30.05.2016

„Wegweiser“: Eine Feier zum Eintritt in das Erwachsenenalter für konfessionslose Schüler

Was im Leben wichtig ist

Sie feiern keine Firmung und keine Konfirmation. Jugendliche, die keiner christlichen Kirche angehören, könnten zur Jugendweihe gehen. Aber es gibt noch eine andere Möglichkeit, das Erwachsenwerden in einer Feier zu erleben: Das „Wegweiser-Projekt“. 

Rosen gibt es auch bei der Jugendweihe. Hier in der St. Josef-Kirche hat die Feier einen „christlichen Touch“.
Foto: Cornelius Albrecht

Die Jungen tragen dunkle Anzüge, die Mädchen festliche Kleider und Kostüme. Schließlich sind sie keine Kinder mehr, und das soll gefeiert werden. 15 Jugendliche ziehen in die Rostocker St. Josef-Kirche ein. Aber zwei der Lieder, die sie singen werden, kennt man auch aus Jugendgottesdiensten. „Da berühren sich Himmel und Erde, dass Friede werde unter uns“, oder das irische Segenslied „Möge die Straße uns zusammenführen“. Dazu spielt die Ministranten-Band der Christusgemeinde. Aber die Feier ist auf nichtchristliche Jugendliche zugeschnitten. Die Schüler gehen in die achte Klasse der katholischen Don-Bosco-Schule. Sie gehören aber zu den 21 Schülern des Jahrgangs, die nicht getauft sind. 

„Meine beste Freundin ist zur Jugendweihe gegangen“, sagt Levke Möller, eine der Teilnehmerinnen. „Aber ich mag die Jugendweihe nicht so, Wegweiser finde ich schöner.“ Warum? „Weil wir uns in der Gruppe vorher oft getroffen haben und auch viel selbst bestimmen konnten – Texte aussuchen und unsere eigenen Wünsche sagen.“ Ein weiterer Pluspunkt: „Wir kannten uns alle, das Gruppenklima war gut. Es hat einfach viel Spaß gemacht.“

Wer oder was gibt mir Orientierung? 

Seit den Winterferien hat sich die Gruppe auf diesen Tag vorbereitet. „Im Unterschied zu vielen Jugendweihen legen wir Wert auf ein Rahmenprogramm, in dem die Jugendlichen Sinnfragen stellen können“, sagt Schulseelsorger Marius Dolgner. Zusammen mit Pastoralreferentin Christina Innemann hat er die Vorbereitung geleitet. 

Wer oder was gibt mir Orientierung. Was sind meine Zukunftsaussichten. Was ist mir wichtig? Welche Werte geben mir Halt? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt. Freundschaft, Liebe, Verlässlichkeit, das waren solche Werte, die für die Schüler wichtig sind. Dabei ging es in dem Wegweiser-Kurs nicht nur ernst zu. Ein lockerer Tag im Teterower Jugendhaus gehörte dazu, ein Geo-Coaching (Geländespiel mit GPS-Navi) in Warnemünde. Die Gruppe sprach mit zwei Mitarbeiterinnen des Kinderhospizdienstes. Thema: Wie sieht es aus, wenn es im Leben nicht rund läuft. „Die Fragen bestimmen die Jugendlichen selbst. Sie sollen herausfinden, was ihnen im Leben wichtig ist“, sagt Marius Dolgner. Und wenn doch die Sprache auf Gott kommt? 

Auch die Frage nach Gott kommt vor

„Die Frage nach Gott lässt sich nicht vermeiden, aber wir selbst stellen sie nicht. Wegweiser ist kein Glaubenskurs.“ Im übrigen seien die Schüler – die alle den evangelischen oder katholischen Religionsunterricht an der Don-Bosco-Schule besuchen – mit dem Thema vertraut. „Dadurch sind sie im Wissen um den christlichen Glauben schon ziemlich fit, sie wissen davon mehr als die meisten Gleichaltrigen.“ 

Während der Feier tragen die Wegweiser-Teilnehmer Texte vor, sie formulieren Wünsche an die eigene Zukunft, einige haben Dinge mitgebracht, die ihnen wichtig sind: vom Tischtennisschläger bis zur Zimmerpflanze. Am Ende bekommt jeder eine Urkunde. Und danach wird Sekt getrunken. Das Wegweiserprojekt gibt es nicht nur in Rostock, sondern auch an der Niels-Stensen-Schule in Schwerin. Und es ist offen für Schüler anderer Schulen.

Levke Möller hat als Wunsch für die Zukunft „Sicherheit und Geborgenheit in der Familie“ genannt. Würde sie das Wegweiser-Fest auch anderen empfehlen? „Auf jeden Fall. Es hat richtig Spaß gemacht. Es war so ein bisschen wie Jugendweihe, und ein bisschen wie Konfirmation. Aber mehr wie Konfirmation.“ 

Text: Andreas Hüser