14.12.2016

Wenn die Schülerin Laya aus Syrien etwas nicht versteht, hilft eine Patin sofort weiter

Mathe, Märchen, Mädchenkram

An der Niels-Stensen-Schule in Schwerin helfen Schüler im Rahmen eines Paten-Projekts Flüchtlingen. Die Paten helfen bei den Mathehausaufgaben, erklären den Schweriner Weihnachtsmarkt und reden über „Mädchenkram.“ 

Layan aus Syrien (Mitte) braucht keine Angst zu haben, dass sie etwas nicht versteht. Elena (links) und Johanna, ihre Mitschülerinnen aus der neunten Klasse der Niels-Stensen-Schule helfen als Patinnen weiter. Foto: Antonia Schindler 

Um Flüchtlingskindern im Unterricht zu helfen, werden an der Niels-Stensen-Schule auch deutsche Schüler aktiv eingebunden. In einer Art Patenschaft sind für jeden Flüchtling ein oder zwei Klassenkameraden verantwortlich. Sie helfen ihren Klassenkameraden bei Schulaufgaben und geben Tipps für den Alltag.

Elena und Johanna sind 14 Jahre alt und gehen in die 9. Klasse des Gymnasiums der Niels-Stensen-Schule. Im Unterricht sitzen sie seit einiger Zeit neben Layan. Die 17-Jährige stammt aus Syrien und kam vor mehr als einem Jahr nach Deutschland. Seit dem Sommer geht sie in die 9. Klasse der katholischen Schule. 

Sie spricht schon gut Deutsch. Aber Textaufgaben der Naturwissenschaften würden ihr noch
Probleme bereiten, erzählen die Mädchen. „Wenn Layan eine Aufgabe nicht versteht, dann versuchen wir, sie ihr zu erklären. Das ist manchmal kompliziert. Wir wechseln dann ins Englische. Aber auch das bringt nicht mehr viel, da sie schon so gut Deutsch spricht“, erklärt Elena. 

„Tafelbilder sind auch schwierig. Erst einmal ist es nicht einfach, sie zu verstehen und sie dann noch abzuzeichnen – da müssen wir viel helfen. Und wenn dann auch noch der eine oder andere Lehrer keine gut lesbare Handschrift hat, dann ist es sehr schwer“, sagt Johanna. Meike Rodegro ist die Leiterin des gymnasialen Zweigs der Schule und für die Flüchtlingsarbeit zuständig. Sie weiß die Unterstützung durch die Schülerinnen zu schätzen: „Ich kann mich darauf verlassen, dass Layan sich bei Fragen im Unterricht an die Mädchen wendet. Und wenn es dann immer noch Probleme gibt oder etwas unverständlich ist, bin ich ja da.“

Die Mädchen haben aber nicht nur während der Schulzeit miteinander zu tun, sie treffen sich auch ab und zu in ihrer Freizeit. „Dann gehen wir ins Café, machen irgendwo zusammen Hausaufgaben oder reden über Mädchenkram“, erzählt Elena. Sie wollen auch demnächst gemeinsam auf den Weihnachtsmarkt. Layan kennt Weihnachten schon vom vergangenem Jahr, sie findet es schön. Die beiden Deutschen müssen ihr wenig erklären, sogar Märchen kennt sie schon, zum Beispiel das von Rotkäppchen. „Wir hatten das Thema letztens in Deutsch. Der andere Syrer, der bei uns in der Klasse ist, wusste nicht, was Märchen sind“, wirft Johanna ein. „Wir haben ihm dann erklärt, dass das eine Geschichte ist, die wir Deutschen schon seit der Kindheit kennen und immer wieder hören.“ Die Mädchen betonen, dass nicht immer nur die Paten den Flüchtlingen helfen, sondern die ganze Klasse. Das Paten-Projekt gilt für alle Klassen der weiterführenden Niels-Stensen-Schule. In jeder Klasse sind nicht mehr als drei Jugendliche. So ist es möglich, dass jeder die Hilfe bekommt, die er braucht.

Text u. Foto: Antonia Schindler