06.12.2017

Wie steht es wirklich um die Finanzen im Erzbistum Hamburg?

Mehr Klarheit über Finanzen

Drei Monate lang haben die Wirtschaftsprüfer der Firma Ernst & Young die Finanzen des Erzbistums Hamburg überprüft. Worum es ging, sagt Generalvikar Ansgar Thim.

Generalvikar Ansgar Thim

Das Geld ist nicht alles, sagt Generalvikar Ansgar Thim: „Kirche lebt vom Glaubenszeugnis eines jeden Christen vor Ort.“  
Foto: Kathrin
Erbe

Was ist in den vergangenen drei Monaten geschehen und wie lief die Zusammenarbeit mit den Beratern von Ernst & Young?

Die Berater von Ernst & Young saßen in den vergangenen drei Monaten mit im Generalvikariat. Sie hatten direkten Kontakt zu unseren Projekt- und Abteilungsleitern sowie einzelnen Mitarbeitern und haben intensiv mit uns gemeinsam in den Projekten gearbeitet. Je nach Projekt sind sie auch in den Pfarreien, Schulen, Kitas und weiteren Einrichtungen unseres Bistums unterwegs gewesen, um möglichst genaues Zahlenmaterial zu erarbeiten und zu analysieren.

Wie bewerten Sie die Arbeits- und Vorgehensweise von Ernst & Young?

Das Team von Ernst & Young hat in allen Geschäftsbereichen des Erzbistums eine sogenannte wirtschaftliche Tiefenprüfung vorgenommen. Wir haben häufig Zahlen gehört, wie schlecht es dem Bistum finanziell geht. Am 8. Dezember liegt uns eine Gesamt-
übersicht der finanziellen Situation unseres Bistums vor – mit sämtlichen Zahlen und Prognosen, ausgewiesen von einem erfahrenen Wirtschaftsprüfungsunternehmen. 

Sind in der Recherche nur die Kosten, oder auch die Einnahmen betrachtet worden? Etwa unter dem Aspekt, ob es noch bislang ungenutzte Geldquellen gibt?

Geprüft wurden auch die künftigen Kirchensteuereinnahmen – aufgrund der neuesten Erkenntnisse und Zahlen aus den vergangenen kirchlichen Statistiken sowie der demographischen Entwicklung laut des Statistischen Bundesamtes. Die Prüfer sind dabei von der minimalen Einnahme ausgegangen. Andere Quellen wie Spenden, Fundraising oder staatliche Zuschüsse müssen differenziert betrachtet werden. Wir hoffen sehr auf weitere Einnahmen, die uns bei der Bewältigung der wirtschaftlichen Herausforderungen helfen werden. 

Die Kirche ist ja keine Bank und keine Fabrik. Woher wissen externe Gutachter, ob uns beispielsweise eine Kapelle, ein Bildungshaus oder eine Wallfahrt wichtig ist oder nicht? 

Ernst & Young soll nicht unsere kirchlichen Prioritäten festlegen. Das ist nicht die Aufgabe gewesen. Dies muss der Schwerpunktausrichtung des Pastoralen Orientierungsrahmen entnommen werden, der derzeit durch einen bistumsweiten Hörprozess entsteht und am 3.Februar.2018 durch den Erzbischof veröffentlicht wird. Die Berater können uns jedoch dabei helfen, ein Verfahren zu entwickeln, mit dem wir den künftigen Pastoralen Orientierungsrahmen mit unseren finanziellen Möglichkeiten zusammenbringen können. Der wirtschaftliche Orientierungsrahmen allein kann uns nicht vorgeben, wie wir uns in allen Bereichen künftig aufstellen müssen. Hierbei ist das Zusammenspiel zwischen Finanzen und Pastoral entscheidend. 

Im Bistum gehen Anfragen bzgl. der Honorarkosten der Berater von Ernst & Young ein. Wie viel Geld hat diese Beratung gekostet?

Das Engagement der Firma Ernst & Young liegt im marktüblichen Rahmen der Beraterhonorare, reduziert um einen erheblichen Nachlass für soziale Einrichtungen und Kirchen. Die Mitarbeiter von Ernst & Young haben bereits viele mittelständische Unternehmen beraten und einige Projekte in anderen Bistümern begleitet. Wir werden die Gesamtsumme von Beratungskosten im
 nächsten Geschäftsbericht veröffentlichen. 

Nach einem umfassenden Ausschreibungs- und Auswahlverfahren haben wir uns für Ernst & Young entschieden, weil sie das beste Preis-Leistungs-Verhältnis geboten haben. Natürlich ist so ein Verfahren, bei dem 15 unterschiedliche Fach-Experten drei Monate lang einzelne Projekte analysieren, nicht umsonst zu haben. Aber ich muss deutlich sagen, dass sich die Ausgabe lohnt. Ohne Ernst & Young hätten wir es aufgrund der Komplexität der Betätigungsfelder nur schwer geschafft, unsere Finanzlage auf lange Sicht hin realistisch einzuschätzen. 

Die Untersuchung ist abgeschlossen. Das Ergebnis liegt in diesen Tagen vor. Wie wird das Erzbistum damit jetzt weiter verfahren? 

Unsere Aufgabe ist es jetzt, die Verteilung der Mittel, die auf lange Sicht zur Verfügung stehen, auf die einzelnen Bereiche festzulegen. Einen Schlüssel dafür muss der Pastorale Orientierungsrahmen bieten, der am 3. Februar vorgestellt wird. Darin steht, was dem Bistum in Zukunft missionarisch besonders wichtig ist. Ich will noch dazu sagen, dass die katholische Kirche im Norden nicht allein aufgrund ihrer wirtschaftlichen Kraft definiert werden kann, sondern vom Glaubenszeugnis eines jeden Christen vor Ort lebt.

Interview: Andreas Hüser

Die wichtigsten Zahlen aktuell

Die Ergebnisse der Wirtschaftsprüfung werden nach dem Abschluss den Gremien vorgestellt. Die wichtigsten Inhalte werden am 11. Dezember auf der Internetseite des Erzbistums Hamburg www.erzbistum-hamburg.de zu sehen sein. Dort befinden sich auch Informationen zu den anderen Projekten im diözesanen Erneuerungsprozess des Erzbistums. Und auch in dieser Zeitung werden wir das Ergebnis dokumentieren.