03.01.2018

Beim Sternsingen hinter die Kulissen geschaut

Kleine Könige und ihre Kamele

Wenn Sternsinger von Haustür zu Haustür ziehen, haben sie oft schon eine ganze Menge Arbeit hinter sich, wie das Beispiel aus Neumünster zeigt.

Sternsingerinnen bei der Durchsicht der Königsgewänder
Lara, Natalie, Adrienn und Pia (v.li.) bei der Durchsicht der Königsgewänder.
Foto: Marco Heinen

Das hört sich doch schon ganz gut an! 30 Kinder und einige Eltern – die man hier liebevoll als „Kamele“ bezeichnet – sind ins Eduard-Müller-Haus in Neumünster gekommen, um die Lieder für das Sternsingen einzustudieren. Mit einem fröhlichen „Gloria, Gloria, Gloria, öffnet die Türen weit; Gloria, Gloria, Gloria, es ist Sternsingerzeit“, beginnt der Nachmittag. Doch Tatjana Philippsen, die quasi die Qualitätsbeauftragte für den Gesang ist, sieht noch nicht zufrieden aus. „Hier klingt es noch ein bisschen müde“, meint sie augenzwinkernd und weist auf ein paar Kinder im Stuhlkreis. Aber es ist ja auch nur ein erstes Lied zum Warmwerden bei dieser zweiten Probe der Sternsinger.

Eine gute Vorbereitung ist die halbe Miete

Julia Weldemann, die viele Jahre Gemeindereferentin der Pfarrei St. Maria – St. Vicelin war und jetzt in Hamburg tätig ist, hat die Planung übernommen. Planung meint in diesem Fall, dass tatsächlich an alles gedacht ist: ein Vorbereitungstreffen der Erwachsenen gab es Anfang Dezember, gefolgt von einer ersten Probe mit den Kindern, bei der es um das Jahresthema der Aktion Dreikönigssingen ging, nämlich das Thema Kinderarbeit in Indien. Außerdem wurden noch zwei Proben für Kostüme und Gesang angesetzt. Zwar sind nicht alle angemeldeten 45 Kinder an diesem Tag dabei (meist werden es am Ende ohnehin um die 60 Kinder und 15 Erwachsene), doch die anwesenden kleinen Könige verfolgen die Sache mit großem Ernst. 

So auch die Aufteilung in die vorerst zehn Gruppen, die nicht nur in Neumünster ihr „Christus segne dieses Haus“ zu den Menschen bringen, sondern etwa auch in Hohenwestedt (das zu einem anderen Pastoralen Raum gehört), Flintbek und Bordes­holm. Allein bis Hohenwestedt, wo zwei Familien warten, sind es von Neumünster aus rund 30 Kilometer. Und das erklärt nun auch, warum die kleinen Sternsinger „Kamele“ brauchen, denn ohne den fahrbaren Untersatz der Eltern geht es in den ländlichen Regionen nicht.

Sternsingerprobe in Neumünster
Drei Proben waren für die Sternsinger in Neumünster angesetzt. 
Foto: Marco Heinen

Alle Sternsinger erhalten zwei CDs mit den Liedern

Doch zurück zur Gesangsprobe. Für alle Sternsinger gibt es zwei CDs. Die eine ist die aktuelle CD vom Kindermissionswerk und enthält sechs Lieder sowie die jeweilige Instrumentalversionen. Was es damit auf sich hat? Julia Weldemann weist auf einen gro-ßen mobilen Lautsprecher. „Wenn wir in der Holsten-Galerie sind, dann schmeiße ich dieses Gerät an. Da sind die Playback-Versionen drauf. Und die Kinder singen dann dazu“, erklärt sie. Die andere CD enthält übrigens einige Sternsingerlieder der vergangenen Jahre. „Kamele singen für Könige“ steht drauf und die machen ihre Sache wirklich gut. Beide CDs sollen im Auto, beim Frühstück oder im Kinderzimmer das Erlernen der Lieder und ihrer Texte erleichtern. Während oben gesungen wird, wird Gruppe für Gruppe im Keller eingekleidet. Dort stehen zahlreiche Kisten mit Gewändern und Umhängen. Es wird gekramt und anprobiert, verworfen und am Ende doch­
gefunden.

Die Sternsinger von Neumünster sind nicht nur an diesem Sonntag auf Achse. An insgesamt vier Tagen sind Besuche in den katholischen Kitas, im Rathaus, im Einkaufszentrum Hols-
ten-Galerie, in der Redaktion der Lokalzeitung und bei der Bahnhofsmission geplant. Auch ein großer Festgottesdienst steht auf dem Programm. Übrigens beteiligen sich in Neumünster auch drei evangelische Gemeinden an der Sternsinger-Aktion. Wer also noch auf die letzte Minute einen Besuch der Sternsinger erbitten möchte, hat noch gute Chancen. Anmeldungen direkt bei Julia Weldemann unter Tel. 0176 / 20 68 66 84

Text u. Fotos: Marco Heinen