10.06.2015

Günter Jeschke hat die Neubrandenburger Caritas in eine neue Ära geführt. Jetzt verabschiedet er sich

Starke Hilfe für die Schwachen

Als Praktikant fing er einst bei der Caritas an und arbeitete sich bis zum Heimleiter in Rostock hoch. Später wurde Günter Jeschke nach Neubrandenburg geschickt, um ein Altenpflege-
heim zu leiten, das noch gebaut werden sollte. Kurz vor der Wende war das ein Abenteuer.

Die Erlaubnis, dass die Caritas ein Altenheim in Neubrandenburg errichten durfte, kam 1983 von der DDR-Regierung. Es stellte sich allerdings die Frage, wohin es gebaut werden dürfe. Günter Jeschke kann sich noch gut an die Zeit erinnern: „Alte Menschen gehörten für die DDR an den Rand der Gesellschaft, also hätten sie gerne auch das Altenheim am Stadtrand gesehen. Wir wollten das Heim aber näher am Zentrum haben, am besten neben der Kirche unserer Gemeinde.“ 

Um Platz dafür zu haben, musste die Caritas Grundstücke tauschen, da es damals nicht so einfach war, Grund und Boden zu erwerben. Dabei musste sie bis zu zehn Mal so viel Land abgeben, wie sie nahe der Kirche bekam. 1988 konnte der Bau starten. Vieles wurde mit Materialien aus dem Westen gebaut. Das ganze Heim wurde mit Geld aus der „BRD“ finanziert. Das war durch Verträge mit der Regierung der DDR geklärt. Und dann kam die Wende. 

Die Verträge hatten keine Gültigkeit mehr und das Altenheim war noch nicht ganz fertig. „In diesen unübersichtlichen Zeiten haben wir dann das Heim vom Bauherren übernommen, obwohl es noch nicht ganz bezugsfertig war. Unter anderem hatten wir Angst vor der Treuhand. Nachdem wir die letzten Innenarbeiten beendet hatten, konnten 1991 die ersten Bewohner einziehen“, so Jeschke. Von da an leitete er das Altenpflegeheim. Am 1. April dieses Jahres gab er seinen Posten an Thomas Witkowski ab. Im Herbst wird Witkowski auch den Posten des Kreisgeschäftsführers übernehmen.

So schön ist es bei der Caritas: Günter Jeschke vor dem kleinen Park hinter dem Altenheim Elisabeth-Rivet in Neubrandenburg. Foto: Antonia Schindler 

35 Jahre Caritas-Arbeit hat Günter Jeschke hinter sich, 22 Jahre war er Geschäftsführer des Caritas-Kreisverbands Mecklenburg-Strelitz. In diesen Jahren ist viel entstanden. Das Beratungs- und Hilfsangebot der Caritas umfasst nicht weniger als 24 Einzeldienste zwischen Mirow und Friedland; von der Mobilen Jugendarbeit über den Carisatt-Laden für Bedürftige bis zur Sucht- und Schuldnerberatung und bis zur Begleitung von fremdsprachigen Strafgefangenen in Neubrandenburg und Neustrelitz.

Die Caritas ist in der Zeit von Günter Jeschke zu einem bedeutenden Sozialträger im Osten Mecklenburgs geworden. Neue Aufgabenbereiche, so Günter Jeschke, wurden der Caritas meist von der Stadt angeboten. „Die Amtsleiter haben gesehen, mit welchem Herz und auf welchem fachlichen Niveau wir arbeiten.“ 

Ihm sei es immer ein Anliegen gewesen, stabile Dienste aufzubauen. „Ich wollte nie in Projekte einsteigen, die nur wenige Jahre überleben und dann Erwartungen enttäuschen.“ Die Zuverlässigkeit und Menschlichkeit der Caritas-einrichtungen hat auch Menschen überzeugt, die der Kirche völlig fernstehen. „Ich habe schon von Klienten gehört: Zur Kirche wären wir nicht gegangen, aber wir gehen zur Caritas.“ Dabei lässt Günter Jeschke keinen Zweifel daran: „Unsere Caritas ist das nach außen gewandte Gesicht der Kirche.“ 

Wie geht es weiter? Der scheidende Kreisgeschäftsführer ist sicher, dass das Konzept des Caritas-Kreisverbands mit seinen Komponenten langfristig erhalten bleibt. „Auch die Kreisgebietsreform ist hat daran nichts geändert.“  

Und schon sind neue Projekte in Sicht: Die Caritas hat sich um  Projekte für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Waren und und Neubrandenburg beworben. „Die Kompetenz für diese Aufgabe bringen wir schon mit.“ 

Am Freitag, 26. Juni, wird Günter Jeschke in einem Gottesdienst in der St. Josef/ St. Lukas-Kirche verabschiedet. Das Pontifikalamt feiert Weihbischof Norbert Werbs. Beginn ist um 10 Uhr.

Text u. Foto: Antonia Schindler