01.11.2017

Kloster Nütschau kämpft gegen den Autobahnlärm

Mit der Ruhe ist es schnell vorbei

Im Kloster Nütschau klagen Gäste über den Lärm der nahen Autobahn. Die hölzerne Lärmschutzwand klappert und entspricht nicht modernen Standards. Verkehrsminister Bernd Buchholz will sich nun selbst ein Bild machen.

Prior Johannes Tebbe vor der Lärmschutzwand an der Autobahn
Prior Johannes Tebbe bei einem Ortstermin Ende August an der Schallschutzwand: Deren steinerner Unterbau passt zwar hervorragend zur Klostermauer (links), doch die Holzelemente klappern und halten den Lärm der Autobahn kaum ab.  Foto: Marco Heinen

Der Lärm der Autobahn nervt. So denken viele Gäste, die das Klos-ter Nütschau direkt an der A 21 besuchen. „Man hört den Lärm relativ stark. Gerade wenn man im Kloster ist, um Ruhe zu suchen, ist das störend“, findet Maike Polte, die aus Nord­rhein-Westfalen angereist ist. Auch Susanne Höldtke aus Hamburg bestätigt: „Je nachdem, wie der Wind steht, muss man halt damit leben. Das kann schon nervig sein.“ Höldtke ist Oblatin des Klosters und kommt mehrmals im Jahr. 

Einem Gast wurde es im Sommer offenbar zu viel und er informierte den Bad Segeberger CDU-Bundestagsabgeordneten Gero Storjohann. Der ließ in Nütschau nachfragen und dort konnte man nur bestätigen: Der Lärm ist vor allem auf der zur Autobahn zugewandten Seite des Gästehauses St. Ansgar sehr störend. Storjohann kam dann im August selbst vorbei; nicht allein, sondern mit einigen Journalisten im Schlepptau. Er versprach sich zu kümmern. Es war Sommer, es war Wahlkampf. 

Die Autobahn verläuft unweit des Klosters mitten durch ein Naherholungsgebiet, wo auch die Fernwanderwege Via Baltica und Mönchsweg sowie der Stormarnwanderweg entlang führen. Zwar ist die Autobahn auf mehreren Hundert Metern mit einer – geschätzt – teils bis zu sieben, acht Meter hohen Schallschutzwand bewehrt, doch die ist nicht modern, sondern von gestern. 

Bangkirai-Holz sei das, erläuterte Prior Johannes Tebbe vor einigen Wochen bei einem Spaziergang. Die Holzstreben halten nicht nur wenig vom Verkehrslärm ab, sondern klappern auch bei jedem Windzug und bei jedem vorbeidüsenden Auto in den Stahlhalterungen. Das hört man zwar nur im Nahbereich, doch die vielen kleinen Lücken schwächen die ohnehin dürftige Dämmleis-
tung der Schutzwand wohl noch weiter. Sie bietet vor allem Sichtschutz, kaum Schallschutz.

„Wir empfinden das als nicht so schlimm, weil wir uns daran gewöhnt haben“, sagt Bruder Johannes. Aber aus seiner Sicht ist klar: „Wenn man äußere Ruhe braucht, um sich auf einen inneren Weg zu machen, kann das erst einmal belasten.“ Und deshalb ist er froh, wenn die Möglichkeiten einer Ertüchtigung der Schallschutzwand geprüft werden. 

Gäste sollen die Stille finden, die sie erhoffen

„Es geht nicht darum, dass wir Mönche unsere Ruhe haben wollen. Wir wollen den Gästen entgegenkommen, damit sie die Stille finden, die sie brauchen“, sagt der Prior. Angesichts von jährlich rund 23 000 Übernachtungen und vieler Tagesgäste wäre so eine Investition in den Schallschutz also kein teurer Sonderwunsch, sondern ein berechtigtes Ansinnen.

Gero Storjohann schrieb zwei Tage nach der Bundestagswahl an das Kieler Verkehrsministerium und erhielt aus der zuständigen Abteilung vor rund zwei Wochen eine Antwort. Danach wird der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr zumindest das Klappern demnächst abstellen. „Da die klappernden Lärmschutzwandelemente lediglich neu fixiert werden müssen, um eine spürbare Entlastung herbeizuführen, kann eine Instandsetzung der Lärmschutzwand relativ schnell und ohne großen finanziellen Aufwand erfolgen“, teilte Storjohann nun mit. Ob das tatsächlich eine „spürbare Entspannung“ der Lärmsituation mit sich bringt, wie der Politiker schreibt, wird sich erst noch erweisen müssen. Aber Klappern gehört bekanntlich zum Handwerk. FDP-Verkehrsminister Bernd Buchholz jedenfalls scheint da Zweifel zu haben. Er will sich die Lärmschutzwand am 22. November vor Ort selbst ansehen.

Text u. Foto: Marco Heinen