31.05.2017

50 Jahre St. Martin in Rendsburg

Vorstoß in den Himmel

Wie eine riesige Pfeilspitze ragt der Turm der St. Martin-Kirche in den Himmel über Rendsburg. Seit 50 Jahren gehört der Kirchturm fast zu den Wahrzeichen der Stadt. Das Kirchweihfest wird am Pfingstsonntag gefeiert. 

Spitzer Kirchturm von St. Martin Rendsburg
 Der kühne Wurf des Architekten Karl-Heinz Bargholz.  
Foto: Ulrike Imbusch

 

Wie eine riesige Pfeilspitze ragt der Turm der St. Martin-Kirche in den Himmel über Rendsburg. Seit 50 Jahren gehört der Kirchturm fast zu den Wahrzeichen der Stadt – wenn auch im Schatten der gigantischen Hochbrücke. Der spitze Turm als vertikales Zeichen steht im Kontrast zum weit geschwungenen Kirchenraum. Aber auch die Kirche hat eine Spitze, einem Schiffsbug ähnlich, und auch nicht gerade flach: An seiner Spitze hinter dem Altar misst der Altarraum nicht weniger als 18 Meter Höhe. St. Martin ist ein Musterbeispiel für modernen Kirchbau in den 1960er Jahren. Der Architekt Karl-Heinz Bargholz (1920–2015) hat mehrere solcher Kirchen im Norden entworfen, unter anderem in Ratzeburg, Glückstadt, Hamburg-Farmsen, -Niendorf und -Eidelstedt. Aber nie setzte er sein Konzept so kompromisslos um wie in Rendsburg. 

Lastkraftverkehr erschütterte alte Kirche

Die dänische Garnisonsstadt Rendsburg hat eine lange katholische Tradition. 1658 feierte ein Jesuiten-Missionar die ersten Messen nach der Reformation. Die spätere neuromanische Kirche in der Eisenbahnstraße war nicht nur klein; sie war auch den Erschütterungen des Lastkraftverkehrs nicht gewachsen und drohte zusammenzubrechen. Die Kirche kaufte ein neues Grundstück an anderer Stelle und startete einen Architektenwettbewerb. Bargholz gewann ihn mit einem Raumkonzept, das die Richtungsänderung des Zweiten Vatikanischen Konzils berücksichtigte: Der Altar steht frei in einem weiten, sehr schlichten Altarraum. Für farbiges Licht sorgt das gläserne „Lichtband“ unter der Decke, das der Künstler Eduard Bargheer gestaltetete. Am 4. Juni 1967 wurde die Kirche konsekriert. 

Eine neue Gestaltung des Raumes war 2004 im Gespräch. Im Zuge einer Sanierung war geplant, das Kirchenschiff als „Communio-Raum“ umzuordnen. Altar und Ambo sollten als Tisch des Brotes und Tisch des Wortes auseinander gezogen und die Bänke in elliptischer Form seitlich darum gestellt werden. Drei Monate hatte die Gemeinde Zeit, mit dem neuen Konzept provisorisch zu leben. Danach gab es eine Abstimmung. Mit knapper Mehrheit entschieden sich die Rendsburger Kirchgänger dafür, bei der alten Anordnung zu bleiben. 

230 Gläubige besuchen jede Woche die St. Martin-Kirche, dazu kommen die polnischen und kroatischen Katholiken, die dort ihre Gottesdienste feiern. Spezialität der Gemeinde ist eine aktive Pfadfinderschaft, die seit zwei Jahren auch den Kern einer vielfältigen Flüchtlingsarbeit bildet, mit eigenem Café, Sprachkursen, Beratungen und anderen Angeboten. 

Erzbischof wird zum Kirchweihfest erwartet

„Beim Kirchweihfest werden alle zusammenkommen, das kann richtig groß werden“, sagt Ulrike Imbusch. Sie ist mittlerweile seit 13 Jahren Gemeindereferentin in Rendsburg. Für Pfarrer Bernd Wojzischke ist das Fest fast schon ein Abschied: Er wird Rendsburg im August verlassen und Pfarrer in Flensburg werden. 

Das Festhochamt mit Erzbischof Stefan Heße beginnt am Pfingstsonntag, 4. Juni um 11 Uhr. Anschließend gibt es Mittagessen und die polnische Gemeinde deckt die Kaffeetafel. Es gibt Spiele, eine Kreativwerkstatt und ein Lagerfeuer der Pfadfinder. In der Kirche singt um 14 Uhr der Gospelchor „FoGoMo“, um 14.45 Uhr gibt es ein Orgel- und Violinkonzert und ab 15.30 Uhr erzählt Architekt Ludger Hüttenmüller von der Umgestaltung der Kirche. Zum Abschluss des Festes gibt es um 16.15 Uhr eine Andacht. 

 

Text: Andreas Hüser