31.08.2016

Zur „Nacht der Kirchen“ in Hamburg und Kiel zeigen sich Gemeinden mal von einer anderen Seite

Warum nicht singen und tanzen?

Gospelchöre, Trommelworkshops, spirituelle Gesänge: Wenn im Norden zur „Nacht der Kirchen“ geladen wird, fällt die Programmauswahl nicht leicht. An die 80 000 Besucher kamen im vergangenen Jahr in Hamburg. Ist das ein Erfolg – oder mehr Schein als Sein?

Band auf der NDR-Bühne am Mönckeberg-Brunnen in Hamburg.  Archivfoto: Ralf Adloff

Ein Erfolg, sagt Claus Everdiking (56), stellvertretender Leiter der Stabsstelle Medien im Erzbistum Hamburg. Beim größten ökumenischen Fest des Nordens ist er als katholischer Vertreter von Anfang an dabei. „Die Nacht der Kirchen ist eine großartige ökumenische Chance, in einer weitgehend sekularisierten Stadt das Gottesgedächtnis wach zu halten“, sagt er.

In Hamburg steht am 17. September bereits die 13. Nacht der Kirchen an. Die erste, 2004, wurde als Teil einer Festwoche zum Jubiläum „475 Jahre Reformation in Hamburg“ rein evangelisch organisisert. Seit 2005 ist die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Hamburg Veranstalter. „Man kann diese Nacht nur in Gemeinschaft glaubwürdig gestalten“, findet Claus Everdiking. 

Regelmäßig beteiligen sich seither in der Hansestadt bis zu 120 Kirchen. Die bunte Vielfalt ist für Claus Everdiking Motivation: „Aber im Programm einer jeden beteiligten Kirche muss ein klares christliches Profil erkennbar sein. Es ist nicht irgendein Event, es ist ein christliches Event. Ohne ein Gebet sind wir nicht glaubwüdig.“ Für viele Gemeinden ist die Vor-abendmesse deshalb der Auftakt für die bunte Nacht, das Nachtgebet der Ausklang. Dazwischen passt viel Programm: Kirche mal anders zeigen, offen, gastfreundlich, das ist dabei das Anliegen. Dass diese Angebote ankommen, erfährt Claus Everdiking zum Beispiel in seinem Sportclub. Die wenigsten dort seien aktive Christen, erzählt er. „Aber in der Nacht der Kirchen sind die meisten unterwegs, weil sie das Programm anregend finden. Da bekomme ich immer viele positive Rückmeldungen.“

Dafür ist der Aufwand nicht gering. Ein eigenes Projektbüro mit einem Pastor bereitet das Großereignis mit vor. Claus Everdiking ist Mitglied in der sechsköpfigen Steuergruppe, die sich regelmäßig trifft, das Motto entwickelt, die Nacht plant, durchführt und auswertet. 110 000 Programmhefte werden ausgelegt, an Gemeinden und Bildungseinrichtungen verteilt, und über Newsletter gibt es stets aktuelle Informationen. Das NDR Landesfunkhaus Hamburg ist fester Medienpartner, so dass auch in den Medien das Ereignis gefeiert wird. „Die Nacht der Kirchen ist in Hamburg eine Erfolgsgeschichte“, bilanziert Claus Everdiking. 

Auch Bernd Gaertner kann als  Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Kiel nur positiv über das kirchliche Großereignis berichten, das dort vor sechs Jahren auf Initiative verschiedener Pastoren entstand. Der Zulauf ist gut, im vergangenen Jahr kamen rund 5000 Besucher. „Ein Konzert lockt natürlich mehr Zuhörer als eine Lesung“, so Gaertner. 26 Gotteshäuser laden in diesem Jahr in der 6. „Kieler Nacht der Kirchen“ mit Musik, kreativen Darbietungen und kulinarischen Köstlichkeiten. „Kirche ist sehr unterschiedlich und kann ganz anders sein“, das möchte Bernd Gaertner vermitteln. 

Aber nicht nur Show und laute Töne locken. Auf die leisen Töne setzen schon traditionell die Dominikaner in der St. Sophien-Gemeinde Barmbek zur Nacht der Kirchen. Dort bereitet die „Mystik-Spirit-Gruppe“, in der sonst Texte dominikanischer Mystiker gelesen werden, die jährliche „Mystische Nacht mit Meister Eckhart“ vor. „Das ist auch für uns ein Highlight“, sagt Dr. Martina Skatulla (50). Die Lehrerin an einer katholischen Schule und Umweltbeauftragte des Erzbistums ist fast seit Anfang an dabei: Mal wurde die Kirche mit Spiegelfliesen ausgelegt, mal sahen die Besucher bei einem Blick ins Taufbecken ihr eigenes Gesicht. „Es geht um neue Perspektiven, es geht viel um Selbstreflexion und darum, das Göttliche im Menschen zu entdecken“, so Skatulla. „Und wir bieten einen Ruhepool, das ist für viele attraktiv.“ – „Es gibt ein tiefes Bedürfnis der Menschen, auf existenzielle Fragen des Lebens eine Antwort zu finden“, sagt Christa Terheiden (72), die seit eineinhalb Jahren in der Gruppe mitarbeitet. „Viele Besucher kommen zu uns mit der Hoffnung, Impulse und Inspirationen zu finden für einen Wegeplan nach innen.“

In St. Maria Harburg bereitet Diakon Peter Meinke die Nacht mit vor. Blasmusik wechselt sich in diesem Jahr mit Harfenmusik ab, eine Märchenerzählerin und meditativer Tanz stehen auf dem Programm. „Katholische Kirche heißt nicht nur Händefalten, Kopf runter und im Staub liegen. Ich möchte zeigen, dass wir uns des Lebens freuen können. Genießen, Musizieren, Tanzen, das sind von Gott geschenkte Gaben, warum sollten wir die nicht einsetzen?“, sagt Diakon Meinke. Und erzählt begeistert von den beiden älteren Damen, die im vergangenen Jahr zu ihm kamen „Das war mal Kirche, die uns auch Spaß macht“, lautete ihr Urteil.

Die nächste Nacht der Kirchen findet in Kiel am 16. September (www.nachtderkirchen-kiel.de), in Hamburg am 17. September (www.ndkh.eu) statt.

Text: Monika Sendker