26.04.2017

Wärmstube für Obdachlose am Berliner Tor bleibt weiter geöffnet

Ohne Wohnung kein Job

Die Domgemeinde St. Marien hat mit einer privaten Helferinitiative eine Wärmestube für Obdachlose über den Winter eingerichtet. Zum 30. April sollte sie wieder geschlossen werden, doch jetzt gibt es eine Verlängerung. 

Diakon Henry Kirsche (zweiter v.r.) und Olaf Seideweitz (zweiter v.l.) mit Gästen in der Wärmestube für Obdachlose
Diakon Henry Kirsche (zweiter v.r.) und Olaf Seideweitz (zweiter v.l.) mit Gästen in der Wärmestube für Obdachlose.  Foto: Sendker

Früher war in dem Ladengeschäft am Berliner Tor eine Apotheke untergebracht: Die Inhaber, Thomas und Dr. Frieda-Luise Wenzel, haben das Haus als Grundstock der Wenzel-Stiftung der Domgemeinde St. Marien vermacht. Als die Räume in diesem Winter kurzfristig leerstanden, hat die Domgemeinde sie einem privaten Helferkreis mit Diakon Henry Kirsche, dem Rechtsanwalt Olaf Seidewitz sowie Olaf Coste von der Johanniter-Hilfsgemeinschaft überlassen: Menschen, die in der Kälte auf der Straße leben, sollten dort einen Ort finden, um sich aufzuwärmen.

„Wärmestube hat nicht unbedingt etwas mit einer Heizung zu tun“, sagt die Frau, die an diesem Nachmittag auf dem Sofa sitzt. Sie ist ebenso Gast wie der 34-jährige Mann, der seit Anfang März immer wieder kommt. Fünf Monate war er auf der Straße. Zwei Tage fand er in einer Notunterkunft des Winternotprogramms Unterschlupf. Dort wurde er von Zimmernachbarn bedroht, erzählt er. In der Wärmestube habe er endlich Hilfe bekommen, um seine Anträge auf Unterstützung zu stellen und einzureichen. „Ohne Wohnung kein Job, ohne Job keine Wohnung“, diese Erfahrung hat er in den vergangenen Wochen gemacht. Er hatte Glück: Eine geregelte Arbeit hat er jetzt gefunden. Und hofft auf eine Wohnung. 

„Unser Gäste können sich einfach mal ausruhen, sich sortieren, zu sich kommen. Und sie können sich an den großen Tisch setzen, einen Tisch hat man auf der Straße nicht“, sagt Diakon Kirsche. Als Seelsorger ist sein Beistand in diesem Hilfsprojekt immer wieder gefragt. Ebenso hilfreich, wenn auch anders: das geliehene Laptop. Wie findet man sonst eine Wohnung, einen Job, wenn man keinen Rechner, keine E-Mail-Adresse hat? „Der Rechner ist schlichtweg zwingend, wann man aus dieser Situation heraus will“, sagt Olaf Seidewitz. Der Rechtsanwalt steht den Gästen in rechtlichen Fragen beratend zur Seite. Einmal in der Woche bietet ein Mitarbeiter der Caritas eine Sozialberatung an.

30 bis 35 Gäste täglich, an manchen Tagen auch über 45 haben die privaten Helfer seit Anfang des Jahres in der Wärmestube begrüßt. Zehn Ehrenamtliche gehören zum Team. Die Wärmestube bietet einen warmen Raum, eine Küche mit Kaffeemaschine, sanitäre Einrichtungen, Sofas. „Wir haben die Gäste rund um die Uhr sozial betreut und begleitet, im Notfall konnte auch mal jemand hier übernachten“, berichtet Diakon Kirsche. Großen Zuspruch und Unterstützung gab es von den Nachbarn. Eine Bäckerei spendete Lebensmittel. „Manchmal kamen Leute einfach rein und drückten uns Geld in die Hand“, erzählt Olaf Seidewitz. 

Langfristig wird ein Mit-Träger gesucht

Das Projekt war eigentlich bis zum 30. April befristet. Aber jetzt gibt es grünes Licht von der Domgemeinde: Wie Dompfarrer Msgr. Peter Mies, Vorsitzender des Stiftungsvorstandes, mitteilt, kann die Wärmestube bis Ende Juni die Räume weiter nutzen: „Wir müssen gemeinsam überlegen, wie es weitergeht.“ 

Dass es weitergeht, wünscht sich auch der Helferkreis. „Wir sind froh, dass wir erst einmal eine Verlängerung haben“, sagt Olaf Seidewitz. Langfristig brauche das Projekt jedoch Planungssicherheit und einen Mit-Träger, um es auf eine sichere finanzielle Basis zu stellen. „ Wir sind mit verschiedenen Einrichtungen im Gespräch.“

Text u. Foto: Monika Sendker