28.01.2015

Der Blasiussegen

Von Halsweh und anderen Nöten

Der Winter ist lang, dunkel, nass und kalt. Widerstandskräfte nehmen ab, Erkältungen machen sich breit. Und dann kommt das Fest des heiligen Blasius mit seinem traditionellen Segen. Was soll das heute noch? 

Ein beliebter Segen zum ausgehenden Winter: In diesen Tagen wird vielerorts der Blasiussegen gespendet. Foto: kna-bild

Wie viele kirchliche Traditionen, hat der Blasiussegen seinen Ursprung in einer Legende. Bischof Blasius, ein gelernter Arzt, lebte um 300 in Sebaste, der damaligen Hauptstadt der römischen Provinz Armenien, heute Sivas in der Türkei. Die Kirche wurde verfolgt. Blasius leitete seine Gemeinde lange von einer versteckten Höhle aus, wurde dann aber doch aufgespürt und ins Gefängnis geworfen. Dort, so die Legende, rettete er durch sein Gebet einen Jungen, der eine Fischgräte verschluckt hatte, vor dem Erstickungstod. Spezialist für Gräten und Halskrankheiten wurde er aber nicht sofort. Erst im 16. Jahrhundert kam der Brauch des Blasiussegens auf, der sich seitdem großer Beliebtheit erfreut.

 

Der Segen ist über viele Sinne erfahrbar

Die Theologin Christiane Bundschuh-Schramm hat einige Bücher über Segnungen und Segensfeiern verfasst. Sie hält Segnungen generell für einen Ausdruck des christlichen Glaubens, der wiederentdeckt werden sollte. „Beim Segen spüren mehrere Sinne etwas“, betont sie. „Der Mensch wird nicht nur über den Kopf, sondern als Ganzes angesprochen.“

Das wird beim Blasiussegen besonders deutlich. „Durch die gekreuzten Kerzen, die nah an das Gesicht herangeführt werden, wird es spürbar licht und warm“, sagt sie. „Gerade in der kalten und dunklen Jahreszeit ist das eine Zusage, eine Verheißung: Wir kommen ins Licht, wir kommen in die Wärme Gottes.“

Und die Halskrankheiten? „Der Blasiussegen ist zunächst die Bitte um Gesundheit und Heil – und das ist im ausgehenden Winter ja durchaus verständlich“, betont Bundschuh-Schramm. Im Segensgebet, das das Benediktionale, das kirchliche Buch der Segnungen, vorschlägt, wird dies deutlich. „Der allmächtige Gott schenke dir Gesundheit und Heil; er segne dich auf die Fürsprache des heiligen Blasius durch Christus, unsern Herrn“, heißt es dort. Als „Zauberei“ will die Theologin das natürlich nicht verstehen, aber „in jeder Religion gibt es ja so einen kleinen Magierest“.

 

Einander segnen, ist kein Spezialauftrag für Profis

Segnen, so Bundschuh-Schramm, ist aber nicht Priestern oder Diakonen vorbehalten. Im Gegenteil. Sie hofft, dass das gegenseitige Segnen als Fähigkeit aller Christen wiederentdeckt wird. „Segen, also die Zusage, dass Gott mit uns ist, spricht viele Menschen an, auch solche, die kaum noch in den Gottesdienst gehen.“ Kinder zu segnen, sei dabei besonders wichtig. „Gerade wenn Kinder geboren werden, spüren Eltern, wie angewiesen sie auf Gottes Beistand sind“, sagt die Theologin. „Ihre Kinder segnen zu lassen, ist oft der Hauptgrund für die Bitte um die Taufe.“

Doch Segen ist kein Kinderkram. „Segensfeiern bieten die Möglichkeiten, sehr konkret auf die momentane Lebenssituation von Menschen einzugehen.“ Segen für Verliebte, für Jubelpaare, für Kranke, für Menschen in einer Krisensituation, auf all das könne der Segen „passgenau“ eingehen. „Da darf die Kirche durchaus neue Dinge ausprobieren“, meint Bundschuh-Schramm. Die Segensgottesdienste, die bald vielerorts am Valentinstag angeboten werden, seien da ein gutes Beispiel.

Und was bewirkt ein Segen nun? „Gottes Begleitung gilt immer“, betont die Theologin. Aber Handauflegung, Kreuzzeichen und Gebet können helfen, „dies in einem bestimmten Moment sehr konkret zu spüren“.

Von Susanne Haverkamp