07.09.2016

Ökumenischer Gottesdienst zum „Tag der Schöpfung“ im Lübecker Schulgarten an der Wakenitz

Voll des Lobes für die Schöpfung

Über 100 Menschen versammelten sich am 2. September zu einem ökumenischen Gottesdienst im Lübecker Schulgarten. Am „Tag der Schöpfung“ hieß das Motto: „Die ganze Schöpfung – Lobpreis Gottes.“

Prozession durch den Lübecker Schulgarten, in dem die Schöpfung gehegt und gepflegt wird. Foto: Marco Heinen

Es ist gar nicht so leicht, all das angemessen zu beschreiben, was wir in der Natur vorfinden. Natürlich, man kann ganz wissenschaftlich vorgehen, vermag womöglich einzelne Gräser zu benennen, weiß vielleicht Insekten zu bestimmen und kennt den Gesang des einen oder anderen Vogels. Doch das allein sagt nichts über die Schönheit der Schöpfung aus. „Ach könntest du das wieder ausdrücken, könntest du dem Papiere das einhauchen, was so voll, so warm in dir lebt“, heißt es bei Goethes „Werther“ im Angesicht eines kleinen Stückchens Wiese. Pastorin Annegret Wegner-Braun von der St. Marien-Gemeinde, die in ihrer Predigt aus dem Werther zitierte, ermunterte die Gläubigen aus 15 katholischen und evangelischen Gemeinden der Hansestadt dazu, es zu versuchen und auszusprechen, was sie beim Anblick der Schöpfung so fasziniert und mit Daseinsfreude erfüllt.

Denn viel zu oft haben wir den nüchternen Blick, schauen nur auf das, was wir an Rohstoffen und durch Raubbau der Natur abpressen können. Daran beteiligt seien, so Pastorin Wegner-Braun, „Lobende wie nicht Lobende gleichermaßen.“ Es komme ihr so vor, als dürfe man sich eigentlich nur noch mit schlechtem Gewissen freuen, angesichts des friedlosen Zustands der Menschheit und des heillosen Zustands der Erde. Auch die Natur selbst zeige sich bisweilen hässlich und grausam. „Erst in der Sprache des Lobes wird sie zu der guten Schöpfung, die die Güte und Größe ihres Schöpfers preist“, so die Pastorin. Und weiter: „Das Lob öffnet die Wirklichkeit für Gottes Gegenwart und Zukunft.“

Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen ruft jedes Jahr den ersten Freitag im September zum „Tag der Schöpfung“ aus. Zum Gottesdienst mit Prozession im über 100 Jahre alten Schulgarten hatten die evangelischen Innenstadtgemeinden St. Aegidien, St. Marien, Dom und die katholische Gemeinde Herz Jesu eingeladen.

Text u. Foto: Marco Heinen