02.10.2013

Drei Bistümer bilden die Norddeutsche Metropolie / Fragen an Erzbischof Werner Thissen

Kirchenprovinz der Superlative

Die Norddeutsche Kirchenprovinz hat gleich mehrere Superlative. Sie ist die jüngste deutsche Provinz, sie ist die flächenmäßig größte und von der Katholikenzahl her die kleinste. Metropolit ist der Hamburger Erzbischof Werner Thissen.

Welche Aufgabe haben Sie als Metropolit?

Als ich die Nachfolge von dem kürzlich verstorbenen ersten Hamburger Erzbischof Ludwig Averkamp angetreten habe und selbst Erzbischof wurde, da sagte ein kleiner Junge: „Jetzt haben wir wieder einen Herzbischof.“ Da steckt für mich etwas von der Beschreibung meiner Aufgaben drin. Zum einen, mit ganzem Herzen für die Menschen in meinem Bistum und in der Metropolie dazusein. Und zum anderen, ihr Herz anzurühren durch die Frohe Botschaft Jesu. Aber es gibt natürlich noch Aufgaben, die das Kirchenrecht vorsieht.

Da ist unter anderem die Rede vom Wachen über Glauben und kirchliche Disziplin und, wenn notwendig, Verfehlungen an den Papst zu melden. Kommt das öfter vor?

Nein, in den elf Jahren, die ich jetzt Metropolit bin, ist alles in rechten und einvernehmlichen Bahnen gelaufen. Die Zusammenarbeit klappt reibungslos und ohne Probleme. Ich musste nie einschreiten. Ganz im Gegenteil. Wir Bischöfe oder wir in den Bistumsleitungen verstehen uns sehr gut. Das sind die besten Voraussetzungen für eine gute Zusammenarbeit. Ursprünglich war das anders. Da hatte der Metropolit eine Machtstellung und konnte direkt in das Geschehen der Suffraganbistümer eingreifen. Heute sieht das anders aus. Meine Aufgaben liegen weniger im rechtlichen, sondern vielmehr im mitbrüderlichen Bereich.

Wie sieht das konkret aus?

Zweimal im Jahr treffe ich mich mit meinen Mitbrüdern – Bischof Franz-Josef Bode aus Osnabrück und Bischof Norbert Trelle aus Hildesheim. Diese Treffen sind nicht rechtlich vorgeschrieben, mein Vorgänger hat sie eingeführt. Und ich empfinde sie als sehr nützlich. Neben einer kleinen Tagesordnung sind sie für uns ein wichtiger Ort des Erfahrungsaustausches. Und: Hier können wir uns gegenseitig unsere Sorgen erzählen und neue Ideen entwickeln. Darüber hinaus treffen wir uns bei den Bischofsvollversammlungen und beim Ständigen Rat der Bischofskonferenz, bei dem ja alle Diözesanbischöfe regelmäßig zusammenkommen.

Welche Vorteile resultieren aus der Metropolie – und gibt es auch Nachteile?

Nachteile fallen mir keine ein, Vorteile aber umso mehr. Nicht jeder von uns muss das Rad neu erfinden. Wir können die Erfahrungen des anderen nutzen und darauf aufbauen. Gerade wenn ich an die pastoralen Räume denke. Da bin ich den Hildesheimern sehr dankbar, denn von dort kommen gute Impulse, die wir oder auch das Bistum Osnabrück gut in unsere Überlegungen und unsere Arbeit einbauen können. Oder wenn ich an Großprojekte denke wie die gemeinsame Wahl der Pfarrgemeinderäte und Kirchenvorstände, das neue Gotteslob oder die gemeinsame Niels-Stensen-Wallfahrt der Metropolie, die das Bistum Osnabrück organisiert. Nennen möchte ich hier auch die gemeinsame Veranstaltung der Metropolie mit norddeutschen Politikern am 7. November in Berlin. Da werden wir die Lübecker Märtyrer in den Mittelpunkt stellen. Kurz zusammengefasst: Vor allem pastorale Initiativen gehen wir gern gemeinsam an.

Welche Rolle spielt die kirchliche Gerichtsbarkeit innerhalb der Metropolie?

Als das Erzbistum Hamburg gegründet wurde, hat man auf ein neues eigenständiges Kirchengericht verzichtet. Wir haben uns an das Bistum Osnabrück angehängt. Schließlich gehörten große Teile des Erzbistums vor der Gründung 1995 zu Osnabrück. Aber die Planung sieht so aus, dass wir die beiden Kirchengerichte in Hildesheim und Osnabrück zu einem zusammenlegen wollen – also ein Kirchengericht für die Metropolie, wobei die Standorte jeweils erhalten bleiben sollen.

Gemeinden werden zusammengelegt, auch Dekanate. Ist zu erwarten, dass die drei Bistümer der Metropolie irgendwann einmal nur noch ein Bistum sein werden?

Allein mit Blick auf die riesige Fläche unserer Metropolie und die damit verbundene Problematik der Pastoral kann ich mir das nicht vorstellen. Die Strukturen in der Kirche haben sich so gewaltig verändert, wie es in den letzten Jahrhunderten nicht geschehen ist. Unsere Herausforderung ist, dass wir nicht bei den strukturellen Veränderungen stehen bleiben, sondern dass sich die Kirche auch innen verändert, dass die äußerlichen Veränderungen im kirchlichen Leben spürbar werden. Auch das ist eine gemeinsame Aufgabe für die Metropolie.

Interview: Edmund Deppe

Fotos: Andreas Hüser und Marco Heinen