20.04.2016

Wallfahrtssaison startet

Länger, größer, älter, frommer

Die Füße schmerzen, die Sonne brennt, doch das Pilgerbuch fest in der Hand. Die Wallfahrtssaison startet: eine kleine Auswahl von Superlativen in Deutschland.

 

Egal ob Sonnenschein oder Regen: Die Osnabrücker Wallfahrt nach Telgte zieht jährlich Tausende an.
Foto: Thomas Osterfeld

Marienborn ist vor allem als Grenzübergang zwischen Bundesrepublik und DDR bekannt – als Wallfahrtsort ist die Gemeinde in Sachsen-Anhalt ein Geheimtipp. Anfang des 11. Jahrhunderts erschienen einem Hirten im Traum Maria und Jesus; zudem versenkten Engel eine Marienfigur in einem Brunnen. Seit 1190 steht über dieser Quelle eine Kapelle und macht Marienborn zum vermutlich ältesten Wallfahrtsort Deutschlands. Übrigens: Die Statue aus dem Traum des Hirten ist tatsächlich im Brunnen gefunden worden und heute der wichtigste Kunstschatz der kleinen Kapelle.

Die längste Fußwallfahrt Europas – diesen Titel nimmt die Fußwallfahrt der Landvolkbewegung im Bistum Eichstätt für sich in Anspruch. Alle zwei Jahre machen sich gut 40 Mitglieder auf den Weg von Pfünz ins schweizerische  Flüeli: 450 Kilometer Strecke, täglich rund 40 Kilometer. Warum Flüeli? Dort lebte im 15. Jahrhundert ihr Patron, Nikolaus von der Flüe, der sich als Seelsorger für die Bauern einen Namen machte. 

Die längste Fußwallfahrt an einem Tag führt übrigens von Landshut nach Altötting. Die 65 Kilometer laufen die Pilger in insgesamt 17 Stunden – durch die Nacht hindurch, bis sie am Morgen den bedeutendsten Marienwallfahrtsort Deutschlands erreichen. 

Zahlenmäßig liegen allerdings die Osnabrücker vorne: Jedes Jahr führt die größte Fußwallfahrt durchschnittlich 8500 Pilger von Osnabrück ins Münsterland nach Telgte. In den letzten Jahren wurde regelmäßig die 10 000er Marke geknackt. Noch mehr Gläubige zieht es zum wichtigsten Pilgerort des Bistums Münster: Eine Million Menschen reisen jährlich zum Marienbild nach Kevelaer.

 

Mit dem Reisemobil auf Pilgerfahrt am Niederrhein

Bequemer geht es in einer anderen Ecke des Niederrheins, in Goch, zu. Die Geburtsstadt des Gründers der Steyler Missionare, Arnold Janssen, ist seit 2005 als Wallfahrtsort anerkannt und vermutlich der jüngste Pilgerort Deutschlands. Vielleicht ist es die Nähe zur niederländischen Grenze, aber seit acht Jahren treffen sich jährlich 200 Besitzer von Reisemobilen zur Pilgerfahrt auf Janssens Spuren – Fahrzeugsegnung und -korso durch die Innenstadt inklusive.

Ein Anrecht auf den Titel „Frommster Ort Deutschlands“ könnte die Stadt Dormagen haben. Innerhalb der Stadtgrenze gibt es drei Wallfahrtsorte: Die Salvatorstatue in Dormagen, die Odilienkirche im Ortsteil Gohr und die Schmerzhafte Muttergottes in der Basilika im Ortsteil Knechtsteden ziehen die Pilger an. Kandidat für das wohl frommste Bistum ist Görlitz. Bis zu 3000 Gläubige machen sich bei der Bistumswallfahrt auf den Weg nach Neuzelle – das sind umgerechnet auf die Katholikenzahl des Bistums stolze zehn Prozent.

Und auch das Bistum Erfurt lässt sich nicht lumpen: An diesem Sonntag wallfahren Pilger aus ganz Mitteldeutschland zum Kloster Volkenroda. Das Besondere: Es ist die wohl größte ökumenische Wallfahrt in Deutschland.

Von Kerstin Ostendorf

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