28.06.2017

Wallfahrt nach Dreilützow

Keine Angst vor neuen Wegen

Früh aufstehen, das war für die Dreilützower Wallfahrer in diesem Jahr kein Problem. Das Prasseln des Regens weckte sie schon in den ersten Stunden des Morgens. Trotzdem kamen 800 Menschen wieder in den Walddom am Schloss. 

Erzbischof Heße begegnet Wallfahrern in Dreilützow
Gute Stimmung, auch bei mittelgutem Wetter. Erzbischof Stefan Heße begegnet Wallfahrern in Dreilützow  Foto: Hüser

Die 15 Schweriner Jugendlichen, die mit Kaplan Heiko Kiehn schon am Vortag per Rad gekommen waren, hatten das große Rauschen schon im Zelt, bei geistlichen Gesprächen als Hintergrund. „Herr, erneuere deine Kirche“, hieß das Wallfahrtsmotto. Und ein Aspekt kehrte während des Tages immer wieder: Keine Angst haben! Ein ganz und gar angstfreier Held trat vor den Kindern im Treibhaus auf: Das tapfere Schneiderlein, das mit List und Selbstvertrauen ein Ungeheuer nach dem anderen besiegt. In der Welt der Erwachsenen ist das alles schwieriger. Angst vor Gott ist die Ausgangslage, in der die Menschheit nach Adam und Eva sich befindet. „Aber wir brauchen nicht mehr vor Gott wegzulaufen, seit Jesus die Verhältnisse umgekehrt hat“, sagte Erzbischof Stefan Heße in der Predigt. Mit Jesus, der immer die Nähe Gottes gesucht hat, können wir uns dem Vater in die Arme werfen. „Gott nimmt nicht die Furcht weg. Aber er hilft uns und steht uns in der Furcht bei. Und gerade in Furcht und Angst wachsen Vertrauen und Liebe.“ Das zeigen die großen Christen der Vergangenheit. Die Lübecker Märtyrer etwa, die in der Todeszelle beides erlebt haben: Angst vor dem drohenden Schicksal, aber auch die feste Gewissheit, dass Gott bei ihnen ist. 

Dass auch in der heutigen Situation der Kirche Mut nötig ist, verdeutlichten vier Christen in einer Gesprächsrunde, die Pastoralreferent Matthias Bender moderierte. Sich von geringer werdenden Zahlen nicht entmutigen lassen, Neues wagen, den Geist Gottes auch außerhalb der Kirche suchen – und immer wieder nach Christus fragen. „Wenn wir Christus den Menschen bringen wollen, müssen wir ihn selbst haben“, sagte Schwester Katharina aus Schwerin. 

Kardinal Meisner kommt zur Gedenkfeier

Die Wallfahrer erinnerten sich noch an einen weiteren mutigen Mann. Bischof Heinrich Theissing, der am 11. Dezember vor 100 Jahren geboren wurde, war zwar kein Märtyrer. Aber er hat die Kirche Mecklenburgs für das Leben in der Gegenwart gerüstet, wie Georg Diederich anhand einer neuen Wanderausstellung skizzierte. Bischof Theissing wagte in der Seelsorge viel Neues, etwa indem er die Laien stärkte oder indem er große Wallfahrten einrichtete. Und er war sich nicht zu schade, selbst eine Caritas-Sammelbüchse in die Hand zu nehmen und auf die Straße zu gehen, um anderen Sammlern Mut zu machen. 

Erzbischof Heße kündigte an, dass es am 9. Dezember einen Gedenkgottesdienst in Schwerin geben wird. Die Predigt werde ein jüngerer Weggefährte und Landsmann Heinrich Theissings halten: Kardinal Joachim Meisner, emeritierter Erzbischof von Köln. 

Text u. Foto: Andreas Hüser