16.12.2015

Flüchtlingsrat verleiht Benediktinern „Leuchtturm des Nordens“ für die Gewährung von Kirchenasyl

Kloster ist jetzt ein Leuchtturm

Der Kieler Verein „Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein“ hat jetzt die Benediktinermönche des Klosters Nütschau mit dem Titel „Leuchtturm des Nordens 2015“ geehrt. 

Martin Link vom Flüchtlingsrat (Dritter von links) übergab den Leuchtturm an Bruder Benedikt (rechts)
und Prior Johannes Tebbe (links daneben).      Foto: Riad El Lawn 

Damit werde ihr großes Engagement für von Abschiebung bedrohte Flüchtlinge gewürdigt, teilte der Flüchtlingsrat Anfang Dezember bei der Preisverleihung im Kloster mit. Mit „regelmäßiger und bedingungsloser Solidarität“ räumten die Benediktiner von Abschiebung bedrohten Flüchtlingen unter ihrem Dach Asyl ein, hieß es zur Begründung.

Die Lübecker Psychotherapeutin und Vorjahrespreisträgerin Brigitta Oehmichen verwies in ihrer Laudatio darauf, dass 14 Flüchtlinge seit 2013 im Kloster Aufnahme gefunden hätten. Sie seien sämtlich von Rücküberstellung in Dublin-Vertragsstaaten bedroht gewesen. „In Ungarn, Bulgarien, Italien oder Norwegen hätte ihnen im besten Fall Inhaftierung und sozial unversorgtes Leben in der Obdachlosigkeit und im schlimmsten die Kettenabschiebung in ihr Herkunftsland gedroht“, so Oehmichen. 

Bruder Benedikt Hülsmann begründet das Engagement der Gemeinschaft mit einem Satz aus der Ordensregel des heiligen Benedikt, der sinngemäß lautet: „Jeder Gast soll begrüßt werden, als ob er Christus selbst ist.“ Die Gemeinschaft habe gezögert, den Preis anzunehmen, „weil es eigentlich beschämend ist für Christen“, so Bruder Benedikt vor Journalisten. Es gehe um gelebtes Christentum, so gesehen sei es „nichts Besonderes, was wir tun.“

Die Auszeichnung geschehe auch „stellvertretend für all diejenigen, die sich anderenorts in Kirchenkreisen und Gemeinden für von Aufenthaltsbeendigung bedrohte und rückkehrgefährdete Flüchtlinge engagieren“, erläuterte Martin Link, Geschäftsführer des Flüchtlingsrats. Das Kirchenasyl sei „ein wichtiges Instrument, das wirklich noch einmal zum Innehalten bringt.“ Es ermögliche den Behörden und Hilfsorganisationen, sich noch einmal mit einem Fall zu befassen. Laut Flüchtlingsrat gab es im nördlichsten Bundesland bislang 60 Fälle von Kirchenasyl.

Text: kna, Marco Heinen, Klaus Böllert