01.11.2017

Die Seemannsmission „Stella Maris“ mit neuer Crew

Neuer Ankerplatz, neue Crew

„Stella Maris“, Stern des Meeres. Alle katholischen Seemannsmissionen in der Welt tragen diesen Marientitel. In der Hamburger Crew gibt es Veränderungen. Neu sind die „Kapitänin“, der Seemannspastor und das Haus der Mission. 

Seemannspastor Edward Pracz, Weihbischof Horst Eberlein, philippinische Botschafterin Melita Maria-Thomeczek, Monica Döring, Seemannspastor Matthias Ristau, Ute Große Harmann und Pater Simon Boiser 
v.l.: Seemannspastor Edward Pracz, Weihbischof Horst Eberlein, philippinische Botschafterin Melita Maria-Thomeczek, Monica Döring, Seemannspastor Matthias Ristau, Ute Große Harmann und Pater Simon Boiser.  Foto: Isabella Sauer

Trotz stürmischen Wetters haben es viele Menschen mitten in den Hafen geschafft. Und zwar so viele, dass im Garten der katholischen Seemannsmission Stella Maris ein Zelt aufgebaut wurde. Denn im ehemaligen Schleusenwärterhaus gibt es keinen Raum, der so vielen Gästen Platz geboten hätte. Heute wird der Abschied von der bisherigen Leiterin, Ute Große Harmann, gefeiert und die neue Kapitänin Monica Döring samt neuem Seemannspastor, Pater Simon Boiser, an Bord geholt.

Die meisten Gäste behalten ihre Jacken an. Doch spätestens als der philippinische Chor das erste Lied anstimmt, wird einem warm. Weihbischof Horst Eberlein ergreift das Wort: „Wer hierhin kommt, der soll ein weites Herz und eine klare Sicht erfahren.“ Denn an diesem Platz stehe das weite Herz für großzügige Gastfreundschaft. „Und eine klare Sicht ist wichtig für die Seefahrt, aber auch für das Innere eines jeden Menschen“, führt er fort. Möge Stella Maris dafür sorgen, dass jeder Seefahrer klar sehe und seinen Weg finde. „An diesem Ort Geborgenheit und Hoffnung findet, wenn er traurig ist, so fern von der eigenen Familie zu sein“, sagt er schließlich und segnet Kreuze, die in den Räumen aufgehängt werden, und Rosenkränze, die vielleicht bald in den Hosentaschen der Seefahrer landen.

Ein Rosenkranz für die Hosentasche

Seefahrer aller Kontinente kennen die katholische Seemannsmissionen weltweit unter dem Namen Stella Maris, was übersetzt Stern des Meeres heißt. Von 1954 bis Juli 2015 war Stella Maris im „Portugiesenviertel“ in  der Nähe der Landungsbrücken untergebracht. „Wir waren nicht dort, wo die Seefahrer waren“, sagt die ehemalige Leiterin Ute Große Harmann. Heute liegt die Mission auf der anderen Elbseite, im „richtigen“ Hafen, im ehemaligen Schleusenwärterhaus am Ellerholzweg. Neun Jahr lang hat Große Harmann die Seemannsmission geleitet. „Es hat mir viel Spaß gemacht an Bord zu gehen, von den Seeleuten zu lernen, ihnen zuzuhören“, sagt sie. Mit Herzklopfen sei sie immer auf ein Schiff gegangen. Mit dem Gedanken im Kopf: „Wie wird es hier wohl sein?“ 

Neue Kapitänin ist seit September Monica Döring (51), vorher Leiterin der Fachstelle Ehrenamt im Erzbistum. „Ich wollte wieder mehr den direkten Kontakt zu Menschen haben.“ Während sie ebenfalls in die Gesichter der Gäste schaut, sagt sie: „Ich wünsche mir, dass dieses Haus ein neues Wegzeichen wird, ein Ort für Begegnungen.“ Und sei es nur, dass die Seefahrer kämen, um kostenlos das Internet zu nutzen. „Denn das Internet ist das einzige Kommunikationsmittel für die Seefahrer, um mit ihren Familien Kontakt aufzunehmen“, so Döring.

Nach der Feier geht es in das Schleusenwärterhaus, an dem täglich Dutzende Barkassen vorbeifahren und Touristen durch den Hafen Hamburgs führen. Weihbischof Horst Eberlein segnet Treppenhaus, Küche, Kapelle, Büro, Aufenthaltsräume. Dabei ist er fasziniert von der Aussicht und sagt: „Wahnsinnig schön, der Blick auf das Wasser!“ Denn das Haus ist davon fast komplett umgeben. Die Sanierung und der Umbau haben zwölf Monate gedauert. „Erst seit dem Sommer können wir die Seefahrer ernsthaft hierhin einladen“, sagt Döring. Erst jetzt liege das so wichtige Glasfaserkabel. Deswegen wurden Personalwechsel und Einweihung zusammen gefeiert.

Ein weiteres neues Crewmitglied und Nachfolger von Pater Martin Löwenstein ist der Steyler Missionar Pater Simon Boiser, der Pfarrer der Philippinischen katholischen Mission. Er wird nun auch häufig an Bord gehen, Gespräche mit den Seefahrern führen und Gottesdienst feiern. Künftig soll der Kontakt zur philippinischen Gemeinde enger werden. Schließlich seien besonders viele Seefahrer Filipinos. „Als Seelsorger fühlen wir uns zu diesen Menschen gesandt und möchten auf ihre besonderen persönlichen, sozialen und pas-
toralen Situationen eingehen“, sagt Pater Boiser.

Text u. Foto: Isabella Sauer