06.12.2017

Die Krypta des Michel wird zum Krippenmuseum

Volkskunst in der Volkskirche

Die Krypta des Michel wird zu einem kleinen Krippenmuseum: Zu sehen ist dort künftig das ganze Jahr über eine Sammlung mit rund 60 Krippen, die der Katholik Kurt Rechenberg der evangelischen Hauptkirche geschenkt hat.

Neapolitanische Krippe mit Kurt Rechenberg und Hauptpastor Alexander Röder im Hintergrund

Staunende Besucher vor der neapolitanischen Krippe. Hinten: Kurt Rechenberg (r.) mit Hauptpastor Alexander Röder  
Foto: Sendker

Kurt Rechenberg (70) ist ein leidenschaftlicher Sammler. Nicht nur Krippen, auch liturgische Gewänder faszinieren ihn. In seinem Haus in Alsterdorf ist es deshalb mit den Jahren immer enger geworden. Nun hat der Katholik Kartons gepackt: 60 Krippen mit insgesamt über tausend Figuren aus Holz, Keramik, Ton oder Elfenbein umfasst die Sammlung, die er dem Michel geschenkt hat. 

Kurt Rechenberg ist vor allem erleichtert, dass seine Sammlung in Hamburg bleibt. Es gebe für ihn keinen besseren Ort als den Michel, sagt der gebürtige Bayer: „Der Michel ist eine Volkskirche – und Krippen sind Volkskunst. Das passt.“ Wichtig sei ihm, dass seine Krippen dort die entsprechende Würdigung erfahren. Und das werden sie vor allem von den vielen Besuchern, die jeden Tag die Barockkirche besichtigen. 

Barockes Lebensgefühl in der Barockkirche

Nicht zuletzt deshalb passt die Sammlung dort gut hinein: denn ein barockes Lebensgefühl versprühen viele der Darstellungen. Etwa die neapolitanische Krippe aus dem 18. / 19. Jahrhundert, die Hauptpastor Alexander Röder zur Eröffnung des traditionellen Weihnachtsmarktes am Michel am vergangenen Wochenende im Altarraum präsentierte. Sie zeigt die Heilige Familie gleich neben einer Trattoria, in der sich die Gäste bei Wein, Melonen, Schinken und Käse vergnügen. „Diese Krippe neben einer Spelunke strahlt so eine große Freude aus“, sagt Kurt Rechenberg. „Und diese Freude möchte ich rüberbringen mit der Ausstellung.“ Gerade das mache vielleicht auch den Unterschied zwischen katholischen und evangelischen Krippen aus, sinniert der ehemalige Banker: „Evangelische Krippen sind doch etwas zurückhaltender.“ 

Seine Leidenschaft geweckt hat die erste Figur, die der Wahl-Hamburger 1979 von einer Rucksackreise durch Südamerika mitbrachte. In Lima lachte ihn auf dem Markt vor der Kirche das Jesuskind an, und so reiste er mit Jesus im Rücksack weiter. Als er im gleichen Jahr über den Krippenmarkt in Neapel spazierte, war seine Begeisterung endgültig geweckt. 

Auch Pastor Röder war gleich begeistert, als Kurt Rechenberg ihm seine Sammlung anbot – und der Kirchenvorstand der Gemeinde war ebenfalls schnell einverstanden: „Wir freuen uns gewaltig und sind sehr dankbar“, so Röder. Die Krippen aus verschiedenen Jahrhunderten stammen aus Deutschland, Österreich über Mähren und Böhmen, Polen, Frankreich, Italien bis nach Süd-
amerika. Nicht alle Darstellungen sind weihnachtlich, Jahreskrippen widmen sich anderen biblischen Szenen. Sogar eine Fronleichnamsprozession ist dabei: „Ich freue mich schon auf die Schlagzeile: Fronleichnamsprozession im Michel“, sagt Kurt Rechenberg mit blitzenden Augen.

Eine einzige Krippe hat der Sammler doch für sich behalten. Es ist die Krippe seiner Familie. Nur einige verkohlte Figuren konnte die Großmutter im Krieg aus den Bombentrümmern ihres Hauses retten und restaurieren lassen. Umso mehr werden sie in der Familie bis heute geschätzt. 

Offiziell eröffnet wird die Sammlung in der Krypta an diesem zweiten Advent, 10. Dezember um 11.30 Uhr. Bis 14 Uhr kann sie kostenlos besichtigt werden.

Text u. Foto: Monika Sendker