24.05.2017

Töpferei in Kappeln fertigt Urnen nach den Wünschen der Angehörigen.

Letzte Ruhe im Blumenmeer

Wer für die sterblichen Überreste eines lieben Menschen eine besondere Urne sucht, wird längst nicht nur beim Bestatter oder im Internet fündig. Eine kleine Töpferei in Kappeln fertigt Urnen nach den Wünschen der Angehörigen.

Debora Stock und ihr Vater Rüdiger Stock in ihrer Töpferei
Debora Stock und ihr Vater Rüdiger Stock in ihrer Töpferei, die in diesem Jahr Jubiläum feiert.  Foto: Marco Heinen

Nein, Töpferin wollte Debora Stock (46) eigentlich nicht werden. Lange hatte sie überlegt. Ein kreativer Beruf, das war ihr Ziel. Aber die Töpferei der Eltern übernehmen?! Das kam für sie ebenso wenig in Frage wie für ihre vier jüngeren Geschwister. Bis sich Debora Stock schlussend­lich doch dazu entschied. Es war ein bisschen wie der Biss in einen sauren Apfel. Aber Vater Rüdiger Stock und vor ihm seine Mutter hatten einfach eine zu gute Grundlage gelegt. „Ich habe mir gesagt, darauf kann ich aufbauen und trotzdem meine Kreativität einbringen“, erinnert sie sich. Die Katholikin ist nun Chefin der Töpferei am Rande der Altstadt von Kappeln, die in diesem Jahr ihr 70-jähriges Bestehen feiert.

„Ich habe bei meinem Vater die Ausbildung gemacht, weil er ein sehr guter Lehrmeister ist“, erzählt Debora Stock. Sie ist inzwischen selbst Lehrmeisterin, hat eine Auszubildende und demnächst noch eine zweite. „Ich finde es toll, wenn der Beruf weiterleben kann und da ist das Ausbilden nun einmal ein wesentlicher Punkt“, sagt die Chefin. Außerdem werden ein Geselle, eine Malerin und noch zwei Hilfskräfte beschäftigt. Um allen ein Auskommen zu ermöglichen, müssen ordentlich Tassen, Teller, Schüsseln, Krüge, Vasen und andere Gebrauchskeramik verkauft werden. Aber das kleine Unternehmen fertigt auch ganz besondere Dinge an. Urnen zum Beispiel.

Vor einigen Jahren hatte einfach mal jemand gefragt, ob es möglich wäre, eine Keramikurne­ zu bekommen. „Ja, warum nicht“, lautete die Antwort. Die Kunsthandwerkerin informierte sich bei einem Bestatter und ließ sich vor allem eine der genormten Kapseln geben, in die im Krematorium die Asche des Verstorbenen gefüllt wird. Diese Kapseln werden letztlich in die Urne eingesetzt.

 

So ähnlich sah die Urne für einen Wikinger-Interessierten aus.
Foto: Marco Heinen

„Jede Urne ist bei uns ein Unikat.“

Bei der einen Urne sollte es nicht bleiben, auch wenn von einer Massenproduktion in jeder Hinsicht keine Rede sein kann. Denn mehr als drei Stück pro Jahr werden nur selten nachgefragt und meist ist es ein Tipp von früheren Kunden, mit dem Trauernde dann in den Laden kommen. „Jede Urne ist bei uns ein Unikat. Es gibt für jeden eine einzelne Beratung und Gestaltung“, sagt Debora Stock.

Von ganz schlichten Formen (ab 300 Euro) bis zu aufwendig gestalteten Urnen (die dann bis zu 750 Euro kosten können) ist alles möglich. So hatte sich eine Familie eine Urne mit einer Sommerwiese drauf gewünscht, weil die Verstorbene den Garten geliebt hatte. Für einen anderen Verstorbenen, der sich sehr für Wikinger interessierte, wurde ein Wikingerschiff mit Gefäß entworfen. Während das Gefäß mit der Asche beigesetzt wurde, blieb das Wikingerschiff in der Familie, als Symbol der Verbundenheit auch nach dem Tod. Solange die Funktionalität gegeben ist, sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. „Sie können auch ein kleines Mausoleum bekommen“, meint Debora Stock, die übrigens nicht die einzige Töpferin in Schleswig-Holstein ist, die Urnen fertigt.

Für die Gefäße wird ein grober Ton verwendet, der mit vorgebranntem Ton (Schamotte) versetzt wird. Damit sich das Gefäß nicht verzieht, wird es extra langsam getrocknet. Deswegen dauert es mindestens vier Wochen, vom Auftrag bis zur fertigen Urne. Da Krematorien in der Regel ebenfalls diese Zeit benötigen, ist das aber nicht so schlimm. Vater Rüdiger Stock ist eine Urne allerdings kurz vor der Fertigstellung mal runtergefallen und entzwei gebrochen. „Dann macht man schnell eine neue. Und manchmal hexen wir dann auch ein bisschen“, sagt er lachend.

Die Töpferei ist auf dem Pfingstmarkt in Süderschmedeby (bei Sieverstedt an der A7) vom 3.–5. Juni dabei. www.toepfereistock.de

Text u. Fotos: Marco Heinen