10.01.2018

Eine Kinderphysiotherapeutin und eine Ergotherapeutin vom SkF-Kiel gaben Hilfe zur Selbsthilfe in der Haupstadt der Mongolei.

Von Kiel nach Ulaanbaatar

Es ist die Lust auf Wissensvermittlung, gepaart mit dem Interesse an fernen Ländern, die Karin Kruska (66) und Petra Hohenhaus-Thier (61) vor einigen Monaten in die Mongolei führte.

Mitarbeiterinnen der Schule für Kinder mit Behinderung präsentieren ihre Urkunden
Voller Stolz präsentieren die Mitarbeiterinnen der Schule für Kinder mit Behinderung die Urkunden. Hinten rechts Petra Hohenhaus-Thier, links daneben Karin Kruska.  Foto: privat

Zwei Wochen lang haben die Kronshagener Kinderphysiotherapeutin und die Ergotherapeutin des Sozialdienstes katholischer Frauen Kiel (SkF) Mitarbeiterinnen einer Schule für Kinder mit Behinderung aus- und fortgebildet. Die Schule in der mongolischen Haupstadt Ulaanbaatar gehört zur örtlichen katholischen Kirchengemeinde.

„Es war ein unglaubliches Erlebnis“, schwärmen die beiden seit langem befreundeten Frauen von ihrem Entwicklungshilfe-Einsatz. Entsandt wurde Karin Kruska durch den Bonner „Senior Experten Service“ (SES-Bonn), während Petra Hohenhaus-Thier als noch berufstätige Fachkraft am SES-Programms 30+ teilnahm. Der SES ist eine Stiftung, die seit 1983 Experten in Entwicklungs- und Schwellenländer entsendet, die eigentlich schon im Ruhestand sind. Sie sollen mit ihrem beruflichen und fachlichen Knowhow Unternehmen, Verwaltungen sowie soziale und medizinische Einrichtungen unterstützen, wie Karin Kruska erklärt. Sie war bereits 15 Mal als Senior Expertin unterwegs. „Karin hat immer so von ihren Einsätzen geschwärmt, dass ich Lust bekam, mich selbst als Senior-Expertin einzubringen“, sagt Petra Hohenhaus-Thier. Sie wurde für ihren ehrenamtlichen Auftrag vom SkF Kiel freigestellt. „Ich bin so lange im Beruf, habe so viel gemacht, jetzt will ich etwas zurückgeben“, erzählt die Ergotherapeutin, die seit 26 Jahren im St. Antoniushaus des SkF Kiel arbeitet und sich dort um die Förderung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Behinderung kümmert. 

Junge Mongolin vor einer mongolischen Jurte
 Die junge Frau zeigte den Besuchern eine echte
mongolische Jurte. Foto: privat

Den Mitarbeitern vor Ort fehlen Fachkenntnisse 

Genau um dieses Thema ging es auch in der Mongolei. „Wir haben den Lehrkräften der Schule, den Eltern und Ärzten Ideen der Physiotherapie, der Ergotherapie und der Unterstützten Kommunikation für Menschen mit Behinderungen nähergebracht. In der Mongolei herrscht zu diesen Themen großer Informationsbedarf“, sagt sie. „Die Mitarbeiterinnen vor Ort kümmern sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten sehr liebevoll um die Kinder, haben aber in der Regel keine fachliche Ausbildung“, so Karin Kruska. 

Sinn und Zweck der „Hilfe zur Selbsthilfe“ ist es, mit den Menschen gemeinsam neue Ideen und Möglichkeiten für die Arbeit mit Kindern zu entwickeln. „Wir haben versucht, bei den Mitarbeiterinnen Verständnis für die verschiedenen motorischen und sensorischen Entwicklungsphasen zu wecken, ihren Blick für Wahrnehmungs- und Kommunikationsfähigkeiten zu schärfen oder Spielzeug aus Alltagsmaterialien herzustellen.“

Am Vormittag fand die Arbeit mit den Mitarbeiterinnen statt, am Nachmittag kamen interessierte Eltern dazu, die sich Tipps für die Behandlung ihres behinderten Kindes geben ließen. „Auch das war eine spannende Aufgabe“, sagt Petra Hohenhaus-Thier. Eine Dolmetscherin übersetzte alles ins Englische.

Nach Feierabend und am Wochenende war Zeit, sich die Hauptstadt und die Umgebung anzuschauen. „Wir haben Tempel gesehen, haben uns den Markt mit seiner Vielfalt an Gewürzen, Gerüchen und Farben angeschaut, waren in einer Jurte, haben die Pferdekopfgeige gehört und in den örtlichen Kantinen das ganz normale Alltagserleben der mongolischen Bevölkerung erlebt“, erzählen sie. „Diese Tour hat Lust gemacht auf mehr“, sagt Petra Hohenhaus-Thier. „Wenn mein Arbeitgeber mitspielt, bin ich 2018 wieder dabei“, sagt sie. Dann geht es vielleicht nach Indien, nach Tadschikistan oder ans andere Ende der Welt. 

Internet: www.ses-bonn.de

Text: Jenifer Ruske