05.04.2017

Die Pfarrei Franz von Assisi auf dem Weg in die Zukunft

Nicht alle Kirchen auf Dauer zu halten

In der Kieler Pfarrei Franz von Assisi wird die Zukunft einzelner Kirchen diskutiert. Propst Sunderdiek schließt kurzfristige Schließungen aus. Bis Ende des Jahres soll aber ein Konzept verabschiedet werden. 

In der Pfarrei Franz von Assisi gibt es derzeit zehn Kirchen. Grafik: Maike David

Vor zwei Jahren wurde der erste Haushalt der neuen Kieler Großpfarrei Franz von Assisi aufgestellt. Schon damals habe sich abgezeichnet, dass nicht alle zehn Kirchen und elf Gemeindehäuser auf Dauer gehalten werden könnten, sagt Propst Leo Sunderdiek. Seither wird über mögliche Kirchenschließungen diskutiert und spekuliert. Auch auf einer für alle Interessierten offenen Klausurtagung der Pfarrei im November 2015 und bei einer weiteren Zusammenkunft Mitte Februar in Malente war dies ein Thema. Knapp 40 Mitglieder der Pfarrei nahmen zuletzt teil, darunter hauptamtliche Mitarbeiter und Priester, aber auch Kirchenvorstände, Mitglieder der Pastoralräte und katholischer Verbände sowie zwei Moderatoren der Pastoralen Dienststelle. Sieben Arbeitsgruppen entwickelten Szenarien, wie die Zukunft der Pfarrei gestaltet werden könne. Er sei überrascht gewesen, dass es vor allem Gemeindemitglieder gewesen seien, die die baldige Schließung einzelner Standorte für sinnvoll erachteten, betont der Propst. Doch ganz so schnell werde es nicht gehen: „Das ist aus meiner Sicht vollkommen unrealistisch und so wird es auch nicht kommen.“ 

Doch langfristig gesichert sind seiner Einschätzung nach nur die ehemaligen Pfarrkirchen St. Joseph, St. Nikolaus, St. Heinrich und St. Birgitta. „Von diesen Kirchen sind wir überzeugt, dass sie auch in längerer Zukunft noch
existieren werden“, so Sunderdiek. Als ungewiss gelte mittelfristig vor allem die Zukunft der Filialkirchen Stella Maris in Heikendorf, Heilig Kreuz in Elmschenhagen und St. Bonifatius in Kronshagen. 

Schwichtenberg fordert mehr Transparenz 

In einem Informationsschreiben zur Klausurtagung hieß es nun, es herrsche Einigkeit bei allen Teilnehmern, „dass nicht alle zehn Kirchen und elf Gemeindehäuser erhalten werden können.“ Und genau dieser Satz war der Auslöser, der den emeritierten Kunstprofessor und Ansgar-Medaillen-Träger Bernhard Schwichtenberg dazu bewog, einen offenen Brief an Propst Sunderdiek zu formulieren. Schwichtenberg schreibt, es sei „unverzeihlich“, überhaupt Kirchen zu schließen. Und er beklagt die seiner Einschätzung nach fehlende Transparenz im Zusammenhang mit der Klausurtagung, aber auch mit anderen strukturellen Veränderungen im Erzbistum. Mit Blick auf die Entwicklung der Pfarrei Franz von Assisi schreibt er: „Gegen diesen gesamten Vorgang und die Beschlüsse lege ich mit allergrößtem Nachdruck Widerspruch ein.“ 

Propst Sunderdiek hat Verständnis für Schwichtenbergs Engagement in der Sache, zumal er auch die Stimmung mancher Gemeindemitglieder treffe. Doch für ihn ist klar: „Wer jeden Standort erhalten will, muss sagen, wie das gehen soll.“ Denn die Verhältnisse seien so, „dass wir nicht in der Lage sind, alles auf Dauer weiterzuführen.“ Als Gründe dafür werden immer wieder die sinkende Zahl der Gottesdienstbesucher, absehbar sinkende Kirchensteuer-
einnahmen und damit verbundene sinkende Schlüsselzuweisungen des Erzbistums und der demografische Wandel genannt. Die entscheidende Frage sei, wie katholische Kirche in Kiel im Jahr 2025 aussehen werde und lebensfähig sein könne, sagt der Propst.

Der Kirchenvorstand hat nun im März entschieden, dass eine Arbeitsgruppe ein Zukunftskonzept entwickeln soll. Und zwar auf Grundlage dreier in Malente favorisierter Szenarien. Das Konzept soll bis spätestens Ende September vorliegen und könnte noch in diesem Jahr beraten, verabschiedet und dem Erzbischof vorgelegt werden. Einfließen könnten Überlegungen, sich mit evangelischen Gemeinden zusammenzutun. „Das wäre eine Alternative, die im Bistum ja nicht ganz neu ist“, wie Propst Sunderdiek richtig anmerkt. Tatsächlich feiern in Damp evangelische Christen ihre Gottesdienste in der katholischen St. Elisabeth Kirche und in Ahrensbök ist die katholische Gemeinde in der evangelischen St. Marienkirche zu Gast. Aktuell gebe es sogar schon ein Gesprächsangebot vom zuständigen Propst des Kirchenkreises Altholstein, berichtet Sunderdiek. Er hält aber auch Nachnutzungen für möglich. Hier gibt es bereits Vorbilder, nämlich die Kita St. Bartholomäus in Neumünster. Allerdings spiele da die Lage eine Rolle und natürlich gehe das auch nicht ohne die Stadt, so der Propst. Doch eines ist klar: „Wir wollen uns bemühen, keinen Standort einfach dem Abrissbagger zu übergeben.“

Text: Marco Heinen