09.08.2017

Die katholische Kirche auf Pellworm zeigt, dass es anders gehen kann

Kleine Kapelle, große Hilfe

Das Momme-Nissen-Haus auf Pellworm wird seit 13 Jahren allein durch einen Förderverein und aus Spenden finanziert – und das, obwohl die Zahl der Katholiken auf der Insel gering ist.

Das Momme-Nissen-Haus auf Pellworm
Ein Teil des Dachs des Momme-Nissen-Hauses wurde jetzt mit finanzieller Hilfe des Bonifatiuswerks und privater Spender neu eingedeckt.  Foto: Marco Heinen

Die Sorge um die Zukunft einzelner Gotteshäuser treibt die Gläubigen im Erzbistum um. Zuletzt war aus dem Pastoralen Raum Kiel zu hören, dass man in absehbarer Zeit wohl nicht um die Schließung einzelner Kirchen herumkommen werde. Angesichts der prognostizierten sinkenden Kirchensteuereinnahmen und des wachsenden Sanierungsbedarfs vieler Kirchen und Gemeindehäuser sind neue Konzepte gefragt, wenn Gemeinden das scheinbar Unausweichliche verhindern wollen. Patentrezepte gibt es nicht, aber Beispiele, wie es funktionieren kann.

1978 wurde die St. Petrus-Kapelle geweiht

Das Momme-Nissen-Haus auf Pellworm ist so ein Beispiel. ­Msgr. Peter Schmidt-Eppendorf, der in den 1970er Jahren Pfarrer auf Nordstrand war, setzte sich seinerzeit dafür ein, dass ein alter Bauernhof gekauft wurde. Messen wurden zu der Zeit in einer der beiden evangelischen Kirchen der Insel gefeiert. Mit finanzieller Unterstützung des damals zuständigen Bistums Osnabrück und des Bonifatiuswerks wurde der neu erworbene Hof umgebaut und es entstand die St. Petrus-Kapelle, die 1978 geweiht wurde. Das Haus selbst wurde nach Benedikt Momme Nissen (1870–1943) aus Deezbüll benannt, einem Künstler, der 1902 zum Katholizismus konvertiert war, 1916 dem Dominikanerorden beitrat und zum Priester geweiht wurde.

Im Zuge von Umstrukturierungen im Jahre 2004 drohte bereits wieder die Schließung. Doch das Momme-Nissen-Haus hatte schon viele gute und teils prominente Freunde gefunden, die bereit waren, sich auch finanziell zu engagieren. Es gründete sich ein Förderverein, der heute 47 Mitglieder hat. Alterzbischof Werner Thissen erlaubte den Weiterbetrieb des Hauses nur unter der Maßgabe, dass der Förderverein jährlich 10 000 Euro für laufende Kosten und Rücklagen einwirbt. Denkbar knapp kam diese Entscheidung. „Das war schon nach dem Schließungsbeschluss“, erinnert sich Vereins-Schatzmeister Franz Josef Wittkampf. Er reist mit seiner Frau Elisabeth regelmäßig aus der Pfalz an, um Urlaub auf der Insel zu machen. 

Geld vom Bistum gab es damals für das Haus nicht mehr und doch ging die Rechnung auf. „Seit 13 Jahren schon“, wie die (evangelische) Vereinsvorsitzende Margrit Rahn betont. Damit die Jahresrechnung stimmt, ist der Förderverein auf jeden Euro angewiesen. Von den Kollekten für die Gemeinde verbleibt jeder Cent auf Pellworm. Hinzu kommen Mitgliedsbeiträge des Vereins, die mit 30 Euro pro Person jedoch eher symbolischen Charakter haben. Auch die Einnahmen aus den Übernachtungsgeldern – es gibt zwei Gastzimmer – decken nur einen kleinen Teil der Kosten. Gastpriester und Seelsorger (Diakone, Pastoralreferenten, Ordensschwestern), die in der Urlaubssaison von März bis Ende Oktober Messen oder Wortgottesfeiern leiten, müssen nichts bezahlen. Mitreisende Angehörige oder Mitbrüder schon. „Doch der große Brocken sind Spenden“, benennt Franz Josef Wittkampf die Haupteinnahmequelle.

In normalen Jahren sind es vor allem die Vereinsmitglieder, die ein Vielfaches ihrer Beiträge zusätzlich spenden. Doch es gibt auch Jahre, in denen sehr viel mehr Geld für den Erhalt des Hauses locker gemacht werden muss. So ist gerade erst ein Teil des Daches neu mit Reet eingedeckt worden. Kostenpunkt: über 32 000 Euro. 2013 waren bereits rund 22 000 Euro in die Sanierung eines anderen Teils des Dachs geflossen und die aufwendige Sanierung der Fenster von Franz Griesenbrock liegt auch noch nicht so viele Jahre zurück.

Das Bonifatiuswerk hilft bei größeren Vorhaben

Ohne großzügige Zuschüsse des Bonifatiuswerks, das allein für die Arbeiten am Dach bislang 19 000 Euro gegeben hat, würde das nicht gehen. Hilfe kommt auch von den vor Ort ansässigen Firmen. Einen besonders großen Beitrag leistete außerdem ein Jesuitenpater aus Nürnberg, der so fleißig die Werbetrommel rührte, dass allein er etwa ein Drittel der Spenden für den zweiten Teil der Dachsanierung einwarb.

Heute lebt vielleicht gerade mal ein halbes Dutzend Katholiken tatsächlich das ganze Jahr über auf der Insel und auch die Teilzeit-Einwohner vom Festland mit ihren Zweitimmobilien machen den Kohl nicht richtig fett, wenn unterm Strich gerade einmal rund 80 katholische Einwohner (bei weniger als 1 200 Inselbewohnern) gezählt werden. Allerdings sind da eben auch noch die Urlauber, so dass in den Ostergottesdiensten dann schon einmal um die 40 Gottesdienstbesucher gezählt werden. „Es ist sehr familiär hier“, meint Schatzmeister Wittkampf. Und Familien halten bekanntlich gut zusammen.

Text u. Foto: Marco Heinen