03.06.2016

Neues Konzept zur Firmvorbereitung

Vernetzte Firmlinge

Wer bin ich? Was will ich in meinem Leben erreichen? Gehört Gott für mich dazu? Brauche ich die Kirche? Diese Fragen treiben Jugendliche in der Vorbereitung auf die Firmung um. Ein neues Konzept will sie für den Glauben begeistern – und setzt dabei auf neue Medien.

Jugendliche sind (fast) immer überall online. Das neue Firmkonzept will das nutzen. Foto: fotolia

„Die Welt ist nicht genug“, ist das Motto eines neu ausgearbeiteten Firmkonzepts, das vor allem auf Vernetzung setzt. Das heißt: Onlinemedien, soziale Netzwerke und ausgefallene Methoden, wie etwa Geocaching oder ein Flashmob, können in die Firmvorbereitung eingebunden werden. „Ein Firmkurs, der offline bleibt, manövriert sich selbst in ein ‚katechetisches Abseits’“, schreibt das siebenköpfige Firmteam um Klaus Vellguth im Vorwort ihrer Handreichung. Die Autoren gehen davon aus, dass Jugendliche sich in der Kirche mit der ungewohnten Sprache und der fremden Musik nicht wohlfühlen. Um sie für den Glauben zu begeistern, muss die Kirche auf ihre Lebenswelt zugehen. Und dazu gehören heute zwingend Facebook, Whatsapp und andere soziale Netzwerke, in denen die Teenager täglich unterwegs sind.

 

Der Aufbau: Die Themen bleiben die bekannten „Klassiker“ einer Firmvorbereitung: das eigene Leben, Gott, Jesus Christus, Heiliger Geist, Kirche und das Sakrament. In der Handreichung für die Firmbegleiter mit detaillierten Beschreibungen und Kopiervorlagen und im Jugendbuch sind die einzelnen Themenfelder als Bausteine aufgebaut, die man je nach Art des Kurses und an die örtlichen Begebenheiten anpassen kann.

Jede Gruppenstunde beginnt mit einer kurzen Einführung, es folgt die Phase, in der die Firmlinge aktiv werden und zum Abschluss eine Präsentations- oder Reflexionsrunde. Neu ist, dass die Jugendlichen nicht einfach nur Plakate gestalten, sondern etwa mit dem Handy kleine Videos produzieren oder Fotos für eine Bilderstrecke knipsen. 

Grundsätzlich sind die Gruppenstunden ohne große Vorbereitungen zu meistern. Ausnahmen bilden längerfristige Projekte, wie etwa das „Dinner mit Gott“, ein Abendessen mit biblischen Impulsen. 

 

Die Besonderheit: Die eigentliche Neuerung des Firmkonzepts ist die Bedeutung von Internet und sozialen Netzwerken. Bedeutendster Punkt ist die mögliche Vernetzung des Firmkurses mit anderen Kursen. Unter dem Suchbegriff „#firmkurs“ können alle Aktionen, Videos und Fotos auf Facebook oder Twitter vorgestellt werden. So können Firmlinge aus Bayern mit Jugendlichen aus Norddeutschland ins Gespräch kommen. Alle veröffentlichten Beiträge sind außerdem auf der Internetseite www.firmung-vernetzt.de zu finden.

Darüberhinaus soll auch die Organisation zwischen Firmbegleitern und Jugendlichen direkter werden. Keine Briefe oder Anrufe aus dem Pfarrbüro mehr, sondern nur eine kurze Textnachricht per Whatsapp, dass alle an die nächste Gruppenstunde denken. So ist der Austausch direkter und die Jugendlichen werden möglicherweise zu social-media-Experten ihrer Firmbegleiter.

 

Beispiele: Das neue Konzept bietet interessante Gruppenstunden – egal, ob die Ergebnisse im Internet veröffentlicht werden oder nicht. 

Etwas, das den Jugendlichen sicher in Erinnerung bleiben wird, ist etwa die „5-Euro-Aktion“ zum Thema Talente. Grundlage ist das biblische Gleichnis von den anvertrauten Talenten. Jeder Firmling erhält zu Beginn der Firmvorbereitung fünf Euro, mit denen er machen darf, was er möchte. Ziel soll aber sein, dass jeder das Geld – und seine Talente – gewinnbringend einsetzt und vermehrt. Mit dem eingenommenen Geld kann etwa eine karitative Einrichtung unterstützt werden.

 

Schwierigkeiten: Die vorgeschlagenen Gruppenstunden haben oft eine Länge von bis zu zwei Stunden. Das führt sicher zu Schwierigkeiten, neben Schule, Sport und anderen Hobbys, einen passenden Termin mit den Teenagern zu finden. 

Häufig fehlt am Ende der Gruppenstunde eine Reflexion, dafür wird viel Wert auf eine „lebendige Diskussion“ gelegt. Mit Jugendlichen ist das aber keine leichte Aufgabe, die oft im unbehaglichen Schweigen endet.

Das Konzept regt dazu an, häufiger Kooperationen mit Verbänden oder Unternehmen außerhalb der Gemeinde einzugehen, etwa mit einem Theater oder einer Typ- und Modeberaterin zum Thema Selbstbewusstsein. Das sind kostspielige Ideen, die sich nicht jede Pfarrgemeinde leisten kann. 

 

Fazit: Das Konzept bietet gute Anregungen für einen interessanten und spannenden Firmkurs. Ob letztlich alles online vernetzt werden muss, ist fraglich. Es ist eine nette Möglichkeit, mit anderen Gruppen deutschlandweit in Kontakt zu kommen. 

Für den Erfolg des Firmkurses ist es aber nicht zwingend notwendig. Das zeigt auch die bisherige Online-Ausbeute: Noch ist auf der Internet- und Facebookseite kein Eintrag einer Firmgruppe zu finden.

Firmung vernetzt. Die Welt ist nicht genug. Handreichung und Jugendbuch. Kösel Verlag, 18,99 Euro und 12,99 Euro

 

Von Kerstin Ostendorf