31.05.2017

Zweiter Bistumstag des Erneuerungsprozesses

Kirche geht auf Sendung

Worin besteht die Sendung der Kirche im Norden? Diese Frage steht am 10. Juni beim zweiten Bistumstag des Erneuerungsprozesses an. Auf dem Weg zu einem pastoralen Orientierungsrahmen sind alle Gläubigen eingeladen, mitzugehen. 

Auftaktveranstaltung im St. Mariendom zum Erneuerungsprozess im Erzbistum Hamburg
Der erste Bistumtag, Auftakt zum Erneuerungsprozess.  
Foto: Kathrin Erbe

„Missionarische Kirche“ sein, das ist das erklärte Ziel, das alle Projekte im Rahmen des Erneuerungsprozesses im Erzbistum Hamburg verbindet. In allen Teilprojekten wie Kita, Schule, Pfarreien oder Caritas soll es eine stärkere missionarische Ausrichtung geben. 

„Der Begriff Mission weckt ja viele Fantasien, und viele sehen ihn auch kritisch“, sagt Jens Ehebrecht-Zumsande, Leiter des Strategiebereichs „Missionarische Kirche“. „Es geht aber um die Sendung Jesu Christi, an der wir teilhaben.“ Das Wort „missionarisch“ steht dabei für eine Kirche, die sich nicht in exklusiven Zirkeln versteckt, sondern „auf Sendung geht“ und ins Gespräch kommt mit der Außenwelt. 

„Als missionarische Kirche wissen wir uns im ständigen Aufbruch, um das Licht immer dorthin zu tragen, wo es am meisten fehlt und um eine positive Antwort auf den Auftrag der Kirche im Heute zu finden, um Gutes zu fördern und Neues zu wagen“, heißt es in einem Impulspapier des Erzbischöflichen Rates. Die missionarische Kirche soll nicht mit einer Werbebotschaft hausieren gehen, sondern das Gespräch suchen und erst einmal zuhören: „Wir möchten Dialog sein, indem wir auf jeden Menschen zugehen und mit dem Zuhören beginnen.“

Wie soll das aussehen? Jens Ehebrecht-Zumsande: „Es geht hier nicht um spektakuläre Aktionen, sondern um Haltungen.“ An vielen Orten im Bistum sei missionarische Kirche schon Wirklichkeit. Fünf Modellprojekte werden sich in einem kurzen Film auf der Leinwand präsentieren.

Vor dieser Präsentation wird es eine gemeinsame Meditation eines Bibeltextes (die Erscheinung des Auferstandenen hinter verschlossenen Türen, Joh 20,19–23) geben, danach ein theologisches Impulsreferat. 

Zu Gast ist Dr. Michael Meyer, Missionswissenschaftler des Katholischen Missionswerks missio. Er hat sieben Jahre in Bolivien gearbeitet und sich in seiner Dissertation mit dem missionarischen Wesen der Kirche beschäftigt. Sein Impulsvortrag wird sich mit Aussagen des Konzils beschäftigen und mit den Anstößen von Papst Franziskus. Von der „Insel der Glückseligen“ zur „missionarischen Jüngerschaft“. 

Ein wichtiger Teil des Bistumstages besteht in der Arbeit der Kleingruppen am Nachmittag. „Wir werden diese Gruppen wesentlich kleiner machen als beim ersten Bistumstag im November“, kündigt Jens Ehebrecht-Zumsande an. Die Gruppen werden nicht größer als 25 Personen sein. In den Gruppen geht es vor allem um eine geistliche Unterscheidung. Was ist für eine missionarische Kirche im Norden wesentlich?

Was wollen wir? Was können wir uns leisten? Was tun wir zuerst?

Die Ergebnisse werden zusammengetragen und in verschiedenen Gremien sowie in den Pfarreien, Verbänden und Berufsgruppen der pastoralen Dienste weiter beraten. So werden sie Grundlage für einen „pastoralen Orientierungsrahmen“ des Erzbistums. Dieser könnte dann Ende des Jahres als Entwurf vorliegen und in einem weiteren Bistumstag verabschiedet werden. 

Die Frage der Finanzen – ein wichtiger Teil des Erneuerungsprozesses – steht am 10. Juni nicht an. „Der gesamte Prozess soll in drei Schritten vorgehen“, sagt Ehebrecht-Zumsande. „Zuerst wollen wir vergewissern und klären, wie wir Kirche sein wollen. Was sind unsere Optionen? Im zweiten Schritt werden wir fragen: Was sind unsere Möglichkeiten? Wie können wir finanzieren, was wir wollen? Im dritten Schritt geht es um die Entscheidung, was wir konkret realisieren.“

Was es bisher nicht gab: Drei Beobachter „von außen“ werden den Tag begleiten und aus ihrer Sicht kommentieren. Es sind die evangelische Pastorin Anne Gidion, Rektorin des Pastoralkollegs Ratzeburg, der Theologe Gerrit Spallek (Instititut für katholische Theologie Hamburg) und der Journalist Patrik Schwarz, geschäftsführender Redakteur der „Zeit“, unter anderem zuständig für die Ausgabe „Christ und Welt“. 

Eingeladen hat der Erzbischof alle Menschen, die sich für die Zukunft der Kirche im Norden interessieren. Erzbischof Heße: „Ihre Teilnahme und ihr Gebet sind mir sehr wichtig. Gemeinsam können wir eine vielfältige Kirche mit Ausstrahlung und Relevanz sein!“ 

Anmeldungen sind noch möglich bei Stefanie Murawski unter Tel. 040 / 248 77-280, E-Mail: murawski@erzbistum-hamburg.de

Text: Andreas Hüser