datum schmerzt“

Diesen Eindruck hat auch Erzbischof Stefan Heße. „Ich tue mich mit dem Reformationstag als dauerhaft gesetzlichem Feiertag sehr schwer“, sagte er den „Kieler Nachrichten“. „Dieses Datum schmerzt, weil es eben auch die Spaltung der Christen markiert.“

Noch deutlicher haben sich die  Juden gegen den Reformationstag positioniert. Walter Blender,  Vorsitzender des Verbands der Jüdischen Gemeinden Schleswig-Holsteins, sagte, ihm sei zum 500. Jahrestag der Reformation sauer aufgestoßen, dass Martin Luther an manchem Ort „wie ein Messias“ auf ein Podest gehoben worden sei. 

„Interreligiöse Zusammenarbeit ist an dem Tag für uns nicht vorstellbar“, sagte Michael Fürst (Landesverband der Jüdischen Gemeinden Niedersachsen.) Luthers Antisemitismus habe dazu beigetragen, für Jahrhunderte das Verhältnis der Christen zu den Juden zu belasten. 

Der evangelische Bischof Got-hart Magaard (Schleswig) hält  dagegen, die Reformation habe „nicht nur die Kirche, sondern unsere ganze Gesellschaft erneuert“. Insofern böte der Feiertag Gelegenheit, gemeinsam über Werte und Überzeugungen nachzudenken, die unsere Gesellschaft prägen, darüber, wo heute bei uns Erneuerung notwendig ist. Fatih Mutlu von der Islamischen Schura wünscht sich  „einen interkulturellen oder interreligiösen Tag, von dem sich alle Religionsgemeinschaften angesprochen fühlen“.

Alle vier Nordländer streben eine gemeinsame Lösung an. Außer Mecklenburg-Vorpommern. Dort ist der Reformationstag ohnehin schon Feiertag. (wal/ahü) 

Text: Rüdiger Wala und Andreas Hüser