30.11.2016

Erzbischof Heße übernimmt Schirmherrschaft der Leseförderaktion „Büchertürme“

Schüler „erlesen“ Kirchtürme

61 Meter hoch sind die Türme des St. Marien-Doms. Und damit sind sie nun das Maß für die Aktion Büchertürme: Die an dem Projekt beteiligten Schüler müssen so viele Bücher lesen, dass sie aufeinander gestapelt die Turmspitze erreichen würden. 

Das Aktionsplakat macht es deutlich: So hoch wie die Türme müssen die Bücherstapel werden.
Foto: Aktion Büchtertürme/Andreas Lechtape

 

Mucksmäuschenstill saßen die Jungen und Mädchen auf ihren Stühlen im großen Saal der Blauen Moschee, als Kinderbuchautorin Ursel Scheffler die Ringparabel aus Lessings Werk Nathan der Weise vortrug. „Wer liest, der eröffnet sich neue Welten und begegnet seinen Mitmenschen mit Respekt und Liebe“, resümierte die Autorin. Genau mit diesem Ziel initiierte Scheffler bereits im Jahre 2011 die heute hamburgweit bekannte Leseförderaktion „Büchertürme“. Die Idee: Hamburger Grundschüler lesen in einer begrenzten Zeit so viele Bücher, dass der gemeinsame Bücherstapel die Spitze eines lokalen Turmes erreicht. Nach den Türmen der Hauptkirchen St. Michaelis, St. Petri, St. Nikolai und St. Jacobi, des Rathauses und zuletzt der beiden Minarette des islamischen Gebetshauses an der Außenalster sind jetzt alle Hamburger Grundschüler aufgefordert, die Türme des St. Marien-Domes zu „erlesen“.

Zur Übergabe der Schirmherrschaft hatte sich Erzbischof Stefan Heße persönlich auf den Weg in die Blaue Moschee gemacht, um den bunten „Schirmherrschafts-Schirm“ der Leseaktion aus den Händen von Ayatollah Reza Ramezani entgegenzunehmen. Ramezani erinnerte in seinem Grußwort an den friedensstiftenden Aspekt des Lesens. „Wo immer Menschen lesen, Wissen und Weisheit gewinnen, da wird es keinen Krieg geben“, so Ayatollah Ramezani. 

„Ich freue mich riesig, Euer neuer Schirmherr zu sein“, erklärte anschließend Erzbischof Heße den etwa 120 anwesenden Jungen und Mädchen, „denn Lesen gehört für mich ganz selbstverständlich zu meinem Tages-ablauf dazu“. Schon als Kind habe er sich für Geschichten interessiert – auch spät abends mit der Taschenlampe unter der Bettdecke. Und erwischte ihn die Mutter, so konterte Heße mit der schriftlichen Anmerkung seiner damaligen Grundschullehrerin im Zeugnis: „Der Stefan muss noch fleißig lesen üben“. 

Anschließend lud Heße alle Kinder zum Abschlussfest der Leseaktion am 8. Juni 2017 in den St. Marien-Dom ein. „Bis dahin gibt es noch viel zu tun. Macht Euch ran an die 122 Meter! Lasst mich nicht im Stich“, bat Heße. 

Das nächste Leseziel ist nach den Worten von Kinderbuchautorin Ursel Scheffler bereits fest vereinbart: Ab kommenden Sommer wird die Elbphilharmonie erlesen. Die ist zwar kein Turm im eigentlichen Sinne – aber durchaus ein kulturelles Highlight für junge Leseratten.

Text: Christoph Schommer