04.01.2017

Gottes Freiheiten in der Großen Freiheit: St. Joseph-Kirche zeigt Kunst von Udo Lindenberg

Udos Zehn Gebote

Die Zehn Gebote in der Großen Freiheit: Ab Montag zeigt Udo Lindenberg in der St. Joseph-Kirche seine gemalten Betrachtungen des Dekalogs.

Pfarrer Karl Schultz zeigt ein Lindenberg-Bild, das in St. Joseph nicht nur zu sehen, sondern auch zu kaufen ist. 
Foto: Hüser

„Mit dieser Ausstellung geht ein Traum von mir in Erfüllung“, sagt Kiezpfarrer Karl Schultz. Seit Jahren arbeitet er daran: Die Zehn Gebote, gemalt von Deutschlands bekanntestem Rocker, in der St. Joseph-Kirche. Mitten auf den Kiez, wo nach Ansicht vieler Menschen eher die Sünde als das Wort Gottes regiert. Allerdings: eine gemalte Moralpredigt ist Udos Dekalog nicht. „Nicht von zehn Geboten, schon gar nicht von zehn Verboten, ist in der Bibel die Rede“, erklärt Karl Schultz. „Diese zehn Worte sind verbunden mit der Befreiung des Volkes Gottes aus der Sklaverei. Wenn ein Künstler sich entschließt, die zehn Worte ins Bild zu setzen, liegt wohl ein besonderer Anlass vor. Die Unordnung der Welt im Kleinen wie im Großen.“ 

Die Unordnung der Welt, Rüstung, Krieg, Größenwahn und Kleingeist spielen in Udo Lindenbergs Lieder immer eine Rolle. Und das hat Karl Schultz (59) schon als Jugendlichen in den 1970er Jahren mitgerissen. „Wir sind mit Udo Lindenberg aufgewachsen“, sagt der gebürtige Mecklenburger. „Lindenberg war einer der ganz wenigen Künstler aus dem Westen, die eine Beziehung zum Osten hatten“, sagt Schultz. „Er war im Osten beliebt, aber er liebte auch den Osten.“ Klar, dass unter Rostocker Jugendlichen und Studenten, wo Karl Schultz tätig war, Udos Scheiben gehört wurde. „Wer Westkontakte hatte, kam auch an die Schallplatten.“ 

Lindenbergs Unmittelbarkeit, Ehrlichkeit, seine die politische Botschaft kamen gut an, und natürlich sein Auftreten: „Lindenberg ist cool.“ 

Inzwischen ist Karl Schultz Kiezpfarrer. Vor zwei Jahren fragte er den Musiker, ob er seinen Zehn-Gebote-Zyklus einmal in St. Joseph aussstellen würde. Daraus ergab sich ein regelmäßiger Kontakt. „Udo ruft schon mal an, wenn er auf den Kiez ist, und dann gehen wir ein Bier trinken.“ 

Jetzt freut sich der Geistliche auf die lang ersehnte Ausstellung in seiner Kirche. „Udo Lindenberg macht den Versuch, die Zehn Worte so zu interpretieren, dass sie nicht als moralische Zwangsjacke empfunden werden, sondern als Grenzsteine der großen Freiheit.“ Keine Verbotstafeln also, sondern „Wegzeichen und Orientierungsmarken für uns alle, die wir stets in Gefahr sind, den inneren Kompass zu verlieren.“ Und am Ende, sagt Pfarrer Schultz, geht es hier um das Menschliche, die Menschwerdung des Menschen.“ „Um dieses Humanum, um den Menschen als solchen, geht es Udo Lindenberg. Und weil kein Weg der Menschwerdung an dem Anspruch und dem Angebot Gottes vorbeiführt, öffnen wir unsere Kirchentür für diese Ausstellung und holen die Große Freiheit oder die ,Zehn großen Freiheiten’ hinein.“ 

Vom 9. Januar bis 5. Februar sind „Udos Zehn Gebote“ in der St. Josephskirche, Große Freiheit 43, zu sehen. Von Montag bis Samstag, 12–17 Uhr. Die Bilder sind aber nicht nur zu sehen: 100 vom Künstler signierte Drucke können die Besucher für 70 Euro kaufen. Sie unterstützen damit die Rettung schiffbrüchiger Flüchtlinge im Mittelmeer. Die St. Joseph-Gemeinde arbeitet mit dem Verein „SOS-Mediterranee“ zusammen. 50 Euro pro Bild gehen an die Arbeit von Kapitän Klaus Vogel. Sein Schiff „MS Aurora“ hat seit Februar 2016 11 375 Schiffbrüchige an Bord genommen.

Text u. Foto: Andreas Hüser