18.01.2017

Die 44. Hamburger St. Ansgar-Woche will den Reformator aus katholischer Sicht beleuchten

Von Martin Luther lernen

500 Jahre nachdem Martin Luther seine 95 Thesen veröffentlichte, erinnert die evangelische und die katholische Kirche in diesem Jahr gemeinsam an den Reformator. „Luther entdecken“ lautet auch das Motto der 44. St. Ansgar-Woche.

Eine ökumenische Tradition ist das Abendgebet in der Kirche St. Sixtus und St. Sinnitius in Ramelsloh.   
Archiv-Foto: Matthias Greve

Was können Menschen heute noch von Martin Luther (1483-1546) lernen, was mit ihm entdecken für das Christsein heute? Ökumenische Veranstaltungen, Gottesdienste, Vorträge, Konzerte und Begegnungen stehen in der Festwoche rund um den Namenstag des heiligen Ansgar am 3. Februar auf dem Programm. „Das Anliegen Martin Luthers würdigen und ernst nehmen, bedeutet weiterzugehen. Es bedeutet, sich selbst wieder einzulassen auf die Frage nach der eigenen Beziehung zu Jesus Christus“, schreibt Erzbischof Stefan Heße in seiner Einladung zur St. Ansgar-Woche, die vom 28. Januar bis zum 5. Februar stattfindet. 

„Die Woche lädt uns Katholiken dazu ein, mal über den eigenen Tellerrand zu schauen. Wir können Luther neu entdecken und seine Kernfrage, das Verhältnis zwischen Gott und dem Menschen, neu in den Blick nehmen“, sagt Hermann Huck (72). Seit 18 Jahren bereitet er als Vorsitzender des Ansgar-Ausschusses die Woche mit vor. Nun zum letzten Mal: Mit der diesjährigen Woche scheidet er aus diesem Amt aus. „Es hat sich manches verändert“, sagt er im Rückblick. Früher hätten vor allem die katholischen Verbände, die Kolpingsfamilie, die Katholische Frauengemeinschaft oder die Jugendverbände, das Format der St. Ansgar-Woche geprägt. Die Anforderungen seien heute andere. Doch immer noch greife die Festwoche aktuelle geistliche Themen auf. „Der finanzielle Rahmen wird immer enger, ich hoffe, wir können uns das Konzept auch künftig noch leisten.“ Hucks Nachfolge übernimmt Prof. Dr. Winfried Adelmann. 

Für Dr. Thomas Kroll, der die St. Ansgar-Woche als Regional-beauftragter der Pastoralen Dienststelle mit organisiert, ist das Thema hochaktuell: „Vieles, was gerade bei uns ansteht, war schon das Anliegen Luthers.“ Hierarchien abbauen, Ehrenamtliche stärken, die richtige Sprache finden und dabei „dem Volk aufs Maul schauen“, dafür habe Luther gestanden. Der Reformator wollte die Kirche erneuern: „Da auch das Erzbistum gerade einen Erneuerungsprozess begonnen hat, ist das für uns noch einmal eine interessante Parallele“, so Kroll. „Es wird spannend, als Katholik Luther zu entdecken und zu sehen, was er uns ins Stammbuch schreibt.“ 

Gelegenheit ist dazu beispielsweise gleich zum Auftakt der Woche beim traditionellen Tag für Mitglieder der Pastoralräte, Pfarrgemeinderäte, Missionen und Verbände: Dr. Burkhard Neumann vom Johann-Adam-Möhler-Institut in Paderborn spricht über „Martin Luther aus katholischer Sicht“. 

Luther als Dichter und Musikant steht im Mittelpunkt einer Liederrevue am 31. Januar um 19 Uhr im Ökumenischen Forum HafenCity. 

 Ein weiterer musikalischer Höhepunkt ist die Uraufführung eines Luther-Melodrams am 31. Januar um 

Als Gast bei der Pontifikal-
vesper im Michel wird
Bischof Gerhard Feige (r.)
aus Magdeburg erwartet.
Foto: kna

 

 

19 Uhr in St. Joseph Wandsbek: Zwölf Begebenheiten aus dem Leben des Reformators aus der Feder von Klaus Lutterbüse begleitet der Komponist Andreas Willscher auf der Orgel. Den Auftrag hat er dafür von Kantor Helmut Siebmans aus der evangelischen Gemeinde im thüringischen Pößneck erhalten, wo ebenfalls eine Aufführung geplant ist. 

Zum Abschluss der Woche ist in diesem Jahr Bischof Dr. Gerhard Feige aus Magdeburg zu Gast: Er steigt bei der Pontifikalvesper als Prediger auf die altehrwürdige Kanzel im Großen Michel.

Text: Monika Sendker