17.02.2016

Bonifatiuspreis

Unterwegs in guter Mission

Mission: ein Wort, das Christen gerne meiden. Doch die Art, wie Menschen zum Glauben finden, bestimmt die Zukunft der Kirche.

Für den Glauben auf der Straße unterwegs: Eine junge Frau lädt Passanten in die Kirche ein, um in Stille eine Kerze anzuzünden. Foto. Bernhard Raspels

„Geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern“, lautete der Auftrag Jesu an seine Jünger. Sie erzählten seine Geschichte, Petrus reiste bis nach Rom, Paulus kreuzte durch den Mittelmeerraum. Der Grundstein für das Christentum war gelegt. „Die pilgernde Kirche ist ihrem Wesen nach missionarisch“, sagt das Zweite Vatikanische Konzil in der Konstitution „Ad gentes“. Das gilt damals wie heute. 

Doch Mission ist kein Wort, das moderne Christen gerne in den Mund nehmen. Zu viel Geschichte schwingt dabei mit: Es erinnert an Fundamentalismus, Zwang und Machtstreben. Heute lautet die Devise, dass der Glaube reine Privatsache ist. Arbeitskollegen vom jüngsten Gottesdienstbesuch erzählen oder im Freundeskreis für einen Glaubenskurs werben? Lieber nicht. Glaube macht angreifbar und wer Diskussionen aus dem Weg gehen möchte, der hält ihn lieber geheim, lebt ihn für sich. Doch das ist unchristlich.

Das Gute ist: Kein Christ muss sich heute mit der Bibel auf den Marktplatz stellen. „Mission ist keine reine Mitgliedergewinnung“, sagt Hubertus Schönemann, Leiter der Arbeitsstelle für missionarische Pastoral in Erfurt. „Es geht eben nicht primär darum, dass sich die Menschen an die derzeitige Gestalt von Kirche anpassen müssen. Es ist ein Erneuerungsprozess für beide Seiten.“ 

Zum einen heißt Mission, dass der Christ so weitermachen kann wie bisher: Er besucht den Gottesdienst, engagiert sich, überzeugt mit seiner christlichen Haltung – und macht so andere neugierig.

 

Mission heißt, sich für den anderen zu interessieren

Zum anderen heißt Mission aber auch, „sich für den anderen zu interessieren und auf ihn zuzugehen“, sagt Schönemann. Wie das gelingen kann, zeigen die Projekte, die am Wettbewerb um den Preis für missionarisches Handeln des Bonifatiuswerks teilnehmen. Alle drei Jahre vergibt das katholische Hilfswerk den Bonifatiuspreis, um besonders kreative Ideen von Pfarreien, Verbänden und Einzelpersonen zu würdigen. 

Attraktive Angebote sind wichtig, das allein reicht aber nicht. Um einen Draht zu den Menschen zu finden, braucht die Kirche eine gewisse Offenheit. „Sie muss vielfältiger werden, darf sich nicht von Zwängen und Uniformität einengen lassen. Es darf etwa nicht länger für Empörung sorgen, dass Menschen vielleicht nicht wissen, wann im Gottesdienst gekniet wird“, sagt Schönemann. Unterschiedliche Arten zu glauben, seien nicht unbedingt Beliebigkeit, sondern eine Bereicherung.

„Mission ist eine Jahrhundertaufgabe, und es geht um nichts weniger, als die Frage, wie Kirche in Zukunft sein soll. Und dabei fahren wir auf Sicht“, gibt Schönemann zu bedenken. Gute Ideen sind also immer willkommen.

Von Kerstin Ostendorf

 

Zur Sache

 

Das Bonifatiuswerk würdigt mit dem „Bonifatiuspreis für missionarisches Handeln“ Menschen, die in katholischen Gemeinden und Institutionen den Glauben in außergewöhnlicher Weise weitergeben. Angesprochen sind Gruppen oder Einzelne. Die Projekte sollten zurzeit laufen oder kürzlich abgeschlossen sein.

Bewerbung: Ab sofort bis zum 15. August 2016 per E-Mail durch einen Bewerbungsbogen, mindestens ein Foto sowie weitere Unterlagen wie Konzept, Fotodokumentation, Videodarstellung. 

Preise: Drei Projekte werden ausgezeichnet und mit einem Preisgeld von 1000, 1500 bzw. 2000 Euro gefördert.

Preisverleihung: am 6. November bei einer Festveranstalzung in München.

Alle Informationen und Bewerbungsunterlagen unter: www.bonifatiuspreis.de