16.08.2017

Der Lebensweg Martin Luthers erzählt mit biblischen Erzählfiguren

Kleine Figuren kommen groß raus

Martin Luther und die Reformation: Eine Katholikin hat eine Ausstellung zu Luthers Lebensweg mit 75 beweglichen Figuren konzipiert und gestaltet, die noch bis Ende September in Waren gezeigt wird. 

Birgit Jordan mit ihrem biblischen Erzählfiguren zum Lebensweg Martin Luthers
Birgit Jordan hat viel Arbeit investiert.  Foto: Sophie Ludewig

Seit 15 Jahren stellt Birgit Jordan (52) bewegliche Figuren her, deren Gestaltung auf die Idee einer Dominikanerin aus der Schweiz zurückgeht. Nun hat die Katholikin mit 75 Figuren Martin Luthers Lebensweg und entscheidende Etappen der Reformation nachgestellt. Acht Monate hat sie daran gearbeitet. „Eigentlich waren am Anfang ja nur zehn Figuren geplant“, erzählt Birgit Jordan schmunzelnd. „Aber als ich dann erst einmal dabei war, konnte ich mich nicht mehr bremsen – das Thema hat mich richtig gepackt.“ 

Von seiner Kindheit über den Thesenanschlag und den Reichstag zu Worms bis hin zur Bibelübersetzung auf der Wartburg –
immer hat Birgit Jordan die Figuren und Requisiten mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Am kniffligsten sei der Universitätsprofessor Luther gewesen, vor allem sein spezieller Hut: „Bis der richtig saß, habe ich mir oft mit der Nadel in den Finger gestochen.“ Spannend sei das alles gewesen: „Klar, den Thesenanschlag und die Bibelübersetzung kannte ich natürlich. Aber den Ablauf seiner Auseinandersetzung mit Rom
und das ganze Drumherum – all die Erfindungen und die Lebensumstände der Menschen damals – habe ich ganz neu entdeckt und dann natürlich in meine Arbeit mit einfließen lassen.“ 

Wie kam sie dazu, eine Ausstellung über den Reformator zu konzipieren? „Dieser Mut von Martin Luther, seinen Glauben vor aller Welt zu bezeugen und zu verteidigen, das hat mich sehr beeindruckt. Das brauchen auch die Kirchen von heute!“ 

Christ zu sein, das bedeute ihr viel, sagt Jordan. Sie ist sich sicher, dass Katholiken und Pro­testanten eines Tages wieder ganz zueinander finden. Bis dahin sollte ihrer Meinung nach die Ökumene mit viel Leben erfüllt werden, und so hat sie (nicht nur) für dieses Jahr einen Vorschlag: „Ich wünsche mir, dass wir alle am 31. Oktober den Reformationstag feiern und Halloween vergessen. Wenn die Kinder schon vorbeikommen, warum ihnen dann nicht eine Lutherrose oder einen Lutherbonbon schenken und sie damit an einen wichtigen Aspekt der Geschichte ihres eigenen Landes erinnern?“

Noch bis zum 30. September ist die Ausstellung „Lutherjahr(e)“ in der evangelischen Georgenkirche (Sankt-Georgen-Kirchplatz 1) in Waren zu besichtigen.

Text u. Foto: Sophie Ludewig