04.01.2017

Die Riten einer Taufe

Mehr als nur Wasser

Auch wenn die Taufe Jesu im Jordan eine jüdische Bußtaufe war, ist sie dennoch eine der Keimzellen, aus der sich die christliche Taufe entwickelte. Und die hat im Laufe der Jahrhunderte eine reiche rituelle Entfaltung gefunden: Zur „Wassertaufe“ traten immer mehr Zeichen hinzu.

Die Taufkerze wird an der Osterkerze entzündet. Foto: KNA

Das Grundritual der Taufe ist so alt wie das Christentum selbst. Schon in der Pfingsterzählung der Apostelgeschichte wird sie als bekannt vorausgesetzt (Apg 2,38.41). Darüber, wie sie damals gespendet wurde, ist wenig bekannt. Ganz sicher war es aber eine Wassertaufe. 

Schon früh verbanden sich mit der Taufe drei Motive, die heute noch gelten: die Vergebung der Sünden (wie schon bei der Johannestaufe), die Gabe des Heiligen Geistes und die feste Bindung an Christus durch die Taufe „auf den Namen“ (Apg 8,16) oder „im Namen“ (Apg 10,48) Christi. Heute tauft man dagegen „auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (vgl. Matthäus 28,19).

Eine Vorbereitung auf die Taufe gab es zunächst wohl nicht: Die Apostelgeschichte schildert fast durchweg spontane Taufen, teils von Hunderten von Menschen oder „dem ganzen Haus“.

Endgültig ist sie trotzdem: Die Taufe war von Anfang an keine symbolische, sondern eine wirkmächtige Handlung, ein Sakrament, das „für immer“ gilt. 

Die Bilder stammen von einer Taufe in der Kirchengemeinde St. Martin in Dietzenbach (Bistum Mainz) durch Pfarrer Stefan Barton. Fotos: KNA

 

Die Bezeichnung mit dem Kreuz

Foto: KNA

Die eigentliche Taufe ist eingebettet in einen Wortgottesdienst mit Lesungen, Predigt und Fürbitten. Priester, Eltern und Paten bezeichnen dabei den Täufling mit dem Kreuz – ein Segenswunsch und zugleich ein kurzes Glaubensbekenntnis. Anschließend wird das Taufwasser geweiht und der Täufling (stellvertretend: Eltern und Paten) bekennt seinen Glauben und widersagt dem Bösen.

 

 

 

Das Wasser ...

Foto: KNA

war von Anfang an Kernelement der Taufe. Wie bei Johannes wurde sie zunächst in einem fließenden Gewässer durch vollständiges Untertauchen gespendet. Indem man zeichenhaft „für die Sünde starb“ konnte man anschließend „zu neuem Leben mit Christus auferstehen“. In den ersten Kirchen fanden sich begehbare Taufbecken. Als vom 4. Jahrhundert an die Säuglingstaufe üblich wurde, verringerte man das Untertauchen zum Übergießen.

 

 

Die Chrisamsalbung ...

Foto: KNA

ist das erste der sogenannten „ausdeutenden Riten“ (gültig ist die Taufe auch ohne sie, etwa bei einer Nottaufe). Früher wurden nur Könige, Priester und Propheten gesalbt. Daher zeigt die Salbung mit Chrisam, ein geweihtes Olivenöl, die „königliche Würde“ des Christen. Zugleich ist sie eine Verpflichtung, sich wie ein König, Priester oder Prophet für die Weitergabe des Glaubens einzusetzen (vgl. 1. Petrusbrief 2,9). Insofern ist die Taufe Gabe und Aufgabe.

 

 

Das weiße Kleid ...

Foto: KNA

als Zeichen des neuen unschuldigen Lebens wurde erwachsenen Täuflingen überreicht, wenn sie nackt und „wie neugeboren“ in der Osternacht aus dem Taufbecken stiegen. Eine Woche lang trugen sie es ständig, bis sie es am folgenden Sonntag im Gottesdienst feierlich wieder ablegten und Alltagskleidung anzogen. Bis heute heißt dieser Sonntag deshalb „Weißer Sonntag“. Bei „unschuldigen Kindern“ zeigt das weiße Kleid auch die Befreiung von der Erbsünde.

 

 

Die Taufkerze ...

Foto: KNA

wird von einem Elternteil oder Paten an der Osterkerze entzündet. Dabei verbinden sich mehrere Motive. So hat in der Taufe „Christus, das Licht der Welt, Ihr Kind erleuchtet“, wie es im Gebet heißt. Mit dieser Zusage verbindet sich der Auftrag an Eltern und Paten, für das anvertraute Licht zu sorgen, das Kind also im Glauben zu erziehen. Zudem weist die Osterkerze auf den Auferstehungsglauben hin und damit auf die endgültige Heilszusage für den Täufling.

 

 

Der Effata-Ritus, ...

Foto: KNA

der die ausdeutenden Riten abschließen kann, aber nicht muss („Kann-Regel“), nimmt Bezug auf ein Heilungswunder Jesu im Markusevangelium (7,31-37). Der Priester oder Diakon berührt Ohren und Mund des Täuflings und bittet, der Herr möge wie dem Taubstummen im Evangelium auch dem Täufling Mund und Ohren öffnen (Effata, hebr.: „Öffne dich“), „dass du sein Wort vernimmst und den Glauben bekennst.“ Wieder gilt: Taufe ist Gabe und Aufgabe.

 

Von Susanne Haverkamp