11.10.2017

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig setzt sich für die Edith-Stein-Schule in Ludwigslust ein

Neue Hoffnung für die Schule?

„Unser Ziel ist es, diese Schule zu erhalten“, sagte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig bei einem Besuch in der Edith-Stein-Schule in Ludwigslust. Und: Das Land würde den Neubau mit einer großen Summe unterstützen.

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig spricht mit Kindern der ersten Klasse in Ludwigslust
Besuch in der ersten Klasse: Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (links) und Bildungsministerin Birgit Hesse (4. v.l.) in der Edith-Stein-Schule.  Foto: Andreas Hüser

Es wäre das erste Mal, dass das Land Mecklenburg-Vorpommern Millionenbeträge in den Bau einer nichtstaatlichen Schule steckt. Möglich ist das durch ein 110-Millionen-Sonderprogramm, das die Regierung am 5. Oktober aufgelegt hat. Am gleichen Tag besuchten Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und Bildungsministerin Birgit Hesse zwei Schulen, die für dieses Programm schon vorgemerkt sind: die Schweriner Grundschule
Mueßer Holz und die Edith-Stein-Schule in Ludwigslust. 

„Geht ihr gern auf diese Schule?“, fragte die Ministerpräsidentin in die Runde von Erstklässlern. Einhelliges Nicken. In den Kindergarten will keiner zurück. „Soll eure Schule so bleiben? Oder sollen wir eine neue bauen?“, fragte Manuela Schwesig weiter. „Dann gucken wir, ob wir das machen können.“ 

Eigentlich finden die Schüler auch die alte Schule schön. Schulleiterin Marion Löning findet das nicht. Wären da nur die Über-Putz-Leitungen und die Neonröhren aus DDR-Zeit, man könnte damit leben. Aber es liegt noch viel mehr im Argen. Jedes Jahr muss die Schule um die Betriebsgenehmigung zittern. Der rettende Neubau ist nicht in Sicht: Am 3. Juli hat das Erzbistum Hamburg bekannt gegeben, dass aufgrund der prekären wirtschaftlichen Lage kein Geld für den Bau zur Verfügung gestellt werden kann.

Ohne Schule hätten die Kommunen ein Problem 

Diese Situation war der Ministerpräsidentin schon vor dem Besuch bekannt. Ebenso aber auch die pädagogischen Stärken der Schule. In der vierten Klasse durfte ein Schüler den Politikerinnen erklären, was „Selbstständiges Lernen“ ist. Denn das ist gerade dran: Zeitweise arbeiten die Schüler für sich und teilen sich die Arbeit selbst ein. Neue Methoden dieser Art haben den katholischen Schulen in Mecklenburg einen guten Ruf verliehen. 

Die Unterstützung für die Edith-Stein-Schule hat aber noch einen weiteren Grund: „Wir würden nicht eine Schule in freier Trägerschaft fördern, wenn es nicht einen Bedarf in der Region gäbe“, sagte Ministerin Hesse. Bedarf bedeutet: Wenn die Edith-Stein-Schule geschlossen würde, gäbe es für die Kinder in Ludwigslust und Umgebung 150 Schulplätze weniger. „Dann hätten wir von jetzt auf gleich ein großes Problem“, sagte der Ludwigsluster Landtagsabgeordnete Dirk Friediszik (SPD). Stefan Sternberg, Bürgermeister von Grabow und Bildungsausschuss-Vorsitzender im Ludwigsluster Kreistag: „Am Ende müssten drei Kommunen die Schüler aufnehmen. Das wäre mit den vorhandenen Schulen gar nicht zu schaffen.“ 

Der geplante Neubau würde noch 100 Schüler mehr unterbringen können. „Wir wollen die Schule erweitern, damit sich der Betrieb rechnet“, sagte Hubert Maus, Stiftungsratsvorsitzender der Bernostiftung. „Die Nachfrage ist da. Darum machen wir uns keine Sorgen.“ Laut Schulleiterin Marion Löning kamen im Frühjahr 56 Anmeldungen auf 27 Plätze in der ersten Klasse – trotz der unsicheren Lage der Schule. 

An dieser Lage ändert auch die Geldzusage des Landes erst einmal nichts. Generalvikar Ansgar Thim: „Wir haben eine Entscheidung getroffen, die uns sehr schwer gefallen ist. Aber aufgrund der finanziellen Lage des Erzbistums können wir diesen Schulbau nicht finanzieren. Das betrifft noch weitere Schulen im Erzbistum. Auch in Hamburg können nicht alle benötigten Maßnahmen an den 21 katholischen Schulen umgesetzt werden. Selbst wenn das Land für die Schule in Ludwigslust einen Millionenbetrag zuschießt, fehlen noch weitere Millionen Euro.“ Etwa zehn Millionen Euro, schätzt das Bistum, würde die neue Schule kosten. 

„Im Übrigen war ich sehr überrascht von der Initiative der Ministerpräsidentin. Grundsätzlich begrüße ich es sehr, dass die Politik die Schulen in freier Trägerschaft mit Investitionen unterstützt“, so Generalvikar Thim. Das Erzbistum bleibe weiterhin mit der Bernostiftung im Gespräch. „Zumindest ist jetzt wieder Bewegung in der Sache“, sagt Stiftungsdirektor Thomas Weßler. Einen Förderantrag hat die Stadt Ludwigslust bereits beim Land gestellt.

Text u. Foto: Andreas Hüser