17.04.2013

Onlinelexikon gestartet

Reisetipps für den Jakobsweg

„Ich bin dann mal weg“ hat Komiker Hape Kerkeling sein Buch über den Jakobsweg genannt. Einer, der die beliebte Pilgerstrecke noch besser kennt, ist der Karlsruher Klinikseelsorger Klaus Schäfer SAC, der das Internetlexikon „SantiagoWiki“ über den Weg zum Grab des heiligen Jakobus gestartet hat.

Am Cruz de Ferro legen die Pilger einen Stein ab und legen damit symbolisch ihre Sorgen und Lasten unter das Kreuz.                  Foto: kna-bild

Pater Klaus, obwohl der christliche Glaube in seiner kirchlichen Ausprägung für immer mehr Menschen fremd ist, ist das Pilgern wieder „in“. Warum?

Die Gründe, nach Santiago de Compostela zu pilgern, sind so verschieden wie jene, warum man sonst zu einem Event geht. Menschen scheinen zu allen Zeiten von einem gewissen Fernweh oder gar Abenteuerlust ergriffen zu sein. Sie wollen aus dem Alltag aussteigen und Neues erleben, zur inneren Ruhe kommen, zu sich selbst finden.

Man kann zu Fuß pilgern, mit dem Rad oder motorisiert. Welchen spirituellen Unterschied macht die Fortbewegungsart?

Der Fußpilger ist eindeutig der spirituellere Pilger. Er muss nicht ständig auf den Straßenverkehr achten. Er kann oder muss sich stundenlang dem Weg hingeben, der nur durch seine Ortsdurchquerungen aufgelockert wird. Der Radpilger hat hingegen den Vorteil, dass er in vier Wochen von Deutschland bis ans Jakobsgrab pilgern kann.

Ihr SantiagoWiki richtet sich zunächst einmal an Pilger. Ist es auch für Menschen geeignet, die „nur“ wandern wollen?

Das SantiagoWiki steht noch am Anfang. Jeder darf daran mitarbeiten. Meine Absicht ist es, dem Pilger eine Plattform zu geben, auf der er alle wichtigen Informationen, Entscheidungshilfen und Tipps erhält, um seine eigene Wallfahrt gut vorzubereiten und durchzuführen. Im SantiagoWiki ist die entsprechende Streckenführung samt GPS-Navigation, getrennt für Fuß- und Radpilger zu finden.

Wie soll der Aufbau weiter­gehen?

Pallottinerpater Klaus Schäfer
                           Foto: privat

Von mir kommen die über Jahre hinweg gesammelten Informationen über Orte in Frank­reich und Spanien entlang des Jakobswegs, dazu eine Auswahl meiner über 50 000 Bilder. Bis Ende 2014 sollen diese Informationen im Santiago­Wiki stehen. Wie bei Wikipedia kann sich jeder mit seinem Wissen einbringen. Dadurch, dass das Lexikon in sieben Sprachen angelegt ist, kann jeder in seiner Muttersprache die Jakobswege seines Landes dokumentieren. Dies ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass das SantiagoWiki ein umfassendes Kompendium wird, das nicht nur die verschiedenen Sprachen vereint, sondern auch Europa – so wie der Pilgerweg selbst.

Wikis, an denen sich jeder Nutzer beteiligen kann, sind nicht unumstritten. Wikipedia wird bisweilen vorgeworfen, es sei in Sachen Kirche und Glaube nicht objektiv. Wie wollen Sie verhindern, dass das SantiagoWiki ideologisch missbraucht wird?

Wer Missbrauch betreibt, wird verwarnt. Entsprechende Beiträge werden gelöscht. Hartnäckiger oder grober Missbrauch wird mit Ausschluss geahndet.

Was macht den Jakobsweg so besonders?

„Der Weg ist das Ziel“, sagte schon Konfuzius. Es kommt bei der Jakobuswallfahrt nicht nur auf das Ziel an, sondern auch auf den Weg. Andernfalls würden die Pilger – wie bei anderen Wallfahrten – einfach nur in den Bus, den Zug oder das Flugzeug steigen. Pilgern bedeutet jedoch, selbst unterwegs zu sein. Daher muss der Fußpilger noch heute mindestens 100 Kilometer und der Radpilger mindestens 200 Kilometer Pilgerweg zurücklegen. Das Besondere am Jakobsweg ist: Die Pilger sammelten sich bei kleineren und größeren Wallfahrtsorten und zogen dann weiter. Wie die Perlen eines Rosenkranzes beteten sie mit ihren Füßen den Pilgerweg ab, um schließlich am Apostelgrab anzukommen.

Sie waren in Santiago, in Rom, in Jerusalem. Welche Ihrer Pilgerreisen hat Sie am meisten „bewegt“?

Jedes dieser drei Pilgerziele bewegte mich auf die eigene Art und Weise. Das „Romfieber“ wurde vom „Santiagofieber“ abgelöst, an dem ich unheilbar „erkrankt“ bin. Bei keiner anderen Wallfahrt wurde mir die Parallele zum eigenen Leben so deutlich erfahrbar wie bei der San­tiagowallfahrt – wenn man am Kap Finisterre, dem westlichsten Punkt Europas, steht und erkennen muss, dass der Weg hier zu Ende geht und man nun auf eine ganz andere Art und Weise in die unendliche Weite der Ewigkeit schreiten kann.

Interview: Thorsten Fels

Internetseite: SantiagoWiki